Deutschland

Kriminalitätsstatistik: Weniger Gewaltdelikte, mehr gewalttätige Kinder

Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei weniger Straftaten als im Vorjahr. Die Teillegalisierung von Cannabis und die Migrationspolitik des Innenministers beeinflussten die Zahlen – doch es gab nicht nur gute Nachrichten.

BKA-Präsident Holger Münch, Hamburgs Innensenator Andy Grote und Innenminister Alexander Dobrindt präsentieren Sicherheitsbericht

V.l.: BKA-Präsident Holger Münch, Hamburgs Innensenator Andy Grote und der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt stellten den Bericht am Montag vor Foto: Tobias Schwarz/AFP

In Deutschland sind die registrierten Straftaten im vergangenen Jahr zurückgegangen. Das zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2025, die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Insgesamt wurden 5.508.559 Fälle registriert – das sind 5,6 Prozent weniger als 2024.

Der Rückgang hängt jedoch teilweise mit einer Gesetzesänderung zusammen: Seit der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 werden frühere Cannabis-Delikte nicht mehr als Straftaten gezählt. Rechnet man diesen Effekt heraus, liegt der Rückgang also nur noch bei 4,7 Prozent.

Ein weiterer Effekt war der erhebliche Rückgang ausländerrechtlicher Verstöße: 2025 gingen ausländerrechtliche Verstöße wie Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asyl- und EU-Freizügigkeitsgesetz um mehr als 28 Prozent zurück. Das sind Straftaten, die nur Ausländer verüben können. Innenminister Dobrindt sieht im Rückgang einen Zusammenhang mit seiner restriktiven Migrationspolitik, die beispielsweise strenge Grenzkontrollen umfasst.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz der Länder, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), verwies ergänzend darauf, dass unter den Geflüchteten überproportional viele junge Männer sind. Also jene Gruppe, die unabhängig von ihrer Nationalität eher kriminell wird als andere Gruppen.

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei den dokumentierten Fällen um Verdachtsfälle handelt, bei denen es also oft noch keine gerichtliche Verhandlung gab. Dementsprechend sind die betroffenen Personen Tatverdächtige und keine verurteilten Straftäter.

Mehr strafauffällige Kinder

Rückläufig sind auch die Zahlen im Bereich Gewaltkriminalität: Die sanken 2025 um 2,3 Prozent auf 212.335 Fälle (2024: 217.277). Einen Anstieg gab es jedoch innerhalb dieser Kategorie bei Mord, Totschlag und der Tötung auf Verlangen (um 6,5 Prozent auf 2.453 Fälle). Es wurden auch mehr Vergewaltigungen, sexuelle Nötigung und sexuelle Übergriffe in besonders schweren Fällen registriert.

Besonders die Zahl der Kinder als Tatverdächtige bei Gewaltkriminalität ist um 3,3 Prozent auf 14.200 gestiegen. „Es ist ein Punkt, der uns immer wieder Sorgen macht“, betonte BKA-Präsident Holger Münch. Ob dabei die Nutzung von sozialen Medien eine Rolle spiele, sei noch nicht ausreichend erforscht. Das BKA verweist jedoch auf Studien, die vermehrte Zukunftsängste und die daraus entstehende psychische Belastung von Kindern als einen möglichen Grund für den Anstieg nennen. Psychische Belastungen seien zwar „keine direkte Ursache für Kriminalität“, könnten aber das Risiko bei Kindern und Jugendlichen erhöhen, straffällig zu werden.

Vor allem Frauen von Sexualdelikten betroffen

Zeitgleich mit der PKS wurde eine ausführliche Dunkelfeldstudie zur Kriminalitätsbelastung veröffentlicht. Die repräsentative Studie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ (SKiD) bezog sich auf das Jahr 2023. Die Teilnehmenden waren mindestens 16 Jahre alt.

Demnach erfuhren Männer öfter verbale Gewalt als Frauen: Sie waren offline (15,2 Prozent) ebenso wie online (6,9 Prozent) betroffen. Bei Frauen waren es offline 12,9 Prozent und online 4,8 Prozent. Sobald es aber um sexuelle Gewalt jeglicher Form ging, von verbaler Belästigung on- und offline bis hin zu Vergewaltigungen, waren Frauen deutlich häufiger Opfer. 11,2 Prozent von ihnen gaben an, innerhalb des Jahres 2023 sexuell belästigt worden zu sein, bei den Männern waren es 2,9 Prozent.

Die Dunkelstudie fragte auch das Sicherheitsgefühl der Teilnehmenden ab. In ihrer Wohngegend (97,4 Prozent) und im öffentlichen Raum (88,7 Prozent) fühlten sich die meisten Menschen tagsüber sicher. Nachts sieht das ein bisschen anders aus. Ohne Begleitung fühlten sich noch 74 Prozent in ihrer Wohngegend sicher, im öffentlichen Raum waren es nur noch gut 40 Prozent.

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