Frankreich

Gefahr unter der Erde: „Zombiefeuer“ schwelen nach einem Waldbrand monatelang

Auch wenn die Feuerwehren in Südfrankreich die Flammen gebändigt haben, ist die Gefahr wohl auf Monate nicht gebannt. Zombiefeuer können noch monatelang unter dem Boden schwelen.

Ein Feuerwehrmann legt während der Waldbrände im Südwesten Frankreichs in der Nähe von Lege-Cap-Ferret ein kontrolliertes Feuer an, um das Brandgebiet einzudämmen.

Ein Feuerwehrmann legt während der Waldbrände im Südwesten Frankreichs in der Nähe von Lege-Cap-Ferret ein kontrolliertes Feuer an, um das Brandgebiet einzudämmen. Foto: Emma Da Silva/dpa

Die Gefahr lauert unter der Erde: Feuerwehrleute und Förster bereiten sich darauf vor, das riesige Brandgebiet in Südfrankreich auf sogenannte „Zombiefeuer“ zu überwachen. Die Brandherde schwelen unter der Erde und können ohne Vorwarnung wieder aufflammen – teils Kilometer weit weg, Wochen oder Monate nachdem der eigentliche Waldbrand gelöscht ist.

Trockener Torfboden

Der trockene Torfboden bei Bordeaux ist besonders anfällig. Auch wenn der Großbrand im Département Gironde inzwischen als „stabilisiert“ gilt und die Flammen in den kommenden Tagen gelöscht werden, schwelt es unter der Erde. Sichere Anzeichen sind glimmende Wurzeln oder Rauchwolken, die scheinbar aus dem Nichts aufsteigen.

Die Torfschicht am Waldboden besteht aus Pflanzenteilen, die sich über die Jahre langsam zersetzen. Ein ideales Brennmaterial für die schwelende Glut, die mangels Sauerstoff unter der Erde versteckt bleibt, bis Wind und Trockenheit sie wieder anfachen.

„Das Feuer ist überall, es schwelt“, sagt Feuerwehrmann Cyril Venière. „Es wird mindestens Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis wir es schaffen, es vollständig zu löschen. Wir müssen das gesamte Gebiet genau überwachen“ – im Zweifel über Jahre hinweg.

Lehren aus Großbrand 2022

Das Gebiet eines Waldbrands in der gleichen Region 2022 wird nach Feuerwehrangaben noch immer überwacht. Zwei Jahre lang entdeckten Feuerwehrleute immer wieder Reste des Feuers.

„Diese schwelenden Feuer, die plötzlich an Stellen oder in Umgebungen ohne ersichtliche Quelle auftauchen, haben uns viele Probleme bereitet“, erinnert sich der Kommandant des Feuer- und Rettungsdienstes in der Gironde, Matthieu Jomain, an die Tage und Wochen nach dem Waldbrand. „Sie tauchen hier und dort auf, ohne unbedingt einem Muster zu folgen.“ Feuerwehrleute hätten Stück für Stück Asche und Erde abgetragen, um Brandherde tief in der Erde zu finden.

Aufflammen „jeden Tag“ erwartet

Es dürfte noch mehrere Tage dauern, bis der aktuelle Großbrand gelöscht ist. Die Flammen haben 42.000 Hektar Torfwald und Dünenlandschaften zwischen der bei Touristen beliebten Halbinsel Cap-Ferret und den Ausläufern der Stadt Bordeaux verwüstet. Die Feuerwehrleute konzentrieren sich nach Angaben der Rettungskräfte nun auf die verbleibenden Brandherde und rund 240 Kilometer am Waldrand, die abgesichert werden müssen.

Für die Überwachung der verbrannten Fläche sind anschließend die rund 2500 Freiwilligen der Organisation zum Schutz der Wälder vor Bränden (DFCI) in der Region zuständig. Ihr Vorsitzender Bruno Lafon hofft angesichts des schieren Ausmaßes der Brände auf Unterstützung von Bauern in der Region – und „vielleicht schicken sie uns ein paar Soldaten“.

„Schauen Sie sich die Fläche an, können Sie sich das vorstellen? Der Umfang des Feuers misst 130 Kilometer! Im August wird es heiß, da wird jeden Tag etwas wieder aufflammen“, warnt Lafon. Er rechnet damit, dass sich die Lage erst mit dem Regen im Winter beruhigt. Die Zombiefeuer unter der Erde „machen uns Angst“, sagt er. „Wir sind nicht genügend Leute.“

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