Ölpreis über 100 Dollar
Freigabe von Öl-Notreserven: G7-Staaten „noch nicht soweit“
Die Ölpreise erreichen neue Höchststände, die G7-Staaten prüfen laut einem Medienbericht den Einsatz ihrer Reserven. Was der Iran-Krieg für die Energiemärkte bedeutet.
Viele Öltanker hängen weiterhin im Persischen Golf fest Foto: Federico Gambarini/dpa
Die Ölpreise setzen ihren Höhenflug wegen des Kriegs im Nahen Osten fort und haben die Marke von 100 US-Dollar übersprungen. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Das Niveau konnte er aber nicht ganz halten, er lag allerdings im Vormittagshandel mit 107 Dollar immer noch 15 Prozent höher als am Freitag.
Damit kletterte der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Start des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus auf fast 50 Prozent.
Angst vor längerer Sperrung der Straße von Hormus
Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus kam durch den Krieg faktisch zum Erliegen. Die Angst vor einer längeren Sperrung der Schifffahrtsstraße bleibt ein bestimmendes Thema. Am Wochenende hat Israel zudem Öllager in der iranischen Hauptstadt Teheran angegriffen.
Es gibt weiterhin keine Anzeichen für ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump „nehmen die Risiken für ein längeres Andauern weiter zu“, heißt es bei der Dekabank.
Trump: Geringer Preis für Sicherheit und Frieden
Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zum Problem werden könnten, versuchte, den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: „Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Freigabe von Öl-Notreserven: G7-Staaten „noch nicht soweit“
Die G7-Staaten haben eine Freigabe ihrer Ölreserven angesichts der steigenden Energiepreise infolge des Iran-Kriegs vorerst abgelehnt. „Wir sind noch nicht soweit“, sagte der französische Finanzminister Roland Lescure am Montag nach einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen aus Deutschland, den USA, Japan, Kanada, Großbritannien und Italien. In den kommenden Wochen sei eine Freigabe aber denkbar.
„Wir haben vereinbart, bei Bedarf alle notwendigen Instrumente einzusetzen, um den Markt zu stabilisieren – einschließlich einer möglichen Freigabe der nötigen Lagerbestände“, sagte Lescure in Brüssel, wo er anschließend an einem Treffen der Finanzminister der Eurogruppe teilnahm.
Die Öl- und Gaspreise sind infolge des Krieges in die Höhe geschnellt. Der Ölpreis stieg erstmals seit fast vier Jahren wieder auf mehr als 100 Dollar pro Barrel. Auch der Gaspreis stieg weiter. Grund ist die faktische Sperrung der Straße von Hormus und Angriffe auf Raffinerien unter anderem in Katar, Saudi-Arabien und Bahrain.