Mali
Dschihadisten rufen zu „gemeinsamer Front“ gegen Junta auf
Knapp eine Woche nach Beginn ihrer gemeinsamen Angriffe mit Tuareg-Rebellen haben die Dschihadisten in Mali zur Bildung einer „gemeinsamen Front“ gegen die regierende Militärjunta aufgerufen.
Dieses Videobild zeigt Malis Juntachef Assimi Goïta während seiner ersten öffentlichen Ansprache seit den Angriffen jihadistischer Kämpfer und tuaregischer Separatisten am Wochenende. Malis Juntaführer Assimi Goïta erklärte am 28. April 2026, „die Lage sei unter Kontrolle“ – drei Tage nachdem eine massive Welle von Rebellenangriffen seine Militärregierung erschüttert hatte AFP
„Wir rufen alle aufrichtigen Patrioten, ohne jegliche Unterscheidung, dazu auf, sich zu erheben und unsere Kräfte in einer gemeinsamen Front zu vereinen“, erklärte die Dschihadistengruppe JNIM am Donnerstag. Unterdessen meldete die Tuareg-Rebellengruppe FLA am Freitag die Einnahme des wichtigen Militärstützpunktes Tessalit im Norden des Landes.
Ihren Aufruf zur Bildung einer Einheitsfront richtete die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete JNIM an „die politischen Parteien, die nationalen Streitkräfte, religiöse Autoritäten, traditionelle Anführer und alle Bestandteile der malischen Gesellschaft“. Es sei „zwingend notwendig“, der Junta ein Ende zu setzen, um „einen friedlichen und inklusiven Übergang“ hin zu einem „neuen Mali“ zu ermöglichen. In diesem werde „eine der wesentlichen Prioritäten die Einführung der Scharia“, des islamischen Rechts, sein.
Zuvor hatte die Gruppe mit einer Blockade der malischen Hauptstadt Bamako begonnen. Mehrere Hauptverkehrsstraßen wurden gesperrt, nach Angaben von Transportunternehmen saßen am Donnerstag hunderte Fahrzeuge mit Waren fest. Betroffen waren insbesondere Routen in Richtung der für Malis Wirtschaft wichtigen Hafenstädte Conakry, Abidjan und Dakar. Die JNIM hatte die Blockade der Zufahrtsstraßen nach Bamako zwei Tage zuvor angekündigt.
Die Islamisten drohten zudem allen, die sich noch auf den Straßen in Richtung Hauptstadt oder der nahegelegenen wichtigen Stadt Kati aufhielten, mit schweren Vergeltungsmaßnahmen. Nur, wer sich bereits in Bamako befinde, dürfe die Stadt verlassen, erklärte ein JNIM-Sprecher.
Dschihadisten und Tuareg-Rebellen hatten am vergangenen Wochenende im ganzen Land Positionen der Militärjunta angegriffen und dabei die Kontrolle über die wichtige Stadt Kidal im Norden des Landes übernommen. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA und die islamistische JNIM bekannten sich zu den Angriffen.
Am Freitag gab die FLA dann bekannt, dass sich die malische Armee und russische Söldner auch aus der wichtigen Militärfestung Tessalit zurückgezogen hätten. Die Truppen und Söldner dort hätten sich ebenso ergeben wie zuvor in Kidal, sagte ein FLA-Sprecher. Aus Sicherheitskreisen in Gao erfuhr AFP, dass es keine Zusammenstöße gegeben habe und dass die Truppen bereits abgezogen waren, als die Rebellen einmarschierten.
„Das Land ist leider verloren“
Tessalit liegt nahe der Grenze zu Algerien und ist von großer strategischer Bedeutung. Es beherbergt malische und russische Truppen und militärische Ausrüstung. Zudem befindet sich auf dem Stützpunkt eine Landebahn, die für Hubschrauber und große Militärflugzeuge geeignet ist. Russland unterstützt mit Söldnern die Militärregierung in Mali. Mali hat - wie auch seine Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso - die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich abgebrochen und sich Moskau angenähert.
In der Folge zogen, nachdem das Militär im Jahr 2020 die Macht in Mali übernommen hatte, sowohl die französischen Soldaten als auch Truppen der deutschen Bundeswehr, die an einer UNO-Mission im Land teilgenommen hatten, aus dem Land aus. Die neuerliche Wende in dem von Kriegen und Krisen gebeutelten Land, könnte ein Zunahme von Flüchtlingen aus der Region nach Europa mit sich bringen.
Das gegenwärtige Zweckbündnis der Dschihadisten und Tuareg-Rebellen dürfte allerdings nicht von Dauer sein, meinte der Mali-Experte Ulf Laessing gegenüber dem deutschen Fernsehsender ZDF. Die islamischen Extremisten seien derzeit jedoch nicht in der Lage die Hauptstadt Bamako einzunehmen. Die dortige muslimische Bevölkerung wolle zudem nichts mit den Radikalen zu tun haben. Nach Laessing könnte es zu Verhandlungen zwischen der Militärregierung und den Dschihadisten kommen. Eine dauerhafte friedliche Lösung sei jedoch nicht in Sicht: „Das Land ist leider verloren, das muss man sagen“, so das Urteil vom Ulf Laessing. (AFP/Red.)
