Truppenabzug
Good-bye Germany: Warum Deutschland für die US-Armee so wichtig ist
Seit mehr als 80 Jahren sind US-Truppen in Deutschland stationiert. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahrzehnten stetig abgenommen, dennoch haben sie nach wie vor eine bedeutende sicherheitspolitische und wirtschaftliche Bedeutung. Ein Überblick.
US-Präsident Donald Trump und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Treffen im Weißen Haus Foto: AFP/Jim Watson
Die Vereinigten Staaten wollen ihre Drohungen wahr machen und tausende Soldaten aus Deutschland abziehen: US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte am Freitag an, dass in den kommenden zwölf Monaten rund 5000 US-Soldaten das Land verlassen. US-Präsident Donald Trump legte am Samstag nach: Es würden noch „weit mehr als 5000“ US-Soldaten abgezogen, sagte er vor Journalisten, ohne jedoch eine genaue Zahl zu nennen. Antworten auf einige zentrale Fragen zur US-Armee in Deutschland:
Wie viele USA-Soldaten sind in Deutschland stationiert?
Seit mehr als 80 Jahren sind US-Soldatinnen und -Soldaten in Deutschland stationiert. Nach offiziellen Angaben waren es Ende Dezember gut 36.000 – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach am Samstag von „insgesamt fast 40.000“ US-Militärs, die „aktuell“ in Deutschland stationiert seien. Die Zahl ist seit dem Ende des Kalten Kriegs kontinuierlich gesunken. In den 1980er Jahren waren noch gut 250.000 US-Soldatinnen und -Soldaten hierzulande stationiert, Deutschland war damals Frontstaat.
Vor 20 Jahren, im Jahr 2006, waren es immer noch mehr als 70.000. Grund für den Rückgang ist eine geänderte globale Sicherheitslage, auf die das US-Militär durch Truppenverlegungen reagiert. Die Zahl der US-Soldaten, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs einen Teil ihres Diensts in Deutschland verbrachten, geht in die Millionen.
Warum ist Deutschland für die US-Armee so wichtig?
Die Bundesrepublik ist wegen ihrer geografischen Lage von großer Bedeutung für die US-Streitkräfte. Das Land ist Knotenpunkt für die Einsätze im Nahen Osten: Insbesondere der Luftwaffenstützpunkt Ramstein ist auch für den Iran-Krieg von zentraler Bedeutung. In Deutschland befinden sich einige der wichtigsten US-Militärstandorte außerhalb der USA.
Wirtschaftliche Bedeutung
Am Fliegerhorst Büchel lagern US-Atomwaffen. In Stuttgart ist das US-Regionalkommando für Europa und Afrika ansässig. Der Truppenübungsplatz im bayerischen Grafenwöhr gilt als einer der größten in Europa. Insgesamt unterhält die US-Armee rund 20 Einrichtungen in Deutschland, vor allem im Süden und Südwesten.
Welche Bedeutung hat die Stationierung für Deutschland?
Die Präsenz der US-Truppen ist für Deutschland wichtig – vor allem in sicherheitspolitischer Hinsicht, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Gerade angesichts eines aggressiv auftretenden Russlands ist die Bundesrepublik auf Abschreckung durch die USA angewiesen – die Bundeswehr selbst hat dazu bislang nicht die nötigen Kapazitäten. Ein Abzug der US-Truppen würde eine Lücke reißen, die die Bundeswehr nicht füllen könnte.
Für die regionale Wirtschaft um die US-Stützpunkte in Bayern und Rheinland-Pfalz ist die Truppenpräsenz ebenfalls wichtig: Sie beschäftigt an die 12.000 deutsche Zivilangestellte und ist für die oft eher strukturschwachen Regionen eine bedeutsame Einnahmequelle, weil die US-Armee dort Waren und Dienstleistungen nachfragt.
Wie bewertet US-Präsident Trump die US-Militärpräsenz in Deutschland?
Trump hatte bereits 2020 in seiner ersten Amtszeit mit einem Teilabzug aus Deutschland gedroht, er wollte die Zahl der US-Soldaten auf 25.000 senken. Grund war Trumps Verärgerung über die seiner Ansicht nach zu niedrigen deutschen Verteidigungsausgaben. Trumps Nachfolger Joe Biden legte die Abzugspläne dann zur Seite. Nach seinem zweiten Amtsantritt 2025 stellte Trump abermals eine Reduzierung der US-Truppen in Europa in Aussicht. Ein substanzieller Rückzug aus Deutschland ist aber unwahrscheinlich – gerade wegen der großen strategischen Bedeutung des Landes für die US-Streitkräfte. (AFP)