Europa
Erneut zahlreiche Bombendrohungen gegen Flüge – und Medien
Die Welle von Bombendrohungen gegen Flugzeuge im europäischen Luftraum dauert an: Am Freitag waren nach Angaben von Flughäfen und Behörden mindestens 16 Flüge betroffen. In Irland mussten zudem die Redaktionen mehrerer Radio- und Fernsehsender nach Bombendrohungen geräumt werden.
Betroffen von den Bombendrohungen waren unter anderem Flüge von und zum Václav-Havel-Flughafen nach Prag Foto: Michal Cizek/AFP
Wer hinter den Drohungen steckt, ist weiter unklar. Ein Sprecher des deutschen Außenministeriums sagte, die Anzahl der Fälle deute auf ein koordiniertes Vorgehen hin. Auch die irische Regierung sprach von einer mutmaßlich „koordinierten Stör-Kampagne“.
Bombendrohungen gingen am Freitag unter anderem gegen elf Flüge von und nach Prag und Sofia ein, wie der Prager Flughafen und die bulgarische Regierung mitteilten. Vier Maschinen landeten wegen Bombendrohungen außerplanmäßig in Frankreich. Sprengsätze wurden nicht gefunden. Auch gegen einen geplanten Ryanair-Flug von Lissabon nach Rom ging nach Angaben der portugiesischen Behörden eine Bombendrohung ein.
Irland meldete zudem eine Serie von Bombendrohungen gegen Radio- und Fernsehsender. Bewaffnete Polizisten rückten zur Zentrale des öffentlich-rechtlichen Rundfunks RTE in Dublin aus. Auch die Redaktionen der Zeitung „Irish Independent“, der Radiosender Newstalk und Today FM sowie des Fernsehsenders Virgin Media wurden nach Bombendrohungen evakuiert. Premierminister Simon Harris sprach von einer „ernsten Lage“. Sprengsätze wurden nicht gefunden.
Falsche Drohungen wie diese verursachen Angst, Stress und Störungen
Irische Regierung
Ein Zusammenhang mit den Bombendrohungen gegen Flugzeuge in ganz Europa liege nahe, erklärte die Regierung in Dublin: „Es scheint wahrscheinlich, dass es sich um eine koordinierte Stör-Kampagne handelt.“ Die Folgen seien schwer, betonte ein Regierungssprecher: „Falsche Drohungen wie diese verursachen Angst, Stress und Störungen.“ Polizei, Armee, Luftfahrtbehörden und Cyberspezialisten täten alles, „um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen“.
Erst am Donnerstag hatte es Bombendrohungen gegen fast 30 Flüge im europäischen Luftraum gegeben. Mehrere Maschinen wurden umgeleitet oder von Militärflugzeugen eskortiert. Betroffen waren vor allem Billigfluggesellschaften. Alle Flugzeuge konnten sicher landen, Sprengsätze wurden nicht gefunden.
„Hybride Angriffe“
Am Dienstag waren zehn Flugzeuge auf innereuropäischen Verbindungen von Bombendrohungen betroffen, die sich später als falsch herausstellten. Am Montag war eine Maschine von Wizz Air wegen einer Drohung umgeleitet worden.
Bislang ist unklar, wer hinter den Drohungen steckt. In einigen Fällen gingen Bekennerschreiben ein, in denen von „Kämpfern des Männerstaats“ die Rede ist, einer rechtsextremen Gruppierung aus Russland. Ein Zusammenhang ließ sich zunächst nicht belegen.
Die Bombendrohungen seien „im Zusammenhang mit den hybriden Angriffen auf europäische Staaten“ zu sehen, sagte der Experte Jean-Marc Rickli vom Geneva Centre for Security Policy (GCSP) der Nachrichtenagentur AFP. Bei minimalen Kosten hätten sie große Auswirkungen auf den Luftverkehr und auf das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung.
Die EU-Staaten werfen Russland und dem Iran immer wieder Destabilisierungsversuche mithilfe von Cyberattacken, Desinformationskampagnen und Sabotage vor. (AFP)
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