Drohnenattacken

Erneut Frachter vor Bulgariens Küste versenkt

Nach den erneuten Drohnenattacken auf zwei Frachter vor Bulgariens Küste hat Sofia die russische Botschafterin zum Rapport einbestellt. Der als russophil geltende Premier Rumen Radew gerät derweil wegen seiner bisherigen Langmut gegenüber Moskau zunehmend in die Kritik – und unter Handlungsdruck.

Bereits vergangene Woche wurden Seeleute nach Drohnenangriffen auf ihr Schiff vor der Küste Bulgariens gerettet

Bereits vergangene Woche wurden Seeleute nach Drohnenangriffen auf ihr Schiff vor der Küste Bulgariens gerettet Foto: AFP

Selbst die Geduld von Bulgariens russlandfreundlichem Premier Rumen Radew mit Moskau scheint nach den erneuten Drohnenattacken auf Frachtschiffe vor der heimischen Schwarzmeerküste erschöpft. Verstimmt bestellte der frühere Kampfpilot am Dienstag die russische Botschafterin in Sofia zum Rapport über die „absolut inakzeptablen Angriffe“ ein.

Es gebe zwar noch keine klaren Beweise über die Herkunft der Drohnen, so der Regierungschef: Doch die „Logik“ der Attacken deute darauf hin, dass diese „im Interesse der Russischen Föderation“ erfolgt seien.

Die 15 aus der Ukraine und Aserbaidschan stammenden Seeleute des in Odessa registrierten und unter maltesischer Flagge fahrenden Frachters „Chelsea 3“ konnten nach dreifachem Drohnenbeschuss zwar geborgen werden. Doch von der überwiegend syrischen Besatzung des versenkten Frachters „Azord Concord“ wurden am Dienstagmittag noch stets elf Seeleute vermisst, weitere sieben sollen laut Presseberichten gerettet worden sein.

Die Illusion, dass man ungeschoren davonkommt, wenn man vor Putin und dem Kreml buckelt, funktioniert offenbar nicht

Iwajlo Mirtschew

Bulgarischer Oppositionsabgeordneter

Von einem „eklatanten Verstoß gegen das Seerecht“ spricht der empörte Radew – und fordert von der NATO und der EU die Koordinierung verstärkter Anstrengungen, die wiederholten Angriffe auf zivile Frachtschiffe im Schwarzen Meer zu stoppen. Tatsächlich waren bereits vergangene Woche vor Bulgariens Küste ein Frachter schwerbeschädigt und ein weiterer versenkt worden: Die gesamte Besatzung der „Alfa Watan“ gilt seitdem als vermisst.

Brandstiftung gegen Starlink-Antennen

Die NATO und die EU sicherten Sofia in ersten Reaktionen ihre Unterstützung zu. Doch vor allem wegen seiner bisherigen Langmut gegenüber Moskau gerät Premier Radew im eigenen Land zunehmend in die Kritik – und unter Handlungsdruck. Oppositionspolitiker fragen sich, warum Radew die russische Botschafterin nicht schon nach den Drohnenattacken in der letzten Woche einbestellt habe und zögere, Russland klar als Aggressor zu benennen.

Radews Strategie, jede Konfrontation mit Russland zu vermeiden, habe „versagt“, so der oppositionelle DB-Abgeordnete Iwajlo Mirtschew: „Die Illusion, dass man ungeschoren davonkommt, wenn man vor Putin und dem Kreml buckelt, funktioniert offenbar nicht.“

Wie Mirtschew verweist auch der oppositionelle Präsidentschaftskandidat und frühere Übergangspremier Andrej Gjurow (PP) auf die Zerstörung von elf Starlink-Satelliten-Antennen in der Nähe von Sofia durch Brandstiftung in der Nacht zum Dienstag, bei der zwei maskierte Männer gefilmt worden waren. „Reißt endlich Eure Köpfe aus dem Sand“, so seine Aufforderung an die Regierung: „Die hybride Kriegsführung ist im vollen Gange.“

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