Schengen

EU legt Deutschland Ende der Kontrollen an Binnengrenzen nahe

Weil bald der neue Asylpakt in Kraft tritt, sei die Notwendigkeit von Grenzkontrollen im Schengen-Raum nicht mehr gegeben, argumentiert die EU-Kommission.

Bundespolizei kontrolliert Verkehr am deutsch-niederländischen Grenzübergang zur Sicherheit und Grenzkontrolle

Polizisten der Bundespolizei kontrollieren den Verkehr an einem Grenzübergang zwischen den Niederlanden und Deutschland Foto: Oliver Berg/dpa

Die EU hat Deutschland und acht anderen europäischen Ländern nahegelegt, ihre Kontrollen an den Binnengrenzen des Schengenraums zu beenden. Die EU-Kommission erklärte am Dienstag, das neue System für digitale Grenzkontrollen an den Außengrenzen sowie das bevorstehende Inkrafttreten des Asylpakts würden die Notwendigkeit von Binnenkontrollen verringern. „Unter diesen Voraussetzungen sind die Mitgliedstaaten in der Lage, auf die schrittweise Abschaffung der Kontrollen an den Binnengrenzen hinzuarbeiten“, argumentierte EU-Innenkommissar Magnus Brunner.

Nach Angaben der Kommission kontrollieren derzeit neben Deutschland noch Österreich, Dänemark, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Slowenien und Schweden an ihren Grenzen zu anderen Schengenländern. Norwegen ist zwar kein EU-Mitglied, aber Teil des Schengenraums.

Mehr als 490 Abweichungen

Die EU-Kommission verweist im Zusammenhang mit den Kontrollen auf „effizientere und wirksamere“ Alternativen, wie „nichtsystematische Polizeikontrollen oder mobile biometrische Identifizierungs- und Fahrzeugortungstechnologien“. Zudem werde das Inkrafttreten des Asylpakts „die strukturellen Voraussetzungen deutlich stärken, die für eine schrittweise Aufhebung der Binnengrenzkontrollen erforderlich sind“, argumentierte die Behörde.

Nach Angaben der EU-Kommission wichen Schengen-Mitgliedsländer seit 2006 in mehr als 490 Fällen von dem Grundprinzip der unbegrenzten Reisefreiheit ab. Dabei darf ein Mitgliedsland laut Schengen-Kodex eigentlich nur im Fall „außergewöhnlicher Umstände“ wieder an den Grenzen kontrollieren – und zwar „vorübergehend“ und als „letztes Mittel“.

Deutschland nimmt im Prinzip seit 2015 mit wechselnder Intensität durchgehend Kontrollen an seinen Grenzen vor. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuletzt im Februar eine Verlängerung der eigentlich im März auslaufenden Grenzkontrollen um weitere sechs Monate angekündigt. (AFP)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Nahost-Konflikt

Es kriselt zwischen Trump und Netanjahu

Deutschland und Ungarn

Bei Berlin-Besuch: Merz sichert Magyar Unterstützung zu