Ruanda – 30 Jahre nach dem Genozid

Die unvollendete Aufarbeitung des Völkermords

Vor 30 Jahren starben in Ruanda in nur hundert Tagen etwa eine Million Menschen durch die Gewalttaten des aus der Bevölkerungsmehrheit der Hutu bestehenden Militärs und der Polizei sowie Hutu-Milizen. Ihre Opfer waren Angehörige der Tutsi und gemäßigte Hutu. Die Verbrechen sind bis heute nicht gänzlich aufgeklärt. Die Folgen des Genozids reichen bis in die Gegenwart.

Paul Kagame (Mitte), Präsident von Ruanda, entzündet am 7. April eine Gedenkflamme während einer Zeremonie zum 30. Jahrestag des ruandischen Völkermords am Völkermorddenkmal

Paul Kagame (Mitte), Präsident von Ruanda, entzündet am 7. April eine Gedenkflamme während einer Zeremonie zum 30. Jahrestag des ruandischen Völkermords am Völkermorddenkmal Foto: Brian Inganga/AP/dpa

„Es fing alles am 6. April an, einem Mittwoch“, beginnt Didace Kalisa zu erzählen. „Ich wohnte mit meinem Cousin in Kigali zusammen. Damals war ich 29 Jahre alt.“ Der heutige Direktor der „Agence nationale pour l’information des jeunes“ (ANIJ) in Bonneweg spricht ruhig und bedächtig. „Als wir am Abend nach Hause kamen, hörten wir von dem Absturz. Das Flugzeug des ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana war beim Landeanflug abgeschossen worden.“ Dabei kam neben diesem auch dessen burundischer Amtskollege Cyprien Ntaryamira ums Leben. Wer die Boden-Luft-Rakete abgeschossen hatte, ist bis heute umstritten. „Ich hatte sofort verstanden, was das bedeuten würde – mir war klar, dass von nun an nichts wird mehr so sein würde, wie es einmal war“, sagt Kalisa. Schon im Laufe des Tages waren Menschen auf der Straße umgebracht worden. Häuser brannten. Es war wie vor einer Apokalypse. Und ich war getrennt von meiner Familie.“

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