Iran-Krieg
Die Feuerpause droht zu scheitern
Im Iran-Krieg sollen für zwei Wochen die Waffen schweigen. Doch bereits kurz nach Beginn erwägt Iran, aus der Feuerpause auszusteigen – und verstößt selbst gegen die Vereinbarung mit den USA.
Der Waffenstillstand im Iran-Krieg steht auf der Kippe Foto: Ariel Schalit/AP/dpa
Heftige Angriffe Israels im Libanon, neuer Beschuss aus dem Iran auf Länder in der Region und ein erneuter Stopp für die Schifffahrt in der Straße von Hormus könnten die Waffenruhe im Iran-Krieg gefährden. Der Iran erwägt nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, wegen der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon aus der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause mit den USA auszusteigen.
Aus Protest gegen die Angriffe auf die verbündete Miliz stoppte der Iran den Angaben von Fars zufolge auch den Schiffsverkehr durch die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge wieder. Diese Blockade widerspricht der Vereinbarung mit den USA.
Israel: Größter koordinierter Angriff gegen Hisbollah
Die israelische Armee griff den Libanon massiv an und sprach selbst vom „größten koordinierten Angriff“ gegen militärische Infrastruktur der Hisbollah seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Miliz Anfang März. Dabei seien mindestens 112 Menschen getötet und mehr als 800 verletzt worden, sagte ein Sprecher des libanesischen Gesundheitsministeriums.
Aus Sicht der iranischen Führung verstößt Israel mit den Angriffen gegen die Vereinbarung. Pakistans Premier, Shehbaz Sharif, schrieb auf X, die Feuerpause gelte ausdrücklich auch für den Libanon.
Israels Premier Benjamin Netanjahu widersprach und betonte, der Waffenstillstand beziehe sich nur auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran – nicht aber auf den Einsatz gegen die Hisbollah. Israel wirft dem Iran vor, nach Inkrafttreten der Feuerpause seine Angriffe auf das Land fortgesetzt zu haben.
Erleichterung nach Ankündigung der Waffenruhe
Die internationale Gemeinschaft hatte mit großer Erleichterung auf die Waffenruhe-Vereinbarung reagiert. Zugleich wurden die Kriegsparteien beschworen, den diplomatischen Erfolg abzusichern. „Ziel muss nun sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz.
Auch mehrere arabische Staaten sehen die Entwicklung positiv. Es sei wichtig, Lösungen zu finden, die die Krise an der Wurzel packten, teilte das Außenministerium des Oman mit. Die Golfstaaten waren in den vergangenen Wochen immer wieder unter Beschuss aus dem Iran geraten.
Die Börsen feierten die Waffenruhe mit einem deutlichen Anstieg der Kurse.
Iran: Passage der Straße von Hormus erst nach Genehmigung
Insbesondere nach neuen Angaben aus dem Iran herrschte Unklarheit, ab wann und unter welchen Bedingungen die Straße von Hormus wieder passierbar wird. Der Schiffsverkehr unterliege nach wie vor „technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften“, hieß es aus Teheran. Nach Angaben von Fars passierten nur zwei Öltanker die Straße von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest wieder eingestellt wurde.
Zehn-Punkte-Plan soll Grundlage für weitere Gespräche sein
Kurz vor Ablauf des Ultimatums von US-Präsident Donald Trump, der auf eine Öffnung der Meerenge gepocht und angedroht hatte, die iranische Zivilisation durch ein Bombardement der zivilen Infrastruktur auszulöschen, hatten sich die Kriegsparteien auf einen von Teheran vorgelegten Zehn-Punkte-Plan geeinigt. Der soll die Grundlage für Friedensverhandlungen ab Freitag in Pakistans Hauptstadt Islamabad sein.
Offiziell ist der Plan nicht öffentlich gemacht worden. Laut iranischen Medien soll die Straße von Hormus zwar geöffnet werden, der Iran aber die Kontrolle über die Meerenge behalten sowie Uran anreichern dürfen. Auch die Aufhebung der harten internationalen Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats wird gefordert. Die Islamische Republik verpflichte sich ihrerseits, niemals Atomwaffen herzustellen. Die Urananreicherung solle nach Verhandlungen eingeschränkt werden.
Beide Seiten wollen Sieger sein
Beide Seiten erklärten sich angesichts der Feuerpause zu Siegern. Viele regierungstreue Anhänger feierten in Teheran. Trump habe sich den iranischen Forderungen gebeugt, sagte der Reporter des Senders SNN TV, der den paramilitärischen Basidsch-Milizen nahesteht.
Experten meinten, die USA hätten wenige ihrer Forderungen durchsetzen können. „Das, was jetzt erreicht worden ist, sieht eher nach einer strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika aus“, sagte der Sicherheitsexperte Carlo Masala im Deutschlandfunk. In dem Zehn-Punkte-Plan „ist ja wenig iranisches Entgegenkommen gegenüber den amerikanischen Forderungen von Beginn an drin“.
Um eine Wiederbewaffnung des Irans zu erschweren, kündigte Trump Strafzölle von 50 Prozent für Staaten an, die Teheran mit Waffen belieferten.
US-Vizepräsident Vance spricht von „fragiler“ Lage
Nach Ansicht von US-Vizepräsident JD Vance ist ein Erfolg der Friedensgespräche alles andere als gewiss. Die Lage sei „fragil“, weil es im Machtzentrum des Irans sowohl Kreise gebe, die konstruktiv an mögliche Friedensverhandlungen herangingen, als auch solche, die diese torpedieren möchten, so Vance.
Spannung vor Treffen im Weißen Haus
Die Einigung auf eine Waffenruhe in dem am 28. Februar von den USA und Israel begonnen Krieg im Iran erfolgte kurz vor einem Treffen Trumps mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus am Abend. Bei dem Gespräch dürfte es um die heftige Kritik Trumps an dem Bündnis gehen. Er hatte versucht, Nato-Verbündete dazu zu drängen, den USA bei der Sicherung der Straße von Hormus zu helfen. Als die Hilfe ausblieb, verunglimpfte Trump das Bündnis als zahnlosen Tiger.
Wie geht es jetzt weiter?
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lud Delegationen der USA und des Iran für weitere Gespräche am Freitag in die Hauptstadt Islamabad ein. Pakistanischen Quellen zufolge könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten an den Gesprächen teilnehmen.
Wie steht Israel zu der Abmachung?
Israel war an den Verhandlungen nicht beteiligt, unterstützt Trumps Entscheidung für die Feuerpause nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aber. Voraussetzung sei, dass der Iran die Straße von Hormus öffne und seine Angriffe ebenfalls aussetze. Israel pocht demnach weiterhin darauf, dass der Iran mit seinem Atom- und Raketenprogramm keine Bedrohung mehr für die USA, Israel und die arabischen Nachbarn Teherans darstellen darf.