250 Jahre USA
Der „amerikanische Traum“ verblasst unter Trump
Vom Tellerwäscher zum Millionär: Der „amerikanische Traum“ fasziniert im 250. Gründungsjahr der USA immer noch Millionen Menschen. Unter Trump hat das Ideal an Attraktivität eingebüßt, auch wenn dieser immer wieder ein „goldenes Zeitalter“ beschwört. Womöglich auch, weil Trump für etwas anderes steht: den Aufstieg vom Multimillionär zum Milliardär.
Ob hier auch der „amerikanische Traum“ gemacht wird, ist nicht überliefert: Tankstation an der legendären Route 66 in Texas Foto: Heather Diehl/Getty Images/AFP
Nahezu grenzenlose Aufstiegsmöglichkeiten – das verbinden viele mit den Vereinigten Staaten. Einen anderen Ton haben die US-Gründerväter in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 angeschlagen: „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ heißen dort die „unveräußerlichen Rechte“ aller Menschen.
„Ich definiere den amerikanischen Traum über harte Arbeit“, sagt der Obstverkäufer Reinaldo Gutierrez Iglesias. „Dieses Land bietet großartige Möglichkeiten“, meint der 60-Jährige, der in Kuba geboren wurde und seit 15 Jahren in Miami lebt. „Aber es gab Zeiten, in denen ich zwei oder drei Jobs gleichzeitig hatte, um meine Familie zu versorgen.“
Dass jeder sein Leben durch harte Arbeit verbessern kann, ist ein weit verbreiteter Glaube in den USA. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup glauben immer noch 69 Prozent, sie könnten den amerikanischen Traum erreichen. Allerdings sind es vier Prozent weniger als noch im Präsidentschaftswahlkampf 2024.
Heute reden wir von 65 bis 75 Arbeitsstunden pro Woche, um über Wasser zu bleiben und alle Rechnungen bezahlen zu können
Jerrial Young
Barkeeper und Gelegenheitsarbeiter
„Für mich ist der amerikanische Traum der Traum eines Unternehmers: in ein Land zu ziehen, in dem es einfacher ist, etwas zu wagen“, sagt der französische Ingenieur Tristan Comte, der für ein Technologie-Start-up in einem schicken Gemeinschaftsbüro in San Francisco sitzt. Doch auch für den 28-jährigen Europäer sind die USA von Unsicherheiten geprägt. „Prekär wird mein amerikanischer Traum dadurch, dass die Stadt extrem teuer ist und die Visa äußerst instabil sind“, sagte er. „Ich bin hier und habe ein Gehalt. Aber es gibt keine Garantie, dass das in neun oder zwölf Monaten noch der Fall sein wird.“
Der Ausdruck „amerikanischer Traum“ geht auf den Unternehmer und Historiker James Truslow Adams zurück, der ihn 1931 mit seinem Buch „The Epic of America“ populär machte (Das Epos von Amerika). Er sei „nicht nur ein Traum von Automobilen und hohen Löhnen, sondern ein Traum von einer Gesellschaftsordnung, in der jeder Mann und jede Frau zu voller Größe auflaufen kann“ – ungeachtet der Herkunft oder der sozialen Stellung, schrieb er.
Ideal ist schwierig zu erreichen
Dieses Ideal sei schwierig zu erreichen, sagt der Barkeeper und Gelegenheitsarbeiter Jerrial Young. Der 44-Jährige lebt in einer Wohngemeinschaft im Bundesstaat Pennsylvania und spricht von einem täglichen Kampf ums Überleben. Die Verbraucherpreise – insbesondere für Energie – sind durch den von Trump mitangezettelten Iran-Krieg deutlich gestiegen. Von den Steuererleichterungen seiner Regierung profitieren vor allem Wohlhabende, die soziale Ungleichheit in den USA steigt.
Young sagt, seine Eltern hätten sich noch „nicht das Genick brechen“ müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Heute reden wir von 65 bis 75 Arbeitsstunden pro Woche, um über Wasser zu bleiben und alle Rechnungen bezahlen zu können.“ Wie viele andere in den USA weigert er sich aber, aufzugeben. „Ich glaube schon, dass Veränderungen kommen werden, weil sie kommen müssen“, sagt er.
Für die Geschäftsfrau Carmen Barreto hat sich der amerikanische Traum dagegen erfüllt. „Er hat mir enorme Zufriedenheit gebracht – durch drei erfolgreiche Unternehmen, die mir Freiheit, Einkommen und Glück bringen“, sagt die gebürtige Venezolanerin, die seit 15 Jahren in Florida lebt. Für viele Menschen sei das Leben aber hart geworden.
„Auch ich kann sagen, dass ich den amerikanischen Traum lebe“, sagt die iranischstämmige US-Bürgerin Karisa Tavassoli. „Ich lebe in Sicherheit, habe Meinungsfreiheit und kann als Frau tragen, was ich will“, sagt die Lehrerin aus Atlanta. „Der amerikanische Traum ist nicht perfekt, es gibt hier viele Mängel – aber wir haben etwas ganz Besonderes, das wir schützen sollten.“
USA feiern 250. Jahrestag ihres Bestehens
In Washington findet am Samstag die zentrale Feier zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten statt. Die Organisatoren erwarten zehntausende Besucher zu der Veranstaltung unter dem Motto „Freedom 250“ (Freiheit 250). Auch dabei dreht sich wieder einmal alles um einen Mann: Präsident Donald Trump. Der 80-Jährige hat zum Jubiläum „die spektakulärste aller Trump-Kundgebungen“ angekündigt. Er werde „eine Grundsatzrede halten, die Sie nicht verpassen wollen“, schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social an die Anhänger seiner MAGA-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig).
Auf der Nationalpromenade sind große Teile des Grünstreifens bis zum Kapitol für ein Volksfest schon seit Wochen mit Zäunen abgeriegelt. In der US-Hauptstadt gilt die höchste Sicherheitsstufe, Polizei und Nationalgarde sind im Einsatz. Bei der Jubiläumsfeier sollen Militärkapellen bekannte Hits spielen, zudem sollen Kampfjets über Washington donnern. Nach seiner Rede hat Trump die „größte Feuerwerkshow der Geschichte“ angekündigt, mit 850.000 Böllern. (AFP/Red.)