„Europa oder sterben“
Der Papst am „Kai der Schande“ auf den Kanaren
Der Hafen sieht heute fast harmlos aus. Fischerboote, Mole, Meer, Sonne. Wer nicht weiß, was hier geschah, könnte den kleinen Atlantikhafen von Arguineguín im Süden Gran Canarias für einen ganz gewöhnlichen Küstenort halten. Doch dieser Ort hat auf den Kanaren einen anderen Namen: „Muelle de la vergüenza“ – Kai der Schande.
Auf den Kanaren weisen Schilder und Plakate bereits mehrere Tage vor der Ankunft des Papstes auf dessen Besuch hin Foto: Robert Messer/dpa
Hier harrten auf dem Höhepunkt der kanarischen Migrationskrise im Jahr 2020 Tausende Menschen unter elenden Bedingungen aus. Sie kamen erschöpft in Holzbooten aus Westafrika an. Sie schliefen auf Beton, zwischen Absperrgittern, in provisorischen Lagern, die nie für solche Menschenmengen gedacht waren. Arguineguín wurde zum Symbol einer europäischen Überforderung.
Genau hierher kommt Papst Leo XIV. an diesem Donnerstag zum Abschluss seiner einwöchigen Spanienreise. Es ist die Etappe mit der wohl stärksten politischen Symbolik: eine Reise, die in Madrid mit Warnungen vor Populismus, Hassreden und Mauern begann, in Barcelona an der berühmten Gaudí-Basilika Sagrada Família einen symbolträchtigen Höhepunkt hat – und an Europas südwestlicher Grenze endet.