Weltwirtschaftsforum

Davos steht dieses Jahr „im Geiste des Dialogs“ – ob das wohl gutgeht?

Die Annexionsfantasien des US-Präsidenten bestimmen das Weltwirtschaftsforum. Es soll „Im Geiste des Dialogs“ stehen. In Zeiten von Trump ein ambitioniertes Ziel.

US-Finanzminister Scott Bessent spricht am 19. Januar 2026 während einer Pressekonferenz vor dem USA House am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos.

Das Weltwirtschaftsforum findet vom 19. bis 23. Januar 2026 in Davos statt.

US-Finanzminister Bessent traf schon am Montag in Davos ein: Im Gepäck hatte er die erste Drohung gegen Europa dabei Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Der Altar ist eine Bühne. Werbetafeln, buntes Licht – und sehr viel Amerika. Vor der Orgelempore künden Banner vom nahenden 250. Jahrestag der Gründung der USA. Zum Weltwirtschaftsforum in Davos hat die US-Delegation eine ganze Kirche als „USA House“ geschmückt. Hier wird über Künstliche Intelligenz und Raumfahrt diskutiert, aber auch über Gott. Glaube, Pomp und Pathos eng beieinander: Es wirkt wie ein Sinnbild der Politik von Donald Trump.

Der US-Präsident soll am Mittwoch in Davos eine Rede halten, an die die Teilnehmer große Erwartungen haben. Trumps Besuch macht klar: Bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) geht es in diesem Jahr um mehr als um die Weltwirtschaft und eine neue Handelsordnung. Es geht um die Frage, ob das, was man einst den Westen nannte, so überhaupt noch existiert. Wie steht es um das transatlantische Verhältnis? Und könnten die Europäer Trump in persönlichen Gesprächen von seinen Grönland-Ambitionen und Zollplänen abbringen?

Abseits des offiziellen Programms im Davoser Kongresszentrum dürfte es zu einer ganzen Reihe durchaus außergewöhnlicher Dialogformate kommen. „Im Geiste des Dialogs“: Selten war das WEF-Motto wohl so passend und so zweifelhaft zugleich. Es wirkt wie eine hehre, aber aus der Zeit gefallene Hoffnung. Wie viel ernsthafter und lösungsorientierter Dialog ist überhaupt noch möglich, wie viel will Trump überhaupt noch?

Was bringt Reden mit Trump?

So ein Dialog über Grönland werde für die EU schwer, meint die US-Expertin Laura von Daniels. „Mit Blick auf die 250-Jahre-Feier Anfang Juli hat sich Trump möglicherweise in den Kopf gesetzt, einen großen territorialen ‚Gewinn‘ für die USA herauszuholen“, sagt die Forschungsgruppenleiterin Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik der Deutschen Presse-Agentur.

Die Ambitionen des US-Präsidenten auf Grönland und seine Zolldrohungen gegen acht europäische Länder, die die Annexionspläne nicht schlucken wollen, dürften auch beim WEF viele schockiert haben. Erneut verschärft Trump damit die internationale Tonart. Und seine Drohungen stehen diametral zu dem, was das Weltwirtschaftsforum eigentlich propagiert: freien Handel, Globalisierung, Multilateralismus, also die Zusammenarbeit der Staaten auf der Welt.

Aus Luxemburg reist Luc Frieden an

An dem Treffen in Davos nehmen neben hunderten Unternehmenschefs mehr als 60 Staats- und Regierungschefs teil. Luxemburgs Premier Luc Frieden (CSV) wird am Dienstag und Mittwoch am Treffen in der Schweiz teilnehmen und sich in einem „Speed Dating“ vor allem mit Vertretern der Tech-Branche unterhalten.

Riesige US-Delegation

Trump reist mit der größten und ranghöchsten Delegation an, die der kleine Wintersportort in den Schweizer Bergen je gesehen hat. Nicht nur wird er begleitet von Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick. Auch der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, ein Top-Verhandler, sind dabei.

Und die Ukraine?

Die USA und die Ukraine wollen das Forum nutzen, um ihre Friedensgespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs fortzusetzen. Es wird ein Spitzentreffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den Europäern rund um Bundeskanzler Friedrich Merz und den französischen Staatschef Emmanuel Macron erwartet. Man hofft auf die Zustimmung des US-Präsidenten zu Sicherheitsgarantien für Kiew. Und klar ist: In diesem Prozess ist man angewiesen auf Trump, auf seinen Draht zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Den noch jungen Friedensprozess will niemand gefährden.

Der Zwiespalt der Europäer

Das Beispiel Ukraine zeigt genau den Zwiespalt der Europäer in Davos. Denn fast zeitgleich und am gleichen Ort müssten sie beim Thema Grönland eigentlich einen ganz anderen Ton anschlagen. Es ist die erste Chance für die Europäer, Trump nach der Eskalation um die arktische Insel persönlich zu treffen. Zwar gab es Telefonate Trumps mit dem britischen Premier Keir Starmer und Nato-Chef Mark Rutte. Persönliche Treffen aber erzielen bei Trump häufig mehr Wirkung.

Die Macht des Gesprächs

Um ein solches Gespräch bemüht sich unter anderem der deutsche Kanzler Friedrich Merz. Er wolle am Mittwoch direkt mit Trump sprechen, sagte Merz. „Ich will es nicht, aber wenn es nötig ist, dann werden wir natürlich auch unsere europäischen Interessen, auch unsere deutschen nationalen Interessen schützen.“ Auch Rutte betonte auf X, er freue sich, Trump in Davos zu sehen. Im Gespräch mit dem Tageblatt hatte Bettel am Sonntag im Hinblick auf Grönland eben jenes Gespräch von Rutte mit Trump gefordert. „Es wäre gut, wenn NATO-Generalsekretär Mark Rutte in dem Rahmen Gespräche mit dem US-Präsidenten aufnehmen würde“, sagte Bettel. Denn die Sicherheit der Arktik „muss innerhalb der NATO diskutiert werden“.

In welcher Stimmung reist Trump an?

Was das bringen wird, wird zentral davon abhängen, in welcher Stimmung Trump in die Schweiz reist. Er dürfte jedenfalls schon gemerkt haben, dass die Europäer seine Zollankündigung nicht einfach konsequenzlos schlucken. Als erste Reaktion beschloss Brüssel, die Zoll-Vereinbarung zwischen Europa und den USA auf Eis zu legen. US-Produkte bekommen also erst einmal keinen zollfreien Zugang in den europäischen Binnenmarkt.

„Die EU sollte sich gemeinsam mit UK und Kanada gegen Trumps aggressive Politik wehren“, sagt auch US-Expertin von Daniels. Auf die angedrohten Zölle könne die Gemeinschaft nun mit der Eröffnung eines sogenannten ACI-Verfahrens reagieren. Damit lägen Gegenzölle sowie Ein- und Ausfuhrbeschränkungen für Waren und Dienstleistungen auf dem Tisch, eine europäische „Handels-Bazooka“ quasi. „Sie müsste es dann in Extremgeschwindigkeit beschließen und umsetzen, um Trumps Kalkül zu beeinflussen“, sagt von Daniels.

Wie ging es am Montag los?

Für die Europäer nicht besonders gut. US-Finanzminister Scott Bessent warnte europäische Staaten gleich zu Beginn vor Vergeltungszöllen. „Ich halte das für sehr unklug“, sagte Bessent am Montag in Davos vor Journalisten. US-Präsident Donald Trump strebe die Kontrolle über die zu Dänemark gehörende autonome Arktis-Insel an, weil er sie als „strategischen Posten“ betrachte. Die USA würden ihre „hemisphärische Sicherheit an niemand anderen auslagern“.

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