Corona in der EU

Dänemark öffnet Grenzen – aber nicht für Schweden

Dänemark öffnet seine Grenzen ab 15. Juni für die wirtschaftlich wichtigen Deutschen wie auch für  Norweger und Isländer. Für Schweden, das seine Grenze offen hielt, bleiben sie geschlossen. Das sorgt für Ärger in Stockholm.

Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen ließ die Grenzen des Landes bereits am 14. März schließen – nun sollen sie langsam wieder aufgehen

Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen ließ die Grenzen des Landes bereits am 14. März schließen – nun sollen sie langsam wieder aufgehen Foto: AFP/Liselotte Sabroe

Es war ein schwieriger internationaler Beschluss, den Kopenhagen am Dienstag traf. Dänemark öffnet demnach seine wegen der Corona-Krise geschlossenen Grenzen wieder teilweise. Die wegen ihrer großen Anzahl wirtschaftlich vor allem für den Sommertourismus sehr wichtigen Deutschen, aber auch Norweger und Isländer dürfen ab dem 15. Juni wieder Dänemark besuchen.

Allerdings nur unter der Bedingung, dass Reisende aus diesen Ländern mindestens sechs Nächte in Dänemark bleiben und dabei keine Unterkunft in Kopenhagen oder der Nachbarkommune Frederiksberg nutzen. Das muss bei der Einreise auch belegt werden können. Ausflüge nach Kopenhagen seien aber erlaubt, hieß es. Grenzen zu anderen EU- und Schengenraum-Ländern sollen erst nach dem Sommer wiedereröffnet werden.

Auch Norwegen gab bekannt, dass es seine Grenzen für Dänen zum 15. Juni wiedereröffnet. Auch sei das Land in bilateralen Gesprächen mit dem bevölkerungsmäßig kleinen Island sowie mit Schweden, aus dem jeden Sommer viele Besucher und Gastarbeiter kommen.

Kein Verständnis in Stockholm

Viel Kritik an dem Beschluss kam gestern aus Schweden, in das seit dem letzten Wochenende wieder viele Dänen über die Öresund-Brücke auf der Ostsee pilgern. Denn ausgerechnet das so eng über die Ostseebrücke mit dem dänischen Kopenhagen zusammengeschweißte Südschweden und deren Pendler leiden sehr an der einseitigen Grenzschließung.

Sowohl Norwegen als auch Dänemark hatten bezüglich der Öffnung nach Schweden Bedenken wegen der deutlich höheren Corona-Todeszahlen in Schweden und angeblich höheren Infektionszahlen aufgrund des lockeren Sonderweges der Schweden, die auf Verantwortungsbewusstsein der Bürger setzten, statt so wie Norwegen, Dänemark und alle anderen EU-Länder auf einen Lockdown.

„In dem Corona-Stadium, das Schweden und Norwegen haben, sind wir sehr aus dem Takt“, sagte Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg. Letztlich wisse niemand, wie viele Infizierte es in Schweden gibt, weil im Land kaum getestet werde. Vom Staatsepidemiologen Anders Tegnell vom schwedischen Gesundheitsamt hieß es, dass gerade Schweden besonders sichere Besucher seien, weil in Schweden inzwischen vermutlich sehr viele Menschen das Virus irgendwann in sich hatten und deshalb immun seien und es demnach nicht erneut bekommen und es nicht weitertragen würden. Auch verstehe man nicht, dass Kopenhagen Dänen in großer Anzahl über die Grenze nach Schweden lasse. Das sei dann ja unlogisch.

Wie Norwegen verhandelt derzeit denn auch Dänemark weiter mit Schweden. Vor allem eine regionale Lösung, in der für Südschweden die dänischen Grenzen geöffnet werden, soll dabei im Gespräch sein. Dänemark hatte seine Grenzen als eines der ersten europäischen Länder schon am 14. März geschlossen.

Schweden öffnet auch Gymnasien

In Schweden wurde gestern angekündigt, dass die Mitte März per Empfehlung geschlossenen dreijährigen Gymnasien wie auch die Hochschulen im Lande, die derzeit über Distanz im Internet unterrichten, schon ab 15. Juni wiedereröffnet werden. Schweden hatte seine Schulen bis einschließlich 9. Klasse während der gesamten Krise offen gehalten, mit der Begründung, dass Kinder bis dahin größere Schwierigkeiten mit Distanzunterricht hätten.

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