Tierquälerei an der Mosel
Armbrust-Attacken auf Nilgänse: Wildtierstation rettet 16 angeschossene Vögel
Monatelang schoss ein Unbekannter zwischen Konz und Trier auf Wildvögel. 18 verletzte Gänse kamen in das Wildtierzentrum Saarland. Stationsleiter Jürgen Meyer berichtet im Gespräch mit dem Tageblatt, wie aufwendig solche Tierrettungen sind – und wie es den Patienten geht.
Fast alle im Wildtierzentrum Saarland gepflegten Nilgänse konnten inzwischen wieder freigelassen werden Symbolfoto: Silas Stein/dpa/dpa Picture-Alliance via AFP
Über Monate hinweg fanden Passanten entlang der Mosel immer wieder angeschossene Wildvögel. Die Tiere, darunter Nilgänse und ein Höckerschwan, waren offenbar mit einer Armbrust verletzt worden. Die deutsche Polizei hat inzwischen einen 43-jährigen Tatverdächtigen ermittelt. Einige der verletzten Nilgänse kamen zur Pflege in das Saarburger Wildtierzentrum – zwischen dem 9. April und 7. Juni insgesamt 18, wie die Station am Donnerstag in einem Facebook-Beitrag mitteilte. Den meisten von ihnen geht es gut, doch nicht alle haben die Angriffe überlebt, bestätigte Stationsleiter Jürgen Meyer am Freitag im Gespräch mit dem Tageblatt.
Aufwendige Rettungseinsätze entlang der Mosel
Nach Angaben von Meyer waren wiederholte Rettungsaktionen notwendig, um die Tiere in die Station zu transportieren. Mehrere Tierschutzorganisationen seien daran beteiligt gewesen. Viele der Gänse seien in kritischem Zustand angekommen. „Manche hatten sogar zwei oder drei Pfeile im Körper“, so Meyer. Andere seien wochenlang mit den Geschossen im Körper herumgelaufen. Nach ihrer Ankunft in der Wildtierstation seien die Pfeile operativ entfernt und die Tiere medizinisch versorgt worden.
Die Helfer konnten inzwischen fast alle Vögel wieder in die Freiheit entlassen. Nur ein Tier befindet sich aktuell noch vor Ort, sagte Meyer. Sie hatten Glück – es wurden keine lebenswichtigen Organe getroffen. Zwei Gänse hätten es jedoch nicht geschafft. In einem Fall habe der Pfeil die Luftröhre zu stark verletzt, eine zweite Gans sei an einer Infektion gestorben.
„Wildtiere haben keine Lobby“
Die Rettung der verletzten Tiere stellte die Helfer vor einige Herausforderungen. Sie mussten „oft tagelang hinfahren und erst einmal über Futter das Vertrauen der Gänse gewinnen, damit sie näherkamen“, sagte Meyer. Trotz ihrer Verletzungen seien die Tiere immer wieder davongeschwommen. Einige seien sogar mit Pfeilen im Körper noch geflogen. Ein Kollege sei extra aus Düsseldorf angereist, um beim Einfangen der Gänse zu helfen, denn er verfüge über das notwendige Equipment – darunter ein Boot und eine Netzpistole. Die Einsätze waren Meyer zufolge nicht nur eine hohe Belastung für alle Beteiligten. Sie verursachten auch eine Menge Unkosten.
Der Stationsleiter zeigte sich erschüttert über die Taten: „Ich frage mich immer wieder, wie Menschen so etwas machen können“, sagte er. Menschen könnten „so schöne Dinge“ tun, und dennoch komme es zu derartigen Vorfällen. Wildtiere hätten keine Lobby und viele Menschen seien der Ansicht, sie gehörten niemandem. Doch damit ist er nicht einverstanden: „Sie gehören uns allen. Wir alle haben die Verantwortung, und sie gehören ins ökologische System. Die Natur braucht sie.“
Vorfälle seit November 2025
Zwischen Trier und Konz waren seit November 2025 wiederholt verletzte Wildvögel entdeckt worden. Nach Angaben der Trierer Polizei hatte eine unbekannte Person offenbar mit einer Armbrust auf die Tiere geschossen. Die Ermittler gehen von mindestens 15 Taten aus, in einigen Fällen wurden dabei mehrere Tiere verletzt. Während ein Teil der Vögel nach tierärztlicher Behandlung überlebten, mussten andere aufgrund ihrer Verletzungen eingeschläfert werden.
Die Ermittlungen führten die Beamten zu einem 43-jährigen Mann aus Konz. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am vergangenen Dienstag, 9. Juni, stellten sie eine Armbrust sowie mehrere Datenträger sicher. Die Ermittler werfen dem Mann unter anderem Jagdwilderei sowie Verstöße gegen das Tierschutz- und Waffengesetz vor. Das Tatmotiv und die genauen Hintergründe sind bislang unklar.