Deutschland
Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig: Dritte Drohne mit Sprengstoff-Spuren entdeckt
Nach dem Anschlagsversuch auf dem Leipziger Flughafen kommen neue Details ans Licht: Nach Medienberichten war eine weitere Drohne im Spiel. Laut Kanzler Friedrich Merz äußert sich die Regierung „in Kürze“ zu möglichen Drahtziehern.
Blick auf eine ukrainische Antonow am Flughafen Leipzig Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Drei Wochen nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle sind weitere Details zu dem Anschlagsversuch bekannt geworden. So wurde neben den zwei bereits bekannten Flugobjekten eine weitere Drohne auf einem Feld in der Gemeinde Kabelsketal gefunden, die westlich an das Flughafengelände angrenzt. Kriminaltechniker des Bundeskriminalamts sollen vor Ort Rückstände einer hochexplosiven Substanz gefunden haben, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um den Sprengstoff Hexogen handeln könnte. Das berichtet der Rechercheverbund aus Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR unter Berufung auf Ermittlerkreise.
Die erste Sprengstoff-Drohne war in der Nacht des 4. August am Leipziger Flughafen neben einer ukrainischen Antonow-Transportmaschine gefunden worden. Ziel der Angreifer war es offenbar, dass die Drohne auf den Tragflächen der Maschine landet, wo sich auch der Kerosin-Tank befindet, und dort explodiert. Dazu kam es am Ende nicht, da der Zünder versagte – eine größere Katastrophe blieb aus. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach danach von einem „hybriden Anschlagsszenario“ und einer „neuen Gefahrenqualität“.
Dritte Drohne Tage später entdeckt
Eine zweite Drohne soll kurze Zeit nach dem ersten Fund in einigen Hundert Metern Höhe mit einem DHL-Frachtflugzeug zusammengestoßen sein. Da der Flughafen zu diesem Zeitpunkt bereits abgeriegelt war, wurde die DHL-Maschine umgeleitet. Bei der anschließenden Landung in Hannover wurden leichte Beschädigungen entdeckt, die durch den Zusammenprall mit dem zweiten Flugobjekt entstanden sein könnten.
Die dritte Drohne, deren Fund erst jetzt bekannt wurde, soll erst einige Tage später, am 14. August, auf dem Feld in der Nähe des Flughafens entdeckt worden sein. Auch bei diesem Objekt kam es nicht zur Explosion. Die Ermittlungen laufen derzeit noch, sie sollen auch mehr Klarheit über die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Fluggeräten bringen. Zu den Beweismitteln gehören auch eine kleine Antenne, die an einem Baum nahe des Flughafens gefunden wurde, sowie DNA-Spuren an einer Drohne.
Täter unbekannt
Geleitet werden die Ermittlungen vom Generalbundesanwalt. Die Tat sei geeignet, „die äußere und innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen“, hieß es vonseiten der Bundesanwaltschaft.
Wer hinter dem Anschlagsversuch steht, ist bisher nicht eindeutig benannt. Nach den Worten von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) werde die Bundesregierung „in Kürze“ eine Aussage treffen, wer ihrer Meinung nach hinter den Drohnenangriffen in Leipzig steckt. „Sie werden dafür bezahlen“, sagte Merz am Dienstag vor Beginn der Kabinettsklausur im brandenburgischen Neuhardenberg. Dort sei nicht der Ort, dies aufzuklären, aber daran arbeite man zusammen mit den Sicherheitsbehörden intensiv – „und wir werden das in Kürze auch darlegen und uns dazu äußern“. Der Leipziger Anschlag zeige, dass Deutschland „stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer“ rücke. „Angreifer nehmen zunehmend skrupellos auch schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf.“ Die Bundesregierung wappne sich dagegen, erstens etwa mit der Einrichtung des Drohnenzentrums in Magdeburg. „Zweitens, Deutschland schreckt ab: Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf“, so Merz weiter.
„Fremde Mächte“
Innenminister Dobrindt hatte wiederholt auf „fremde Mächte“ als mögliche Drahtzieher verwiesen. Verschiedene Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass Russland hinter dem Drohnenvorfall steckt. Der Kreml hat die Verantwortung öffentlich zurückgewiesen. Dass Russland verstärkt Methoden der hybriden Kriegsführung einsetzt, ist allerdings hinreichend bekannt.
In dieses Bild passen auch Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow. Er sagte Mitte August, Russland werde seine „Methoden stark verschärfen, um all das zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschine aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits.“ Der deutsche Außenminister Johann Wadephul (CDU) reagierte scharf auf diese Drohungen und sprach von „absurder Propaganda“ einer zunehmend verzweifelten russischen Führung.