Analyse

Der Anti-Trump aus Kanada: Mark Carney bietet Trump im Zollkrieg Paroli

Premierminister Mark Carney lässt sich von Trumps Zollkeule nicht einschüchtern. Sein Kurs der wirtschaftlichen Diversifizierung könnte für Europa eine Blaupause sein.

Trump vs. Carney: Im Zollkrieg zwischen USA und Kanada sind die Fronten verhärtet

Trump vs. Carney: Im Zollkrieg zwischen USA und Kanada sind die Fronten verhärtet Foto: AFP

Wird Kanadas Premierminister Mark Carney im disruptiven Trump-Zeitalter zu einer Führungsfigur des Westens? Der Kanadier bietet dem US-Präsidenten jedenfalls Paroli, in Worten und Taten. Er lässt sich von Donald Trump nicht einschüchtern – und sei die Drohkulisse noch so groß. Als ihm der Amerikaner einen Handelsdeal aufzwingen wollte, ließ Carney die Verhandlungen am Wochenende platzen. Für Trump ein Affront. Noch in der Nacht zum Samstag verhängten die USA Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Güter, darunter Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein. Betroffen sind Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar, etwa fünf Prozent der gesamten Einfuhren. Als Reaktion kündigte Carney Gegenzölle in gleicher Höhe ab dem 8. September an. Die Abgaben sollen auf Bereiche wie Stahl, Milchprodukte, landwirtschaftliche Ausrüstung und Elektrogeräte erhoben werden.

Trumps Kampagne vom vergangenen Jahr, Kanada als 51. Bundesstaat einzugliedern, hatte der Premier bereits kühl mit dem Hinweis quittiert, die Souveränität des Landes sei unverhandelbar. Die große Mehrheit seiner Bürger steht hinter dem Patriotismus-Kurs. Bei Trumps neuesten Muskelspielen schreckt Carney auch vor martialischer Sprache nicht zurück. „Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg“, konterte er, „und wir wurden angegriffen.“ Ein krasser Gegensatz zur samtpfötigen Rhetorik von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die im Juni 2025 im schottischen Turnberry einen Handelsdeal mit Amerika unterschrieb, bei dem Europa viele Kröten schlucken musste.

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