Rund vier Jahre nach Brand
Anklage gegen deutsche „Kegelbrüder“ auf Mallorca
Knapp vier Jahre nach dem Brand in einer Bar an Mallorcas „Ballermann“-Meile an der Playa de Palma hat die spanische Staatsanwaltschaft Anklage gegen acht deutsche Urlauber erhoben.
Der Brand im Restaurant „Why Not“ in der Nähe des Ballermanns ereignete sich am 20. Mai 2022 Foto: 5vision/dpa
Den Männern, allesamt Kegelfreunden aus dem Münsterland, wird vorgeworfen, am 20. Mai 2022 durch Brandstiftung ein Feuer in der Bar „Why not Mallorca“ im Partyviertel s’Arenal ausgelöst und dabei mehrere Menschen leicht verletzt zu haben. Das berichtet die Mallorca Zeitung unter Berufung auf die Anklageschrift.
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten von den Balkonen ihres Hotels aus glühende Zigarettenstummel auf das Schilfdach der Barterrasse geworfen haben. Zudem wird den deutschen Touristen vorgeworfen, Bier oder eine andere alkoholische Flüssigkeit auf das Dach geschüttet zu haben, was laut Anklage möglicherweise die Brandentwicklung gefördert haben könnte.
Tatsache ist jedenfalls, dass das Dach am 20. Mai, als offenbar einige der Beschuldigten auf den Außenbalkonen ihrer Hotelzimmer saßen, in Brand geriet. Die Flammen griffen auf weitere Gebäudeteile über. Mehrere Personen erlitten leichte Verletzungen, zudem entstand erheblicher Sachschaden.
Für jeden der acht Angeklagten fordert die Staatsanwaltschaft nun eine Haftstrafe von sieben Jahren wegen Brandstiftung und Körperverletzung. Zusätzlich sollen die Männer gemeinsam rund 100.000 Euro Schadenersatz leisten.
Nach dem Brand waren ursprünglich 13 deutsche Urlauber festgenommen worden. Für die Mitglieder des Kegelvereins „Stramm am Tisch“ war damit gleich am ersten Ferientag der Urlaub zu Ende. Acht von ihnen saßen rund zwei Monate in Untersuchungshaft und kamen anschließend gegen eine Kaution von insgesamt 500.000 Euro für Sachschäden und weitere zivilrechtliche Schadenersatzforderungen frei.
Die Verteidigung weist die Vorwürfe entschieden zurück. In einer Stellungnahme erklärte das Anwaltsteam laut Mallorca Zeitung: „Die Ermittlungsakten enthalten zahlreiche entlastende Anhaltspunkte. Die bisherigen Ermittlungen haben keine belastbaren oder eindeutigen Beweise für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten hervorgebracht.“ Kritisch sehen die Anwälte zum Beispiel die Frage, ob das in der Anklageschrift erwähnte Bier als Brandbeschleuniger gelten könne.
Angeklagte beteuern Unschuld
Zugleich beteuern die Angeklagten ihre Unschuld. „Trotz der außergewöhnlich langen Dauer des Ermittlungsverfahrens bringen die nunmehr Angeklagten der spanischen Justiz ihr Vertrauen entgegen und betonen ihre Unschuld“, heißt es in der Mitteilung der Verteidigung. Einige der Männer seien zudem Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und hätten nach Ausbruch des Feuers Hotelgästen beim Verlassen des Gebäudes geholfen. Dabei hätten sie selbst Rauchvergiftungen erlitten.
Ein Termin für den Beginn der Hauptverhandlung steht bislang nicht fest. Angesichts der chronischen Überlastung der Gerichte auf Mallorca kann es noch Monate dauern, bis das Verfahren tatsächlich vor Gericht kommt.
Weiterhin stockt auch ein anderes aufsehenerregendes Ermittlungsverfahren mit deutscher Beteiligung auf Mallorca. Im Fall einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung an der Playa de Palma im Juli 2023 liegt bislang keine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vor. Vier junge Männer aus Nordrhein-Westfalen sollen damals eine 18-jährige deutsche Urlauberin sexuell genötigt haben. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe und sprechen von einvernehmlichen Kontakten.
Die Männer waren fast ein Jahr in Untersuchungshaft und kamen im Sommer 2024 frei. Seither befinden sie sich wieder in Deutschland. Nach Angaben aus Justizkreisen sind die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen, ein Termin für eine mögliche Hauptverhandlung wurde jedoch noch nicht bekannt gegeben. Anwälte kritisieren seit Langem die Intransparenz und die langen Verfahrensdauern der spanischen Justiz – das gilt auch für prominente Fälle mit internationaler Aufmerksamkeit.