Spekulationen vorbei

Nach Trainer-Eklat: Luxemburger Karateverband findet Kompromiss

Die Geheimniskrämerei ist vorbei. Der Karateverband stellte am Freitag einen neuen Nationaltrainer vor und will zudem ein anderes Trainingssystem in die Wege leiten. Die Entscheidung fiel nur wenige Stunden nach einem Eklat.

Geht es nach den Wünschen des Präsidenten, soll es beim kleinen Strohfeuer innerhalb der FLK bleiben

Geht es nach den Wünschen des Präsidenten, soll es beim kleinen Strohfeuer innerhalb der FLK bleiben Luis Mangorrinha - Le Quotidien

Seit Tagen wurde spekuliert, nun ist es offiziell: Im Karate wurden einige Stühle gerückt. Der Name von Raphael Veras, langjähriger FLK-Nationaltrainer, tauchte in der kurzen Pressemitteilung gar nicht erst auf. Stattdessen beschränkte sich der Technische Direktor Loïc Bento auf eine Biografie des Nachfolgers, Raul Cuerva.

Dabei hatte sich Jenny Warling, Nummer 13 der Welt, in einem Brief an den Verband klar für Veras ausgesprochen und auf Missstände in der Verbandsführung hingewiesen. FLK-Präsident Fred Charlé gab am Freitag zu verstehen, dass es sich beim Trainerwechsel „nicht um eine spontane Entscheidung“ handelte, sondern dies das Ergebnis einer langen Analyse gewesen sei. Als Beispiel nannte er die aktuellen Trainingsmethoden: „Als kleine Nation müssen wir anders trainieren. Wir müssen Athleten und Athletinnen persönliche Programme aufstellen, die spezifisch auf ihre Bedürfnisse und Situationen gerichtet sind.“

Ich bin nicht der Präsident, der etwas verbietet, sondern der Präsident von sämtlichen Athleten

Fred Charlé

FLK-Präsident

Cuerva wird in einer ersten Phase nicht fest eingestellt, sondern erst einmal sechs Monate mit der FLK zusammenarbeiten. Bis zur Europameisterschaft. Danach soll Bilanz gezogen werden. „Bis dahin wird er delegieren.“ Heißt, dass der Spanier bis Februar sechsmal für Trainingslager in Luxemburg sein wird und danach jede zweite Woche auf der Matte stehen soll. Das Konzept: „Das Kadertraining wird zukünftig von den Trainern und Assistenten unserer Vereine geleitet, da wir näher mit ihnen zusammenarbeiten wollen. David Marques (Niederanven) und Samir Sabotic (Differdingen) haben bereits Kontakt zum Trainer aufgenommen, wir warten noch auf zwei Bestätigungen aus Strassen und Walferdingen.“

Auch das Schicksal der Vorgänger ist geklärt. „Wir werden Raphael Veras nicht feuern. Er bekommt neue Arbeitsfelder, auf die er sich konzentrieren soll. Das ist einerseits die Zusammenarbeit mit dem Sportlycée und die Promotion für unsere Disziplin. Gleichzeitig geben wir ihm die Möglichkeit, weiter mit Jenny Warling zu trainieren, damit sie sich nicht auf einen neuen Coach umstellen muss. Sie darf selbstverständlich auch an den Einheiten von Herrn Cuerva teilnehmen.“

Kommunikationsfehler bei Personalentscheidungen

Fall gesetzt, auch andere Athleten würden gerne mit Veras weitermachen, so „stehen die Türen offen“: „Ich bin nicht der Präsident, der etwas verbietet, sondern der Präsident von sämtlichen Athleten. Jeder kann mich anrufen, wenn er will. Dementsprechend traurig war, dass Frau Warling mich nicht angerufen hat.“

Charlé gab zu, dass beim Umgang mit anstehenden Personalentscheidungen Fehler gemacht worden sind. „Natürlich bin ich mir bewusst, dass diese Gerüchte schlecht waren. Ich kann aber nichts dafür, wenn so etwas nicht im Büro bleibt und verbreitet wird. Ich werde meine Lehren daraus ziehen.“ Fest steht übrigens auch, dass Michaël Lecaplain der FLK erhalten bleibt, ebenfalls in einer neuen Funktion. „Wenn jemand krank ist, sehe ich es als Pflicht, ihm helfend zur Seite zu stehen. Auch er wird bei seiner Rückkehr eine Arbeitsstelle haben, warum auch nicht?“

Ob sämtliche Trainerwechsel und die neue Arbeitsweise nun Ruhe in den Alltag der Athleten bringen werden, bleibt abzuwarten. „Die Leute müssen verstehen, dass es ein System gibt und im Hintergrund viel Arbeit geleistet wird. Ich habe mich bereits mit dem Präsidenten von Jenny Warlings Verein unterhalten. Das Gespräch verlief positiv. Auch sie muss wissen, dass wir einen sportlichen Plan haben, und einen politischen. Nächste Woche möchten wir uns mit ihr treffen.“

Zur Person

Raul Cuerva ist 29 Jahre alt und stammt aus Toledo. Der Spanier hat nach einer eigenen Karriere früh den Weg zum Trainerjob gesucht und unter anderem den Schweizer Nationalkader betreut. Unter seinen Fittichen wurde die Schweizerin Elena Quirici 2023 Europameisterin und Vizeweltmeisterin.

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