Radsport

Erneut Weltmeister: Pogacar in Ruanda unaufhaltsam

Tadej Pogacar düpierte die Konkurrenz bei der Rad-WM in Ruanda. Sein zweiter WM-Titel gelang dem Tour-Champion nach einem 66-km-Solo. Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel war um den Titel chancenlos, sicherte sich aber die Silbermedaille.

Tadej Pogacar eöffnete bereits 104 km vor dem Ziel den WM-Kampf

Tadej Pogacar eöffnete bereits 104 km vor dem Ziel den WM-Kampf Foto: AFP/Anne-Christine Poujoulat

Nach der Triumphfahrt ins Ziel fiel Tadej Pogacar seiner Verlobten Urska Zigart in die Arme und freute sich diebisch über die Rückkehr ins Regenbogentrikot, sein großer Widersacher Remco Evenepoel kauerte derweil schwer geschlagen an einer Werbebande. Das Gigantenduell im brutal harten Straßenrennen der Rad-WM in Ruanda hatte Titelverteidiger Pogacar mit einem spektakulären 66-km-Solo in eine einseitige Machtdemonstration verwandelt.

Ein kraftvoller Antritt an einer Schlüsselstelle genügte dem viermaligen Tour-Champion, um Doppel-Olympiasieger Evenepoel weit vor dem Ziel abzuhängen. Am Ende des 267,5 km langen und mit rund 5.500 Höhenmetern äußerst anspruchsvollen Rennen betrug der Abstand 1:28 Minuten. Bronze ging an den Iren Ben Healy (+2:16). „Ich war ziemlich früh allein und habe wie letztes Jahr nur mit mir selbst gekämpft, aber ich bin so froh, dass ich es geschafft habe“, sagte Pogacar, der schon 2024 in Zürich als Solist triumphiert hatte.

Der Slowene nahm mit seinem Erfolg auch Revanche für die Niederlage im Einzelzeitfahren zum WM-Auftakt vor einer Woche. Dort war der 27-Jährige vom siegreichen Evenepoel besiegt und sogar überholt worden. „Die letzten Runden waren so hart, dass man natürlich ein bisschen zweifelt, aber man muss durchhalten und auf das Beste hoffen“, sagte Pogacar am Ende der ersten Rad-WM in Afrika: „Es war insgesamt eine unglaubliche Erfahrung.“

Nur 30 Fahrer im Ziel

Der harte Kurs im fast in 1.600 m Höhe gelegenen Kigali forderte früh ein erstes prominentes Opfer. Der Franzose Julian Alaphilippe, 2020 und 2021 Weltmeister, stieg nach knapp 30 Kilometern angeschlagen und entkräftet vom Rad. Er war der erste von vielen. Nur 30 von insgesamt 165 Fahrern erreichten am Ende des Tages das Ziel.

In dem WM-Rennen, das ohne luxemburgische Beteiligung stattfand, setzte sich zunächst eine Fluchtgruppe ab, die allerdings nie echten Siegchancen besaß. Die herausragende Stimmung am Streckenrand konnten die Ausreißer dennoch aufsagen. Zehntausende Fans sorgten zum Abschluss der ersten Rad-WM in Afrika für eine ausgelassene Atmosphäre und den passenden Rahmen.

Am Mont Kigali, dem schwersten Streckenabschnitt 104 km vor dem Ziel, eröffnete Pogacar dann den WM-Kampf. Seine Tempoverschärfung konnte der im WM-Zeitfahren vor einer Woche noch so dominante Evenepoel nicht parieren, lediglich der Mexikaner Isaac Del Toro – im Alltag Pogacars UAE-Teamkollege – hielt das Hinterrad des Top-Favoriten.

Während das kletterstarke Zweiergespann davonfuhr, musste Evenepoel wegen eines Defekts einen weiteren schweren Dämpfer einstecken. Der Belgier trat frustriert gegen eine Trinkflasche, ehe er auf seinem goldenen Ersatzrad die mühsame Verfolgung aufnahm.

An der Spitze schwächelte Del Toro mit Magenproblemen. Pogacar animierte den Mexikaner, 66 km vor dem Ziel startete der Superstar dann aber seine Alleinfahrt. Trotz der wütenden Nachführarbeit Evenepoels hielt Pogacar den Abstand konstant auf rund eine Minute. Im Zeitfahrmodus raste Pogacar dem Ziel entgegen. Evenepoel tröstete sich mit einer späten Attacke, durch die er sich Rang zwei sicherte.

Kanadierin Vallieres Überraschungsweltmeisterin

Die Kanadierin Magdeleine Vallieres hat am Samstag bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Kigali für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Die 24-Jährige setzte sich im Elite-Rennen der Frauen gegen die favorisierte Konkurrenz durch und verwies die Neuseeländerin Niamh Fisher-Black sowie die Spanierin Mavi Garcia auf die Plätze zwei und drei. Vallieres hatte sich aus einer zehnköpfigen Ausreißergruppe gelöst und profitierte dabei vom Taktieren der Favoritinnen. Diese neutralisierten sich gegenseitig und reagierten zu spät, um die Spitze noch einzuholen. „Ich kann es nicht fassen“, stammelte Vallieres im Ziel, das sie mit 23 Sekunden Vorsprung auf Fisher-Black und 27 Sekunden vor Garcia erreichte. Hinter dem Spitzentrio überquerten die Top-Favoritinnen wie Demi Vollering und Marlen Reusser die Ziellinie mit über anderthalb Minuten Rückstand. Mit ihrem Sieg gelang Vallieres die wohl größte Überraschung ihrer Karriere. Bislang hatte sie nur ein einziges Rennen gewonnen – den eher unbedeutenden Trophée Palma – mit ihrem Team EF Education, in dem sie an der Seite der Luxemburgerin Nina Berton fährt. „Ich brauche noch etwas Zeit, um das zu realisieren – es ist verrückt“, sagte die neue Weltmeisterin nach dem Rennen. (AFP)

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