Innenministerin Taina Bofferding
Zeichen setzen
Taina Bofferding hat das Zeug, ihre Mentoren zu überleben. Den Willen des Volkes sollte sie beachten! Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Wo Taina Bofferding als Gleichstellungsministerin eher die Initiative ergreift und öffentlichkeitswirksam unter die Leute geht, bewegt sie sich als Innenministerin offenbar im Rahmen ihrer von den Schmieden der zweiten blau-rot-grünen Koalition vorgesehenen Möglichkeiten. Sie macht, was zu tun ist: ihre Arbeit. Dabei pinkelt sie keinem ans Bein und verneint vehement Neid auf andere Regierungsmitglieder.
Wer die heutige Ministerin aus früheren Zeiten kennt, erinnert sich aber vielleicht daran, dass sie äußerst scharfzüngig und sehr rational denkend sein kann. Mangelnden Ehrgeiz kann man der studierten Sozialwissenschaftlerin nicht absprechen. Auch als Gemeinderätin in Esch ist sie eine Person des Ausgleichs gewesen. Ihr gutes Arbeitsverhältnis mit Emile Eicher, Präsident des Gemeindesyndikats Syvicol und CSV-Abgeordneter, zeugt auch heute davon.
Wenn sie sich jetzt also zurückhält, kann man das durchaus als schlau und überlegt bewerten. Ihre Mentoren werden eines Tages nicht mehr da sein – Taina Bofferding dann aber immer noch, und sie wird Akzente setzen, wenn der Wähler will. In dem Sinne sollte sie sich vielleicht überlegen, ob die Trennung von Kirche und Staat unbedingt in dem vorgesehenen Szenario verlaufen soll. Man muss nämlich nicht unbedingt gläubig sein, um in einer Kirche zu heiraten oder eine Kapelle vor dem Zerfall zu bewahren.
Besonders in Krisenzeiten hat die Bevölkerung Lust auf Rituale. Taina Bofferding sollte ein offenes Ohr für die ganze Bandbreite dieser Wünsche haben. Nicht nur, was zivile Hochzeiten anbelangt.