Zum „Sexting“-Ratgeber

Vom richtigen Umgang mit dem Netz: Schulen vermitteln kaum Medien-Kompetenz

Die Frage, wie man sich auf sozialen Plattformen darstellt, sollte eigentlich längst Pflichtfach an den Schulen sein

Die Frage, wie man sich auf sozialen Plattformen darstellt, sollte eigentlich längst Pflichtfach an den Schulen sein Foto: Editpress/Julien Garroy

Es mangelt an Medienkompetenz, wie der Umgang von vielen mit sozialen Plattformen leider oft zeigt.

Wenn man sich jetzt also mit einem am Dienstag vorgestellten Ratgeber zum Thema „Sexting“ an vorrangig junge Leute wendet, um sie auf die möglicherweise weitreichenden und vielleicht sogar illegalen Konsequenzen ihres „nackten Auftritts“ auf beispielsweise Snapchat oder Instagram aufmerksam zu machen, liegt man natürlich nicht falsch. Allerdings sollte man den Kontext bedenken, nicht mit Strafe drohen, sondern wirkliches Verständnis zeigen. Warum?

Weil Erwachsene nicht immer als Vorbild für ihre Kinder dienen. Weil sie es selbst oft nicht so genau nehmen mit dem, was sie auf den sozialen Plattformen treiben. Entschuldigend muss man sagen, dass sie es nicht gelernt haben, folglich auch schwerlich weitergeben können.

Daraus ergibt sich die Frage nach der Bildungslücke. Die wird allerdings auch heute noch genährt, weil der Umgang mit sozialen Medien bisher nicht wirklich zu den Prioritäten der Schulen gehört. Meine Töchter bestätigen das.

Der Ratgeber „Nackt im Netz“ muss sich also die Frage gefallen lassen: „Warum erst jetzt?“ Und warum pocht man trotz scheinbar pädagogischen Vorgehens so sehr auf strafrechtliche Konsequenzen, also auf Bestrafung?

Angst machen ist kein pädagogisch sinnvolles Instrument. In diesem Fall scheint es einmal mehr Ausdruck unserer Präventiv-Gesellschaft zu sein. Dabei sollte ein Ratgeber verhindern, dass man bestrafen muss. Androhung von Strafe hat dabei nichts verloren.

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