Nach Ausraster

Verständnis für den Mann mit der Kettensäge

Am Sonntag, kurz vor Mitternacht, fühlte sich ein Anwohner derart vom Lärm einer benachbarten Kneipe belästigt, dass er zu drastischen Mitteln griff und mithilfe einer Kettensäge für Ruhe sorgen wollte. Der Mann wurde von der Polizei protokolliert. 

Eine Polizeistreife konnte den Mann beruhigen und entwaffnen

Eine Polizeistreife konnte den Mann beruhigen und entwaffnen Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Ein Video, das seit ein paar Tagen in Luxemburg viral geht, zeigt einen Mann in der rue du Rail in Differdingen. Man hört den Mann, wie er sich über etwas lautstark aufregt. Er pöbelt wiederholt die Gäste auf einer gegenüberliegenden Terrasse an. In seiner Hand hält er eine Kettensäge. Um seinen Worten noch mehr Nachdruck zu verleihen, streckt er die Kettensäge in die Luft und lässt diese immer wieder laut aufheulen. Immer wieder bewegt er sich auf die Gäste zu. Man sieht, wie die Gäste voller Panik ins Innere des Lokals flüchten. Doch die Schockstarre bei den Gästen hält nicht lange an. Nach ein paar Sekunden stürmen ein paar Gäste wieder aus dem Lokal und auf den Mann mit der Kettensäge zu. Schimpftiraden auf mehreren Sprachen werden von beiden Parteien losgelassen.

Wie die Polizei bestätigte, konnte der Mann mit der Kettensäge nach seinen Drohgebärden von den Beamten beruhigt werden. Der Mann händigte den Beamten dann die Kettensäge und mehrere Messer aus. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Beschlagnahmung dieser Gegenstände an. Gegen den Angreifer wurde eine Strafanzeige erstellt. Niemand wurde verletzt. Lediglich ein Holzzaun wurde durch die Kettensäge in Mitleidenschaft gezogen.

Immer wieder Ruhestörungen

Gerade weil der Ausraster des Mannes so glimpflich endete, ließen die Reaktionen im Internet nicht lange auf sich warten. Viele Nutzer zeigten Verständnis für den Ausraster des Mannes. So rechtfertigte ein Nutzer die Tat damit, dass die Bürger heutzutage zu solch extremem Handeln gezwungen würden, weil ihnen sonst keine andere Wahl bleiben würde. Die dazugehörigen Memes und Wortspiele folgten prompt. Immer wieder lobten Nutzer in den sozialen Medien den Kettensägenmann für sein Handeln und Sprachen von einer Aktion mit „Stihl“ – in Anlehnung an den Firmennamen des größten Kettensägenherstellers der Welt. Auch die Memes-Bastler nahmen diese Attacke dankend an und freuten sich über das gebotene Spektakel während der doch eher ereignisarmen Corona-Pandemie. Und so amüsiert sich das Netz etwas überspitzt über das „Déifferdenger Chainsaw Massacre“. Auf der beliebten Luxemburger Facebookseite „Memes-Ducals“ wird einem die neue Kettensäge „Déifferdeng 3000“ vorgestellt. Besonders erfreut zeigen sich die Nutzer dort, dass mithilfe von „Déifferdeng 3000“ der Mindestabstand von zwei Metern zum Nebenmann so gut wie garantiert sei.         

An der Kreuzung Avenue de la Liberté/rue du Rail, wo sich das Lokal befindet, waren gestern Morgen trotz hochsommerlichen Temperaturen kaum Passanten. Die, die dort anzutreffen waren, wollten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Direkte Augenzeugen konnten keine ausfindig gemacht werden. Ein älterer Anwohner bestätigte jedoch auf Nachfrage des Tageblatt, dass es immer wieder zu Lärmbelästigungen durch das besagte Café kommen würde. Ähnliches ist auch in den Kommentarspalten verschiedener Medien zu lesen. „Dieses Café ist unabhängig von diesem Vorfall die größte Nachtlärm-Quelle in der Gemeinde! Wir haben in den letzten Jahren unzählige Male die Polizei bemüht, die tunlichst wegschaut…“, beschreibt ein Nutzer seine bisherigen Erfahrungen. Wie die Behörden nun auf diese Kritik reagieren werden, bleibt abzuwarten. Bereits in der vergangenen Ratssitzung vor gut einem Monat hatte Fred Bertinelli (LSAP) von „gesetzfreien Zonen“ in der Gemeinde gesprochen und die Mehrheitsparteien endlich zum Handeln aufgefordert.

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