Erneuter Gewaltvorfall
Vermummte Täter überfallen drei 16-Jährige in Luxemburg-Stadt
Mehrere vermummte Täter haben am Mittwoch drei Jugendliche mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Die Ermittlungen führten zu einem minderjährigen Tatverdächtigen.
Drei 16-Jährige sind in der Nähe des Staatsrats bedroht und überfallen worden Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Ein weiterer Gewaltvorfall gegen Jugendliche beschäftigt die Justiz: Drei 16-Jährige sind am Mittwochabend in der Nähe des Staatsrats in der Luxemburger Oberstadt Opfer eines Raubüberfalls geworden, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in einem Presseschreiben mitteilt. Gegen 21 Uhr wurden sie zunächst von einer Gruppe vermummter Personen angesprochen, bevor die Situation eskalierte.
Die vier mutmaßlichen Täter – darunter mindestens ein Minderjähriger – bedrohten die Jugendlichen mit einem Messer und forderten sie unter Androhung körperlicher Gewalt dazu auf, ihnen eine Jacke und ein Mobiltelefon auszuhändigen. Darüber hinaus kündigten sie den Opfern „schwerwiegende Konsequenzen“ an, sollten sich diese an die Polizei wenden.
Minderjähriger Verdächtiger identifiziert
Im Zuge der Ermittlungen konnten Beamte der Polizeidienststelle Luxemburg einen fast 17-jährigen Tatverdächtigen identifizieren. Bei einer Hausdurchsuchung wurden sowohl die entwendete Jacke als auch das Mobiltelefon gefunden. Der Minderjährige wurde nach dem Verhör auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in eine geschlossene Einrichtung gebracht. Da in den spezialisierten Einrichtungen für Minderjährige keine Aufnahmekapazitäten verfügbar waren, kam er ins Gefängnis in Schrassig. Dort wird er von einem Jugendrichter betreut.
Die Staatsanwaltschaft betont in ihrem Schreiben die Schwere des Vorfalls. Handlungen, bei denen eine Gruppe ein einzelnes Opfer angreife und dabei Gewalt und Drohungen einsetze, um ihnen einen Gegenstand zu entwenden, seien „besonders schwerwiegende Taten“ und könnten „nicht toleriert werden“. Die ergriffene Maßnahme sei „bedauerlich“, jedoch unumgänglich, um die „öffentliche Sicherheit sowie den reibungslosen Ablauf der Ermittlungen zu gewährleisten“.
Mehrere Fälle in den vergangenen Jahren
Die Ereignisse vom Mittwoch sind einer von mehreren aktuellen Fällen von Gewalt unter Jugendlichen. Erst am vergangenen Montag, 23. März wurde ein 14-jähriger Jugendlicher im Kaltreis-Park in Bonneweg brutal angegriffen. Sechs andere Jugendliche forderten zunächst seine Jacke und schlugen ihn dann wiederholt mit Fäusten und Füßen – auch im Kopfbereich. Darüber hinaus filmten sie die Tat.
Im vergangenen April kursierte in den sozialen Medien ein Video, das einen Vorfall im Umfeld des „Lycée Bel-Val“ in Sanem zeigt. Darin ist zu sehen, wie Jugendliche ein Mädchen schikanieren, schlagen und auslachen – und dabei gefilmt werden.
Im Sommer 2023 machte ein Video Schlagzeilen, in dem ein Mädchen in der Nähe der Zitha-Klinik von einem anderen geschlagen wird, zu Boden geht und mit einer brennenden Zigarette beworfen wird – umringt von lachenden Jugendlichen. Die Abteilung für Jugendschutz der Kriminalpolizei ermittelte.
Anderer Vorfall in Bonneweg bereits im Oktober
Und auch in Bonneweg gab es vor nicht langer Zeit einen anderen Vorfall. Im Oktober des vergangenen Jahres kursierte ein Video in den sozialen Medien, auf dem zu sehen ist, wie ein Junge misshandelt wird. Er wird von zwei anderen Jugendlichen zu Boden gerissen, geschlagen und getreten. Andere Schüler schauen zu – und filmen. Bis ein weiterer schließlich eingreift. Das Bonneweger Lyzeum bestätigte später gegenüber dem Tageblatt, dass es sich um Schüler des Lyzeums handelte.
Besonders drastisch der Vorfall im Sommer im Mai vergangenen Jahres: Ein 19-Jähriger wurde von einer Gruppe Jugendlicher überfallen, gefesselt und entkleidet. Das Opfer hatte sich zuvor über soziale Medien mit einem 13-jährigen Mädchen verabredet – der Schwester eines der Täter. Luxemburgs Innenminister Léon Gloden (CSV) bestätigte später, dass es sich bei der Tat um einen Fall von „Pädo-Hunting“ gehandelt hatte. Vermeintliche Pädophile werden dabei mit falschen Konten in den sozialen Medien angelockt und bestraft, sagte Gloden. (les)