Esch
Vera Spautz kritisiert CSV: „Da wird absichtlich Konfusion verbreitet“
Vera Spautz kritisiert die Escher Wohnungspolitik der CSV und ist zufrieden mit dem neuen CHEM-Direktor – am Donnerstag sprach sie im Interview mit 100,7 über den momentanen Zustand der Südstadt. Spautz sitzt zurzeit für die LSAP im Escher Gemeinderat und ist Verwaltungsratsmitglied des Escher Krankenhauses.
Laut Vera Spautz kenne sich der neue Interimsdirektor des CHEM mit den Projekten aus und wisse, was gemacht werden muss Archivfoto: Editpress/Alain Rischard
Die ehemalige Escher Bürgermeisterin Vera Spautz (LSAP) hat in einem 100,7-Interview über die politische Situation der Südstadt geredet. Spautz ist sich sicher, dass der Bebauungsplan („plan d’aménagement général“, PAG) für Esch in der vorgeschlagenen Version nicht legal war. Dieser verbiete nämlich jede Wohngemeinschaft, in der nicht verwandte oder verpartnerte Menschen zusammenleben. Davon wären zum Beispiel Studenten-Wohngemeinschaften betroffen. „Das war bis jetzt nie ein Problem“, sagt Spautz. „Da sind ganz andere Überlegungen dahinter als jene, die uns vermittelt werden.“
Die ehemalige Bürgermeisterin ist auch der Meinung, dass Einfamilienhäuser geschützt werden müssen. Vor allem da momentan „sehr dubiose Firmen diese Gebäude aufkaufen und dann zerstückeln“, sagt Vera Spautz. Doch die Politikerin wirft der momentanen CSV-Führung vor, bewusst „Konfusion“ zu verbreiten und alle Wohnformen in einen Topf zu schmeißen. Da werde eine „grausame“ Rhetorik benutzt. Die LSAP-Politikerin zitiert die CSV mit dem Satz: „Wenn wir das nicht so streng regulieren, dann herrscht in Esch Anarchie.“ Dabei seien diese neuen Wohnformen wichtig für Esch und sie verstehe nicht, „wie man die Menschen, die in einer WG wohnen wollen, so betiteln könne“.
Das Problem liege laut Spautz allerdings nicht nur bei dem PAG, sondern auch bei den neuen Bauprojekten, die zu dicht gebaut werden sollen: „Auf den Terres rouges sind Wohnungen geplant, das sind richtige Kaninchenställe.“ Esch sei die am dichtesten bebaute Stadt Luxemburgs und „wenn jeder so bebauen würde, dann wäre Luxemburg ein Sieben-Millionen-Staat“, sagt die ehemalige Bürgermeisterin.
Problematik CHEM
Daniel Cardao, früherer Verwaltungs- und Finanzdirektor des Escher „Centre hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM), hat am 1. September vorübergehend den Posten des „directeur général faisant fonction“ übernommen. Das Krankenhaus-Personal und verschiedene Politiker hatten dem ehemaligen Direktor, Hansjörg Reimer, in den vergangenen Wochen immer wieder verschiedene Vorwürfe gemacht. (Wir berichteten) Vera Spautz, ihrerseits im Verwaltungsrat des Krankenhauses, kritisierte Reimer schon im Dezember vergangenen Jahres, weil er den Verkauf und die Privatisierung des CHEM befürwortete: „Ich habe intern schon sehr früh Radau geschlagen, als ich merkte, dass hinter dem Projekt Südspidol eine starke Lobby stand, die Druck machte, das Krankenhaus auszulagern.“
Neben dem Krankenhausgebäude war eine „Maison médicale“ geplant, in der frei arbeitende Ärzte noch zusätzliche Praxisstunden nehmen konnten. Vera Spautz habe an diesem Projekt von Anfang an gezweifelt. Diese ergänzenden Strukturen seien wichtig, doch sie müssten eng an das CHEM gekoppelt sein: „Es kann nicht sein, dass liberale Ärzte von einem öffentlichen Krankenhaus-System profitieren und dann noch nebenbei in einer Praxis doppelt einkassieren.“
Mit dem neuen Interimsdirektor zeigt sich die Politikerin momentan zufrieden. Daniel Cardao kenne sich mit den Projekten aus und wisse, was gemacht werden muss. „Wir müssen ihm jetzt mal eine Chance geben“, sagt Vera Spautz.