Deutschland
Union und SPD nehmen große Hürde – aber auch nicht mehr
Finanzen, Migration, Bürgergeld: In einigen zentralen Streitfragen sind sich Union und SPD nun einig. Viele haben sie aber noch gar nicht behandelt. Der Weg zur Koalition ist noch lang und steinig.
CDU, CSU und SPD sondierten, ob Koalitionsverhandlungen zu einer Regierungsbildung nach der Bundestagswahl aufgenommen werden können Foto: dpa/Michael Kappeler
Union und SPD haben mit ihrer Einigung in den Sondierungsgesprächen die erste große Hürde auf dem Weg zu einer gemeinsamen Regierung genommen. Die wichtigen Finanzfragen sind geklärt, der Migrationskurs abgesteckt und die Reform des Bürgergelds beschlossen. Damit gibt es eine Grundlage für Koalitionsverhandlungen, die von den Spitzengremien der CDU, CSU und SPD am Sonntag beziehungsweise am Montag beschlossen werden sollen. Es gibt aber noch viele Stolpersteine, bevor CDU-Chef Friedrich Merz als Kanzler und seine Minister vereidigt werden können.
Grün kann Schwarz-Rot den Start verhageln
Das fängt bei den Finanzen an. In den zentralen Finanzfragen hatten die Unterhändler mit der Lockerung der Schuldenbremse und einem gigantischen Sondervermögen für Infrastruktur bereits am Dienstag einen Durchbruch erzielt. Die Union kam der SPD dabei sehr weit entgegen und warf dafür sogar Wahlkampfversprechen über den Haufen.
Aber da sind auch noch die Grünen, die für die notwendige Grundgesetzänderung durch den alten Bundestag bis zum 25. März zwingend gebraucht werden. Wenn die sich nicht überzeugen lassen, ist die Grundlage für die Koalitionsverhandlungen hinüber, bevor diese richtig begonnen haben. Denn im neuen Bundestag bräuchte man für eine Zwei-Drittel-Mehrheit AfD (Zusammenarbeit ausgeschlossen) oder Linke (Zusammenarbeit extrem schwierig).
Die Grünen werfen Union und SPD vor, ihre Wahlversprechen durch die neuen Finanzmittel finanzieren zu wollen, statt das Geld für tatsächliche Verbesserungen einzusetzen. „Das ist Gift für unser Land“, sagte Parteichefin Franzisika Brantner am Samstag. Co-Parteichef Felix Banaszak betonte: „Von einer Zustimmung sind wir heute weiter entfernt als in den letzten Tagen.“
Fallstrick bei Migration: die Nachbarländer
Auch die zweite große Grundsatzeinigung – beim Thema Migration – beinhaltet einen Fallstrick. Die Union hat zwar ihren Willen bekommen, dass auch Asylbewerber an den Grenzen zurückgewiesen werden sollen. Ob das aber für die von ihr geforderte Wende in der Asylpolitik sorgen wird, muss sich noch erweisen. Denn die Zurückweisungen, für die mehr Polizisten an den Grenzen kontrollieren sollen, sind „in Abstimmung mit den europäischen Nachbarn“ geplant. Und wie die darauf reagieren, ist offen.
Vieles ist ungeklärt
Und dann gibt es noch eine Reihe weiterer schwieriger Fragen, die bisher gar nicht oder nur ansatzweise besprochen wurden. Einige Beispiele:
„Basst scho“
Es bleibt also spannend. Ein positives Vorzeichen für die weiteren Verhandlungen ist, dass die Sondierungsrunden ziemlich geräuschlos über die Bühne gegangen sind. Es gab Frühlingsbilder von gut gelaunten Sondierern bei Sonnenschein auf Balkonen – als Kontrastprogramm zu den düsteren Tagen des Ampel-Niedergangs im vergangenen Herbst.
Unions-Fraktionschef Merz sprach von einer „guten und sehr kollegialen Atmosphäre“. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil nannte die Gespräche „konstruktiv“. Und selbst CSU-Chef Markus Söder meinte: „Basst scho“ (Passt schon).
Einigung bis Ostern?
Die Spitzengremien von CSU und SPD wollen am Sonntag über die Sondierungsergebnisse beraten, die CDU am Montag. Dann kann es losgehen mit den Koalitionsverhandlungen. Merz strebt einen Abschluss bis Ostern an. Die SPD hat sich zu Zeitplänen bisher noch nicht konkret geäußert.