Luxemburg
UEL will mehr Senioren wieder auf den Arbeitsmarkt schicken
Die Senioren sollen es richten: Der Luxemburger Unternehmerverband UEL will alte Menschen wieder zum Arbeiten bewegen. Eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zeigt, woran es hapert.
Ein älterer Mann sitzt an einem Computer – trägt er mit seiner Arbeit zur Wirtschaft bei? Symbolfoto: Tim Brakemeier/dpa
Fachkräftemangel und eine schwindende Rentenreserve machen Luxemburg zu schaffen. Gleichzeitig war 2022 laut der „Organisation for Economic Co-operation and Development“ (OECD) weniger als jeder zweite der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig – gegenüber fast zwei Drittel in den 38 Mitgliedstaaten. Die „Union des entreprises luxembourgeoises“ (UEL) will deswegen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Senioren sollen mehr arbeiten.
Schaut man sich die Daten genau an, kann man einen Trend erkennen: Bis zum Alter von 55 Jahren ist die prozentuale Zahl der arbeitenden Bevölkerung zwischen Luxemburg und den OECD-Ländern ziemlich ähnlich, danach wird sie mit zunehmendem Alter immer größer. Bei den 50- bis 54-Jährigen waren in Luxemburg 2022 rund 81,5 Prozent in einer Beschäftigung. In den OECD-Ländern 81,2. In der Altersgruppe zwischen 55 und 64 sieht es schon anders aus: 46,6 Prozent in Luxemburg und 64,6 Prozent in den OECD-Ländern. Und der Trend verstärkt sich mit zunehmenden Alter. Zwischen 65 und 69 Jahren sind es 6,6 und 24,5 Prozent.
Die UEL findet, dass „diese Situation nicht nachhaltig ist und einen enormen Verlust für die Erwerbsbevölkerung darstellt“. Eine neue Umfrage der UEL unter ihren Mitgliedern, an der u.a. die Verbände der Personalvermittler und Personalfachleute in Luxemburg beteiligt waren, zeigt, dass hier noch ungenutztes Potenzial schlummert. Für „die Erhaltung sowohl der wirtschaftlichen Entwicklung als auch des Sozialmodells“ seien Senioren von entscheidender Bedeutung.
Luxemburgs Problemfelder
Das Wirtschaftswachstum des Großherzogtums ist ins Stocken geraten. Für 2025 wird es voraussichtlich bei einem Prozent liegen. 2026 soll die Lage ein bisschen besser aussehen: Eine Verdopplung auf zwei Prozent ist drin. Von 2027 bis 2029 geht es dann ähnlich weiter. Statec rechnet für diese Periode mit einem durchschnittlichen Wachstum von 2,4 Prozent.
Hinzukommt der Fachkräftemangel. Die ADEM veröffentlicht regelmäßig eine Liste mit sogenannten Mangelberufen. Also Bereiche, in denen besonders viele Stellen unbesetzt bleiben. Auf der aktuellen Liste befinden sich 22 Berufsfelder, darunter verschiedene Jobs im Finanzbereich, in der IT, im Ingenieurwesen, in der Krankenpflege und der Sozialarbeit.
Das größte Sorgenkind ist aber Luxemburgs Rentensystem. Ändert sich an der aktuellen Politik nichts, ist die Reserve bis 2045 komplett leer und aufgebraucht. Das Thema dominiert deswegen das politische Geschehen. Das Resultat der Verhandlungen zwischen Regierung und Sozialpartnern: eine Reform „light“. Die Beiträge und das Eintrittsalter sollen leicht erhöht werden. Nach aktuellen Berechnungen verschiebt sich das Problem dadurch lediglich um zwei Jahre.
Was nötig ist
Ob und wie mehr Senioren auf dem Arbeitsmarkt diese Probleme lösen können, ist unklar. Damit Senioren aber überhaupt wieder für den Arbeitsmarkt infrage kommen, müssen laut UEL bestimmte falsche Vorstellungen überwunden werden, die „die Einstellung älterer Arbeitnehmer behindern“. Aus der Umfrage des Unternehmerverbands sei hervorgegangen, dass Senioren hauptsächlich für Führungspositionen in Betracht gezogen werden – hohe Gehälter inklusive. Doch das müsse nicht so sein, sagt der Unternehmerverband. Denn ältere Arbeitnehmer befänden sich häufig in einer Situation, in der sie nicht mehr auf ein hohes Gehalt angewiesen seien. Stattdessen würden sie sich dann verstärkt auf den Sinn ihrer Arbeit konzentrieren, und weniger auf die Vergütung. Zudem hätten sie oft gar nicht mehr den Wunsch, ein Team zu leiten.
Aber auch die Arbeitnehmer seien in der Pflicht, sagt die UEL. Denn für viele Stellen würden Senioren gar nicht erst in Betracht gezogen. Jeder dritte Personalvermittler wisse nichts von den Maßnahmen, die „die Einstellung oder Weiterbeschäftigung von Senioren fördern“. Jeder vierte empfände diese als unzureichend.
Neue Anreize für Senioren
Nichtsdestotrotz bleibe der finanzielle Anreiz „der von Personalvermittlern als vorrangig identifizierte Hebel“, um mehr Senioren in den Arbeitsmarkt zu spülen, schreibt die UEL. Auch ein Mentalitätswandel und eine stärkere Sensibilisierung von Einzelpersonen und Arbeitgebern werden genannt.
Die Umfrage ist laut UEL aber vor allem zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: 80 Prozent der Personalvermittler seien der Meinung, dass Senioren nicht ausreichend wertgeschätzt werden – obwohl sie viele Vorzüge böten und einen Beitrag zur Wirtschaft leisten könnten.
Die UEL ist mit ihrem Werben um Senioren nicht alleine. Auch Finanzminister Gilles Roth (CSV) will mehr Senioren zum Arbeiten bewegen. Dafür will er steuerliche Anreize schaffen, wie er in seiner Rede zur Vorstellung der Eckdaten des Haushaltsentwurfs für 2026 darlegte – mit steuerlichen Gutschriften von 9.000 Euro im Jahr.