USA
Trump lässt von seinem Grönland-Wunsch nicht ab
„Spionage gegen einen Verbündeten, das ist völlig inakzeptabel“, beschwert sich Jens-Frederik Nielsen, Regierungschef der 57.000 Grönländerinnen und Grönländer. Der Politiker bezieht sich auf einen Text des „Wall Street Journal“, wonach die US-Geheimdienste CIA, DIA und NSA ihre Aktivitäten auf Grönland beginnen würden – „ein erster Schritt der Trump-Regierung, um den oft geäußerten Wunsch des Präsidenten zu erfüllen, die Insel zu erwerben“.
Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen (r.) und Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen sind alles andere als begeistert über Trumps Grönland-Wünsche Foto: AFP
Seit Dezember verlangt der Republikaner die Kontrolle der USA über das arktische Gebiet – angeblich aus Gründen der nationalen Sicherheit und der dortigen Bodenschätze. Die Forderung richtet sich an das Land Dänemark, welches die Außen- und Sicherheitspolitik der Insel bestimmt. Im grönländischen Parlament wird nun die Schließung des US-Konsulats diskutiert, welches 2020 eröffnet wurde, ein Schritt, den die Regierung in Nuuk als übertrieben ablehnt.
Dabei waren viele Insulaner anfangs über das amerikanische Interesse erfreut, die Stimmung schlug jedoch um, als ihnen bewusst wurde, dass ihre Meinung die USA nicht wirklich interessierte. Ein Besuch von US-Vizepräsident JD Vance und seiner Gemahlin Usha Ende März geriet dabei zum Image-Fiasko, da niemand vor Ort mit der Amerikanerin reden wollte, entsprechende Auftritte wurden darum abgesagt.
Donald Trump scheint im Fall Grönland wirklich entschlossen zu sein, in einem Sonntagsinterview mit dem TV-Sender NBC schloss er erneut Waffengewalt nicht aus, um sein Ziel zu erreichen. Glaubt man dem Artikel, der sich auf zwei anonyme Quellen innerhalb der US-Dienste beruft, so würden neben Satellitenüberwachung und Abhörmaßnahmen auch auf „Spione vor Ort“ in Grönland und Dänemark gesetzt, welche Personen „identifizieren“ sollen, die US-Interessen vertreten.
Vorsichtiges Abwarten in Dänemark
Dazu gehört mit Sicherheit Pele Broberg, Chef der Oppositionspartei „Naleraq“, welche bei den Wahlen im Februar die zweitmeisten Stimmen erhielt. Die populistisch ausgerichtete Partei fordert am vehementesten die Unabhängigkeit von Dänemark. Bereits 2019 begrüßte Broberg Trumps ersten Vorstoß, Grönland von Dänemark abzukaufen.
Nun wirft der ehemalige Außenminister der Insel dem dänischen Staat und den dänischen Medien vor, gegen Grönland zu spionieren und sich in den Wahlkampf eingemischt zu haben. Belege für diese Anschuldigungen liefert er nicht. Allerdings ist Wahlsieger und Regierungschef Jens-Frederik Nielsen von der sozialliberalen Partei „Demokraatit“ Befürworter einer engen Zusammenarbeit mit Dänemark.
Der skandinavische NATO-Mitgliedsstaat selbst agiert vorsichtig gegenüber den Forderungen aus den USA. In einem neuen Verteidigungsabkommen zwischen beiden Ländern erlaubt die Regierung in Kopenhagen, dass amerikanische Geheimdienste in den Städten Aalborg, Karup und Skrydstrup dänische Militäranlagen nutzen dürfen. Die umstrittene Vereinbarung muss noch im Parlament verabschiedet werden.
Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen hat zwar den amerikanischen Botschafter nach dem Bericht des Wall Street Journal zu einem Gespräch im Außenministerium einbestellt; Mette Frederiksen, Dänemarks Regierungschefin, tat den Text jedoch am Freitag als „Gerüchte einer internationalen Zeitung“ ab.
Kein Gerücht ist wohl, dass sich die amerikanischen Grönland-Ambitionen in vielen Maßnahmen und Plänen manifestieren: Nach Überlegungen des „Nationalen Sicherheitsrats“ soll auf massive Kampagnen in den sozialen Medien und den klassischen Medien gesetzt werden. Dabei würde dann an die verwandtschaftliche Verbindung zwischen den Inuit in Grönland und Alaska erinnert. Zudem kolportierte jüngst Reuters, dass Grönland ein Assoziierungsabkommen mit den USA angeboten wird. Eine solche Vereinbarung wurde bereits mit Mikronesien, Palau und den Marshallinseln abgeschlossen.
Schwer wiegen wird zudem das Geld – derzeit ist eine Gruppe von amerikanischen Investoren vor Ort in Grönland, darunter der ehemalige Trump-Berater Drew Horn, Direktor des Konzerns GreenMet. Rund zehn Milliarden Dollar sollen demnächst in den grönländischen Bergbau investiert werden. Horn widerspricht gegenüber dem grönländischen Fernsehsender KNR ein „Trojanisches Pferd“ der US-Regierung zu sein. Eine Beteuerung, die mittlerweile nur wenige Grönländer glauben werden.