Esch

TICE-Konvention und Schulorganisation: Gemeinderat tagte nach Sommerpause

Der Escher Gemeinderat befasste sich am Freitagmorgen mit der TICE-Konvention, die den Betrieb finanziell absichern soll, sowie mit der definitiven Schulorganisation und den „Maisons relais“. Politisches Versagen und Untätigkeit – diesen Vorwürfen mussten sich die Verantwortlichen während der Sitzung stellen.

Der Escher Gemeinderat stimmte am Freitagmorgen die neue TICE-Konvention – auch bei den anderen kommunalen Partnern wird die Konvention in den kommenden Wochen diskutiert werden

Der Escher Gemeinderat stimmte am Freitagmorgen die neue TICE-Konvention – auch bei den anderen kommunalen Partnern wird die Konvention in den kommenden Wochen diskutiert werden Foto: Editpress/Alain Rischard

Zum ersten Mal nach der Sommerpause trat am Freitagmorgen der Escher Gemeinderat zusammen. Zwei Themen standen im Mittelpunkt: die Konvention über die künftige Struktur des Transportsyndikats TICE und die definitive Organisation des neuen Schuljahres. Der Gemeinderat stimmte einer neuen TICE-Konvention zu, die das Syndikat ab 2027 in ein „Syndicat mixte“ von Staat und Gemeinden verwandeln soll. Über zehn Jahre stellt der Staat 750 Millionen Euro bereit, die neun Mitgliedsgemeinden steuern 150 Millionen bei. Für Esch bedeutet das jährliche Ausgaben von 3,3 Millionen Euro – weniger als bisher.

Meris Sehovic („déi gréng“) sprach von einem „neuen Kapitel“ für den TICE. Alle Arbeitsplätze und Konditionen würden gesichert, die geplanten Investitionen – etwa in das neue Atelier – würden den Betrieb stärken. Auch Joy Weyrich (CSV) begrüßte die Vereinbarung. Sie bedeute „Planungssicherheit und finanzielle Entlastung, ohne Kompromisse bei den Arbeitsbedingungen“.

Protest und Missstände

Oppositionsrat Marc Baum („déi Lénk“) erinnerte an die jüngsten Proteste der Beschäftigten, die Missstände wie Personalmangel, rigide Urlaubsregelungen und ein „Klima der Angst“ beklagt hatten. „Es reicht nicht, Strukturen neu zu ordnen, solange intern nichts verbessert wird“, sagte er.

Fahrer und Gewerkschaftsvertreter der „Fédération générale de la fonction communale“ (FGFC) hatten erst am vergangenen Freitag vor dem TICE-Hauptsitz protestiert. In einer symbolischen Aktion forderten sie mehr Respekt und weniger Druck. Eine interne Befragung zeigte: 71 Prozent des Personals sind unzufrieden, 88 Prozent sehen eine Verschlechterung der Bedingungen, fast zwei Drittel erwägen einen Jobwechsel. Besonders kritisiert wird der Umgang mit Krankmeldungen – viele Fahrer kämen krank zur Arbeit, um Lohneinbußen zu vermeiden.

Baum sprach in der Gemeinderatssitzung von „politischem Versagen“ über die vergangenen Jahre. Die jetzige Konvention könne zwar Planungssicherheit schaffen, sei aber kein Ersatz für eine grundlegende Aufarbeitung der Probleme. Sehovic versuchte, Zuversicht zu verbreiten: „Totgesagte leben länger.“ Der TICE müsse sich neu erfinden, die Konvention biete dafür die notwendige Stabilität. „Déi Lénk“ stimmte als einzige Partei gegen die neue Konvention. 

Der zweite, zentrale Punkt am Freitag war die definitive Schulorganisation. „Eng smooth Rentrée“ – so fasste Schulschöffe Meris Sehovic den diesjährigen Schulstart zusammen. 3.294 Kinder besuchen derzeit die Escher Grundschulen. Mit einer durchschnittlichen Klassengröße von 14,36 Schülerinnen und Schülern sei man auf einem guten Weg: „Die Klassen bleiben überschaubar, was eine gute Betreuung ermöglicht“, sagte Sehovic.

Undichte Schulpolitik

Besonders betonte der Lokalpolitiker und Abgeordnete die Entwicklung der „Maisons relais“: 2018 standen 1.086 Plätze zur Verfügung, in wenigen Monaten werden es über 2.000 sein. „Das ist eine Investition in die Zukunft“, so Sehovic. 21 Prozent des Gemeindebudgets 2025 seien dafür reserviert. Auch die Zahl der Kinder auf der Warteliste sei mit 23 so niedrig wie nie – 2017 mussten noch über 1.100 Kinder auf einen Platz in den Betreuungseinrichtungen warten. Die „Maisons relais“, die Kinder aus 65 Nationen aufnehmen, sind laut Sehovic ein „Spiegelbild der Escher Gesellschaft“. Dort gehe es nicht nur um Betreuung, sondern um Bildung, Integration und soziale Entwicklung – mit Angeboten von Sport bis Naturprojekten.

Die „Groussgaass-Schoul“ befindet sich laut LSAP immer noch in einem schlechten Zustand

Die „Groussgaass-Schoul“ befindet sich laut LSAP immer noch in einem schlechten Zustand Foto: Sandra Lutz

Marc Baum sprach von einem Déjà-vu in der Schulorganisation. Jedes Jahr wiederhole sich die gleiche Diskussion, ohne dass grundlegende Fragen gelöst würden: „Es fehlt nicht an Zauberei, sondern an Prioritäten.“ Insbesondere bei der Planung von Schulraum und bei der Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die verschiedenen Sektoren gebe es Unklarheiten. Es gebe klare, logistische Probleme: in manchen „Maisons relais“ besuchen die Kinder bis zu vier verschiedene Schulen.

Für Oppositionsrätin Enesa Agovic (LSAP) überwiegen die Defizite. Sie erinnerte an die Probleme der „Groussgaass-Schoul“ in der Grand-rue: „Es regnet hinein, und das seit Monaten.“ Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Aussage Sehovics, man könne nun mal nicht zaubern. Sehovic verwies auf den im Frühjahr vorgestellten „Plan de développement d’infrastructure scolaire“ (PDIS). In der „Groussgaass-Schoul“ seien bisher kurzfristige Lösungen gefunden worden – 2026 sollen konkrete Pläne vorgelegt werden.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Historische Windmühle

Viel Wind um wenig Mühle: Was wird aus dem Kulturerbe?