Historische Windmühle
Viel Wind um wenig Mühle: Was wird aus dem Kulturerbe?
Die Verlegung der historischen Windmühle am CHL lässt Bauunternehmer, Abgeordnete und potenzielle Käufer gleichermaßen aufhorchen. Experten und die Zivilgesellschaft warnen derweil vor weiteren Fehlentscheidungen.
Die historische Windmühle hindert die Baustelle am Krankenhaus Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Mit dem Voranschreiten der Baustelle am „Centre hospitalier de Luxembourg“ (CHL) in der route d’Arlon teilte die Regierung am Montag mit, dass die Überreste der Windmühle aus dem 19. Jahrhundert abgerissen werden. Der ehemals denkmalgeschützte Turm soll dafür originalgetreu auf dem Krankenhausgelände – an der Kreuzung des Val Fleuri mit der route d’Arlon – wiederaufgebaut werden. Am Dienstag erreichte das Tageblatt nun die Nachricht, dass das Schicksal des Mühlenturms noch nicht endgültig besiegelt sei.
Ab 2033 sollte eigentlich die Tram an jener Stelle vorbeifahren, wo der Turm wiederaufgebaut werden soll. Während die Regierung die gute Sichtbarkeit der Mühle entlang der künftigen Tramlinie hervorhebt, warnt die Vereinigung „Les amis du tramway“ in einer Pressemitteilung davor, dass die Mühle mit dem Voranschreiten der Trambaustelle erneut verschoben werden müsste.
Mehrere Abgeordnete reichten gestern dringende parlamentarische Fragen zum weiteren Schicksal der Mühle ein. Dabei wurde auch gefragt, ob die Regierung in Erwägung ziehe, die Windmühle für die nachhaltige Stromproduktion zu nutzen. Im Gespräch mit dem Tageblatt sagte indes Windkraftexperte Tun Quichott, dass er diese Option für wenig umsetzbar hält: „Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Windmühlen immer öfter mit Windkraftanlagen verwechselt. Dabei sollte beachtet werden, dass eine Windmühle ein Mahlwerk antreibt, während eine Windkraftanlage Strom erzeugt.“
Verlegung lässt Baubranche aufhorchen
Vor dem Hintergrund, dass der Windmühlenturm Gefahr läuft, ein weiteres Mal versetzt zu werden, haben Tageblatt-Informationen zufolge bereits mehrere Partien ein Interesse daran gezeigt, den Turm zu erwerben. Unter den potenziellen Käufern soll auch der Bettemburger Märchenpark sein. Dieser prüfe demnach die Möglichkeit, ob die ehemalige Windmühle vollständig mitsamt Windrädern restauriert werden könnte. Falls ja, könnte er als Kulisse des gleichnamigen Märchens von Hans Christian Andersen, „Die Windmühle“, dienen.
Die Nachricht der Turmverlegung sorgte indessen für Aufwind in der Baubranche. Ein Bauunternehmer, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagte dem Tageblatt, dass dies neues Bauland schaffen könnte: „Insbesondere im Stadtzentrum öffnet dies zahlreiche neue Möglichkeiten. Hätten wir früher gewusst, dass die Möglichkeit besteht, denkmalgeschützte Bauwerke aus dem Inventar zu löschen, um sie dann zu verlegen, hätten wir längst mehr Wohnungen bauen können.“ Als Beispiel nannte er die „gëlle Fra“. Diese stehe relativ ungünstig in unmittelbarer Nähe zur Altstadt. „Wenn wir das Denkmal wenige Meter weiter vor die Kathedrale verlegen würden, könnten wir an dieser Stelle erstklassige Wohnungen mit sensationeller Aussicht errichten.“
Noch ist unklar, welches Projekt rund um die Mühle am meisten Rückenwind erfährt.