Umweltministerium

Studie: Cattenom könnte mit genügend Vorbereitung abgeschaltet werden

Das französische Atomkraftwerk Cattenom ist immer wieder in den Medien – vor allem wegen wiederkehrender Pannen. Trotz der Atom-Katastrophen von Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 werde in der EU wieder verstärkt über die Förderung der Atomkraft debattiert, sagen Luxemburgs Umwelt- und Energieministerium. Aber aus einer neuen, von den beiden Behörden beauftragten Studie geht hervor: Eine Stilllegung Cattenoms ist machbar.

Das französische Atomkraftwerk wird von Luxemburg und Deutschland als Sicherheitsrisiko eingestuft

Das französische Atomkraftwerk wird von Luxemburg und Deutschland als Sicherheitsrisiko eingestuft Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Immer wieder Cattenom – Luxemburgs Regierung, das Saarland und Rheinland-Pfalz fordern schon über ein Jahrzehnt lang die Abschaltung des französischen Kernkraftwerks am Dreiländereck. „Trotz des großen Risikos und der Abschaltforderungen aus vielen Nachbarländern zieht Frankreich bisher nur ungenügend Konsequenzen für den Betrieb der Pannenmeiler“, sagte Greenpeace bereits 2014 in einem Bericht. „Das AKW Cattenom muss vom Netz genommen werden. Eine Laufzeit-Verlängerung ist unnötig und völlig inakzeptabel“, geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung des Luxemburger Umweltministeriums und des Energieministeriums vom Freitag hervor. Darin geben die beiden Behörden bekannt, dass Luxemburg gemeinsam mit seinen Nachbarn Rheinland-Pfalz und dem Saarland eine Studie in Auftrag gegeben hat. Diese soll die Auswirkungen der Abschaltung Cattenoms auf die Versorgungssicherheit in der Region untersuchen – und liegt seit dem 15. April vor. Ihr Fazit: Eine Stilllegung des Meilers vor der Grenze ist machbar.

#Luxemburg, #RheinlandPfalz und das #Saarland legen Studie zur #Versorgungssicherheit in der Region vor: https://t.co/acEhnyBpYY. #Atomenergie ist weder für unsere Stromversorgung notwendig – noch sicher. #Cattenom muss gestoppt werden. pic.twitter.com/YmkAjhieq1

— Claude Turmes (@ClaudeTurmes) April 23, 2021

Die Studie wurde laut Pressemitteilung von Consentec, einem laut Eigenangabe „unabhängigen Beratungsunternehmen für Ingenieurwissenschaftliche und wirtschaftliche Themen im Bereich Strom- und Gasversorgung“ aus Deutschland, erstellt. Laut den beiden Luxemburger Ministerien ist ein immer wieder aufkommendes Argument in der Debatte um Cattenom die Versorgungssicherheit – also die Frage, ob nach einer Abschaltung weiter genug verfügbar ist, um die ganze Region zu versorgen. In der Consentec-Studie steht dazu Folgendes: „Die Anlage in Cattenom hat aufgrund ihrer hohen Leistung systemtechnische Relevanz für eine sichere Bedarfsdeckung, die Netzbelastung und die Erbringung von Systemdienstleistungen in der Großregion und darüber hinaus.“

Das bedeute aber nicht, dass Cattenom unabdingbar sei. Es gebe Möglichkeiten, um die durch eine Stilllegung verlorengehende Produktion zu ersetzen. Innerhalb von vier bis fünf Jahren könnten Anlagen errichtet werden, die auf Basis von klimaneutralen Gasen – wie zum Beispiel grünem Wasserstoff – Strom produzieren. Außerdem könnte die wegfallende Leistung zumindest teilweise durch den Ausbau erneuerbarer Energien wiedergewonnen werden, heißt es in der Consentec-Studie.

Der Zeitpunkt ist ausschlaggebend

„Deutschland zeigt den Weg, dass ein hochmodernes und wichtiges Industrieland aus der Atomkraft aussteigen kann“, schreiben das Umwelt- und das Energieministerium in ihrer Pressemitteilung. Und Kernkraftwerke könnten auch nach ihrer Abschaltung weiter genutzt werden. Die Studie verweist auf das deutsche Kernkraftwerk Biblis: Nach der Stilllegung 2011 sei der Generator des Kraftwerks umgerüstet worden. Biblis betreibe nun „rotierende Phasenschieber“, die zur Stabilität des Stromnetzes beitragen würden. Solch eine Umrüstung sei auch in Cattenom „kurzfristig möglich“, sagt Consentec.

Frankreich plant, bis 2035 zwölf Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen und so den Atomanteil am Strommix auf 50 Prozent zu senken. „Die Studie zeigt, dass das AKW Cattenom zu jenen Anlagen zählen kann, die prioritär abgeschaltet werden können“, schreiben Luxemburgs Umweltministerium und Energieministerium. Der Stopp Cattenoms sei möglich, müsse aber gut geplant werden: Aus der Consentec-Studie geht hervor, dass Frankreich derzeit nahe an dem definierten Versorgungssicherheitsstandard operiere. Hinzu komme, dass der Kohleausstieg im Nachbarland kurz bevorstehe, und dass größere Revisionen bei einem Teil der Kernkraftwerke anstehen würden. Deshalb gebe es „aktuell keine nennenswerten Kapazitätsreserven“.

Die Consentec-Studie spricht von einer in Frankreich „aktuell möglicherweise etwas angespannten Situation, die sich allerdings gegen Mitte des Jahrzehnts zu entspannen beginnt und in der zweiten Hälfte der Dekade auch Raum für weitere Stilllegungen von Kernkraftwerken bieten sollte“. Ausschlaggebend sei der Zeithorizont, in dem die Außerbetriebnahme eines Kraftwerks vorgenommen werde. Dann würde es auch nicht zu Engpässen kommen.

Katastrophe von Tschernobyl

Zwei Explosionen zerstörten am 26. April 1986 einen der vier Reaktorblöcke des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Dieser Vorfall wird als schwerster Unfall in der Geschichte der Kernenergie angesehen. Radioaktives Material verseuchte weite Teile Russlands, Weißrusslands und der Ukraine. Wolken mit radioaktivem Fallout verteilten sich über weite Teile Europas.

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