Luxemburg

Schießen für den Wald: FSCL-Präsident fordert längere Jagdzeiten – und vertrauenswürdige Jäger

Luxemburgs Wälder stehen unter Druck – nicht nur durch den Klimawandel, sondern auch durch überhöhte Wildbestände. FSCL-Präsident Nic Etgen fordert deshalb eine Reform der Jagdzeiten und der Verpachtungspraxis. Er kritisiert Jäger, die sich lieber den Jagderfolg sichern, als Verantwortung für den Wald zu übernehmen.

Ein Jäger bei der Jagd auf Wildschweine

Ein Jäger bei der Jagd auf Wildschweine Symbolfoto: Editpress-Archiv/Alain Rischard

Nic Etgen hat im Gespräch mit RTL am Montagmorgen längere „Öffnungszeiten“ für die Wälder gefordert. Derzeit darf in der Jagdsaison nur von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis zu einer Stunde nach Sonnenuntergang geschossen werden. Für den Präsidenten des FSCL wäre schon viel gewonnen, wenn diese Zeiten um eine Stunde verlängert werden würden. Der Bruder des DP-Politikers Fernand Etgen hebt aber auch hervor, dass die Jäger ihrer Verantwortung besser nachkommen müssen: Einige Jäger würden das Wild ihres Jagdloses sich ungehindert vermehren lassen, um bei der Jagd ein garantiertes Erfolgserlebnis zu haben. 

FSCL & FSHCL

Etgen ist Präsident der FSCL („Fédération des syndicats de chasse du Luxembourg“), des Dachverbands der Luxemburger Jagdsyndikate, die wiederum die Interessen der Grundeigentümer von Wäldern und Fluren vertreten. Nicht zu verwechseln mit der FSHCL („Fédération St-Hubert des chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg“) – der Verband vertritt die Interessen der Jäger.

Luxemburg hat ein Wald- und Wildproblem – darüber herrscht Einigkeit über alle Lagergrenzen hinweg, von den Jägern und Bauern hin zu natur&ëmwelt und dem „Mouvement écologique“. Denn das Wild setzt dem Wald zu, der sich wegen des Klimawandels ohnehin bereits in einem schlechten Zustand befindet: Rund 85 Prozent der einheimischen Bäume hierzulande sind „geschädigt, stark geschädigt oder absterbend“. Und die jungen, gesunden Bäume, die nachwachsen und den Wald verjüngen sollen? Die werden gefressen – von Rehen, Hirschen, Wildschafen und Wildschweinen.

Etgen findet es deshalb richtig, dass Jäger für die Schäden aufkommen, die das Wild aus ihrem Jagdlos an angrenzenden Ackerbauflächen anrichtet. Denn das Problem sei nicht bei allen 621 Jagdlosen in Luxemburg im gleichen Maße vorhanden. „Wir haben eine gewisse Kategorie Jäger, die wollen einen großen Wildbestand, um die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs am Jagdtag zu erhöhen.“ Deswegen will Etgen auch, dass das FSCL mehr Spielraum bei der Verpachtung der Jagdlose erhält. Derzeit werden die Lose versteigert und fallen zwangsläufig an einen der drei meistbietenden Jäger. Laut Etgen handele es sich dabei jedoch letztlich meist um „eine Person und zwei Strohmänner“ – also um ein Bieterkartell. Die Wald- und Flurbesitzer können sich demnach nicht aussuchen, wer auf ihrem Land jagt.

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