InflationIndex fällt noch nicht – Preissteigerungsrate bleibt im Dezember auf hohem Niveau

Inflation / Index fällt noch nicht – Preissteigerungsrate bleibt im Dezember auf hohem Niveau
Seit zwei Monaten liegt die Inflationsrate hierzulande wieder bei unter sechs Prozent Foto: AP/Michael Probst

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Im Monat Dezember ist die Preissteigerungsrate in Luxemburg erneut unter der Marke von sechs Prozent geblieben. Die Tripartite-Maßnahmen beginnen demnach, sich in den Zahlen bemerkbar zu machen. Der für das Auslösen einer neuen Indextranche notwendige Schwellenwert ist um eine Haaresbreite verpasst worden.

Auch im Monat Dezember ist die Inflationsrate in Luxemburg überdurchschnittlich hoch geblieben. Mit einer Steigerungsrate von 5,37 Prozent (im Jahresvergleich) liegt sie jedoch leicht unter den 5,94 Prozent vom Vormonat. Das hat das statistische Institut Statec am Montag in einer Pressemeldung mitgeteilt. Es ist der zweite Monat in Folge, in dem die Preissteigerungsrate wieder bei unter sechs Prozent liegt.

Der monatliche Rekordhöchststand im Jahr 2022 war hierzulande im Juni, mit 7,43 Prozent, erzielt worden. Das war die höchste Rate seit Jahrzehnten.

Das letzte Mal, dass eine niedrigere Inflationsrate gemessen worden war als nun im Dezember, war vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, im Januar 2022 (3,58 Prozent).

Jahresinflationsrate von 6,3 Prozent

Im Gesamtjahr 2022 war die Preissteigerungsrate hierzulande, mit 6,3 Prozent, überdurchschnittlich hoch, wie die neuen Zahlen von Statec zeigen. Das letzte Mal, dass die Preise noch schneller stiegen als 2022, war vor etwas weniger als 40 Jahren. Im Jahr 2021 lag sie erst bei 2,5 Prozent. Im Jahr des Corona-Stillstands 2020 waren es hingegen nur 0,8 Prozent: Damals war der Ölpreis wegen einer schrumpfenden Nachfrage stark eingebrochen

Die neue Zeit der immer schneller steigenden Preise war bereits 2021 angebrochen: Im April 2021 hatte die Inflationsrate die Marke von 2 Prozent überschritten. Im Oktober dann die Marke von 3 Prozent, im November die von 4 Prozent. Im Jahr 2022 legte die Rate dann noch einmal weiter zu: Im Februar sprang sie nachhaltig über die Marke von 6 Prozent. Hintergrund war die steigende Nachfrage wegen der Erholung von der Corona-Krise, gekoppelt an Lieferkettenprobleme. Später kam dann noch die – im Rahmen der russischen Vorbereitungen für den Überfall auf die Ukraine – künstlich erzeugte Verknappung von Energieprodukten in Europa hinzu.

Benzin und Diesel billiger als vor einem Monat

Doch zurück zum Monat Dezember: Hintergrund des Rückgangs der Preissteigerungsrate im Dezember waren die Energiepreise, schreiben die Statistiker. Verglichen mit dem Vormonat November waren Ölprodukte zuletzt etwa 8,8 Prozent günstiger. Für einen Liter Diesel mussten die Verbraucher im Dezember 11,5 Prozent weniger zahlen als im Monat zuvor. Benzin kostete 12,3 Prozent weniger als im November, Heizöl sogar 18 Prozent weniger.

Bereits im November waren die Preise für Ölprodukte niedriger als im betreffenden Vormonat. In der Folge war die Inflationsrate im Dezember 0,6 Prozent niedriger als im November, als die Preissteigerungsrate bereits 0,2 Prozent unter der vom Vormonat lag.

Verglichen mit dem Vorjahr bleiben die Preise für Ölprodukte aber weiterhin deutlich höher, was auch das weiter hohe Niveau der Preissteigerungsrate erklärt: Im Schnitt kosteten sie im Dezember 15,8 Prozent mehr als im Dezember 2021.

Ebenfalls zu dem leichten Rückgang der Preissteigerungsrate im Dezember beigetragen haben, Statec zufolge, geringere Preise für alkoholische Getränke (wegen Werbeaktionen zum Jahresende), wie auch das Gesetz, das Grundschulkindern, die das Glück haben, einen Platz in beispielsweise einer „Maison relais“ oder einem „Foyer de jour“ zu erhalten, kostengünstigere/kostenlose Leistungen bietet.

Lebensmittelpreise steigen weiter

Unbeirrt weiter steigen derweil die Lebensmittelpreise. Im Vergleich mit dem Vormonat ist es ein deutliches Plus von 0,5 Prozent. Im Vormonat war es nur ein Plus von 0,2 Prozent. Die höchsten Preisanstiege im Monatsvergleich wurden bei frischem Gemüse (plus 5,1 Prozent), frischem Fisch (plus 4,8 Prozent), Babynahrung (plus 2,7 Prozent) und bei Frühstücksflocken (plus 2,2 Prozent) gemessen. Die Preise für frisches Obst, Brot und Schweinefleisch waren im Dezember hingegen leicht günstiger als im Vormonat November.

Im Vergleich mit dem Vorjahr bleiben die Preissteigerungen bei Lebensmitteln derweil überaus heftig. Im Schnitt lagen sie im Dezember 2022 spürbare 11 Prozent höher als im Dezember 2021. Für Brot und Fleisch müssen die Verbraucher fast 12 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Bei Milchprodukten, Eiern und Kaffee beträgt die Preissteigerungsrate mehr als 14 Prozent. 

Wann kommen die nächsten Indextranchen?

Bedingt durch die hohen Preissteigerungen fallen hierzulande automatisch ebenfalls die Indextranchen (automatische Anpassung von Gehältern und Renten an gestiegene Lebenshaltungskosten) schneller hintereinander. Nachdem eine Tranche im Januar 2020 und eine im Oktober 2021 ausgelöst wurde, waren es 2022 bereits zwei Tranchen – eine im April und eine im Juli. Letztere wurde damals jedoch nicht ausbezahlt, sondern gemäß dem ersten umstrittenen „Tripartite-Abkommen“ auf April 2023 verschoben. Als Entschädigung für Gehaltsempfänger gibt es unter anderem einen Energie-Steuerkredit.

Eine weitere Indextranche hätte, den vorletzten Vorhersagen von Statec zufolge, noch vor Ende des Jahres 2022 fallen sollen. Dies wollte die Regierung jedoch verhindern: Mit dem Maßnahmenpaket aus den letzten Tripartite-Verhandlungen sollte die Preissteigerungsrate derart abgebremst werden, dass 2022 keine weitere Tranche mehr kommt. Das Ziel wurde offensichtlich erreicht.

Laut den neuen Prognosen soll die nächste Indextranche im „ersten Quartal des Jahres 2023“ fällig werden. In welchem Monat genau das der Fall sein wird, bleibt aber ungewiss. Theoretisch könnte es im Januar oder im Februar passieren. Sollte es jedoch bis März dauern, dann gäbe es im April gleich einen doppelten Geldsegen: Schließlich soll dann die im Sommer des vergangenen Jahres verschobene Tranche ausgezahlt werden. Dass der Schwellenwert für die Auszahlung einer neuen Indextranche im Dezember 2022 nicht überschritten wurde, hatte das Tageblatt bereits letzte Woche berichtet.

Ob es bei diesen zwei Tranchen bleiben wird, ist abzuwarten: Laut dem wahrscheinlichsten Statec-Szenario könnte im letzten Quartal des Wahljahres 2023 nämlich noch eine zusätzliche dritte Tranche fällig werden. Statec geht davon aus, dass sich die Jahresinflationsrate 2023 auf 3,4 Prozent belaufen wird. Alles deutet derzeit jedenfalls darauf hin, dass der Staat diese den Unternehmen „ersparen wird“ und die anfallenden Kosten selber übernehmen wird. Eine neue Tripartite-Runde dürfte dann einberufen werden.

Danach soll es dann bis ins Jahr 2024 dauern, ehe wieder eine, oder vielleicht auch mehrere Tranchen fällig werden. Dann nämlich, wenn die Sonder-Maßnahmen auslaufen – und die Preise auf einen Schlag nach oben springen.

Preise in Eurozone steigen schneller

Die Inflationsrate in Luxemburg liegt derzeit deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau in der Eurozone: Während sie im Großherzogtum zu Jahresbeginn 2022 stetig höher war als der Durchschnitt der Eurozone, so ist das seit August nicht mehr der Fall. Im Dezember lag die Preissteigerungsrate hierzulande (den harmonisierten Eurostat-Zahlen zufolge, die anders berechnet werden) bei 6,2 Prozent, in der Eurozone jedoch bei deutlich höheren 9,2 Prozent.

Hintergrund dieses Trends sind unter anderem auch die bereits erwähnten politischen Maßnahmen, die die Preissteigerungsrate 2022 gedämpft hatten. So nahm der Staat den Verbrauchern im Mai 2022 beispielsweise die Netzkosten beim Gas ab, was alleine bei der Kostenstelle „Stadtgas“ einen Preisrückgang von fast 20 Prozent verursachte, so ein Statec-Sprecher. Die monatliche Inflationsrate schrumpfte daraufhin von 0,82 Prozent im April auf 0,13 Prozent im Mai.

Ab Oktober wirkte dann der Gaspreisdeckel, der im zweiten Tripartite-Abkommen beschlossen worden war. Obwohl die Regierung ab einem gewissen Gaspreis die restlichen Kosten für den Brennstoff übernahm, stieg der Preis um 13,6 Prozent. Das ist aber wesentlich weniger als die tatsächliche Teuerung beim Gas. „Ohne Deckel wäre der Preis im Oktober wahrscheinlich doppelt so hoch wie im September – also 100 Prozent“, so der Statec-Sprecher. Denn: Ab Oktober traten auch die Preiserhöhungen der Luxemburger Versorger in Kraft. Dadurch, dass der Deckel bis Dezember 2023 gilt, werden bei dieser Kostenstelle keine großen Steigerungen erwartet.

Ab dem ersten Januar 2023 sind nun weitere Maßnahmen, wie etwa die zeitlich begrenzte Herabsetzung des Mehrwertsteuersatzes um einen Prozentpunkt, in Kraft getreten. Wie sich dies auf die nationale Preissteigerungsrate auswirkt, wird in einem Monat zu erfahren sein. (cm/sen)

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Julius
12. Januar 2023 - 11.26

Anstatt dieses Indexgetue sollte
die Politik sich intelligentere
Ideen einfallen lassen, anstatt
konzeptlos herum zu basteln,
aber wer hat den kompetenten
Mut dies zu tun. Bis jetzt war
es nur noch leeres Versprechen
und Getue.

Grober J-P.
12. Januar 2023 - 10.20

War gestern wieder im Supermarkt, Sch .... Kassiererin war unbeugsam, hatte wiederum kein Mitleid. Wenigstens waren meine Lieblingskekse um 14% reduziert.

Romain
11. Januar 2023 - 15.21

Und wenn der Index kommt, bekommen die Gutverdienender mehr Geld aus die Wenigverdiener. Das nennt sich Gerechtigkeit. Mein Vorschlag; beim nächsten Einkauf den Lohnzettel vorlegen, darauf den Kassenbon berechnen.

Grober J-P.
11. Januar 2023 - 9.57

Kaufe wahrscheinlich falsch ein. Ende 2021 kostete mich so ein Warenkörbchen 146 €, letzte Woche, bis auf 2 kleine Artikel, genau das gleiche Körbchen bei 192 €. Diese Woche werde ich mal ein Wörtchen mit der Kassierin reden.

jean-pierre.goelff
10. Januar 2023 - 18.05

...eng Fro:weï heescht diën groussen Fuddeler?

Grober J-P.
10. Januar 2023 - 13.57

Habe es kommen sehen, Bananen um 50% teurer pro kg, seit letzter Woche.

charles.hild
10. Januar 2023 - 12.56

Alles wird merklich teurer, aber der Index fällt noch nicht. Überall, beim Gottesdienst, im Supermarkt, beim Konzert usw husten und schnüffeln alle wie wild. Aber es heisst, die Covid und Grippewelle sind vorbei. Warum, warum wird der normale Mensch ständig von der Behörde für dumm verkauft?