Bericht

Nichts gelernt? Xavier Bettel interveniert nach neuerlicher Entlassung am Hof

Am großherzoglichen Hof gibt es offenbar keine tiefere Einsicht in die Notwendigkeit einer besseren Kooperation mit der Regierung – trotz anderslautender Signale in der Vergangenheit. Diese ernüchternde Erkenntnis ergibt sich aus einem aktuellen Bericht des Online-Magazins reporter.lu.

Ob sich das Verhältnis zwischen Xavier Bettel (links) und Großherzog Henri verbessert hat?

Ob sich das Verhältnis zwischen Xavier Bettel (links) und Großherzog Henri verbessert hat? Archivbild: Editpress/Julien Garroy

Dem Artikel vom Dienstag zufolge wurde Michel Heintz, dem Kabinettschef des Hofes, die Stelle gekündigt – wegen eines irreparablen „Vertrauensbruchs“ und nur wenige Tage vor dem 1. Juni, an dem die neue Hofmarschallin Yuriko Backes ihr Amt angetreten hat. Und wieder habe der Hof gehandelt, in diesem Fall über zwei „Sonderberater“, ohne sich darüber mit irgendwem außerhalb des Palastes abzustimmen.

Nach der ausgesprochenen Entlassung habe dann allerdings Premierminister Xavier Bettel beim Großherzog interveniert und ihn gedrängt, die Entlassung rückgängig zu machen – erfolgreich. Der Reporter-Bericht stützt sich auf eine ungenannte „Quelle, die mit dem Inhalt des Gesprächs vertraut“ sei.

Affront statt Konsens

Ein möglicher, weil naheliegender Grund für die versuchte Entlassung laut Reporter: Die mutmaßlich wichtige Rolle, die der Kabinettschef bei der Lostretung des Reformprozesses gespielt hat. Es gelte als wahrscheinlich, dass Heintz zusammen mit dem ehemaligen Hofmarschall Lucien Weiler die Regierung wegen der problematischen Politik hinter den Palastmauern alarmiert habe.

Wo immer die tieferen Motive für die versuchte Entlassung gelegen haben mögen: Der gesamte Vorgang lässt insofern tief blicken, da eben die undurchsichtige und mutmaßlich eher rücksichtslose Personalpolitik am Hof ein entscheidender Auslöser für die umwälzenden Ereignisse der vergangenen Monate war – wobei die Erstellung des Waringo-Reports und die Einsetzung der neuen Hofmarschallin nur vorläufige Höhepunkte sein sollten.

Dass grundsätzlich eine kooperative Abstimmung mit der Regierung nötig ist, besonders bei hochrangigen Personalfragen, sollte jedenfalls längst Konsens sein. Die jetzt berichteten Vorgänge wären aber eher der Beweis des Gegenteils – und geradezu ein Affront gegenüber der Regierung und der neuen Hofmarschallin.

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