„Escher Déierepark“„Medical trainings“ und Chipstüten im Waschbärgehege: Was es bedeutet, Tierpfleger zu sein

„Escher Déierepark“ / „Medical trainings“ und Chipstüten im Waschbärgehege: Was es bedeutet, Tierpfleger zu sein
Bei der Fütterung ist Vorsicht geboten Foto: Nancy Lambert

Was bedeutet es eigentlich, Tierpfleger zu sein? Und was sollte man bei der Fütterung beachten? Als Zuständige des „Déierepark“ in Esch kennt sich Anne Meyers mit den 25 dort lebenden Tierarten aus – und will den Besuchern hinsichtlich des Futters eine wichtige Botschaft mit auf den Weg geben.

Wer in Luxemburg über den Besuch eines Tierparks nachdenkt, dem dürfte der „Déierepark“ auf dem Escher „Gaalgebierg“ in den Sinn kommen. Auf zwei Hektar können die Besucher unter anderem Rehe, Ziegen, Waschbären und Vögel entdecken. Bis zu vier Tierpfleger kümmern sich um die 100 Parkbewohner. Von der Fütterung über die grundlegende medizinische Versorgung bis hin zum Ausmisten der Ställe werden sie vielseitig beansprucht. „Im ‚Déierepark‘ ist niemand ein qualifizierter Tierpfleger“, präzisiert Meyers. „Das sind alles Gemeindearbeiter, die polyvalent in ihrer Arbeit sind.“ Dementsprechend kümmern sie sich unter anderem auch um die Sauberkeit des Parks, Wurmkuren der Tiere sowie um Führungen für Schulklassen und Privatleute. „Ihnen wird viel abverlangt, da sie in verschiedenen Bereichen Bescheid wissen müssen“, sagt Meyers.

Anne Meyers ist für den Tierpark in Esch zuständig
Anne Meyers ist für den Tierpark in Esch zuständig Foto: Emile Hengen

Die Arbeit beginnt bereits am frühen Morgen. Unter Einhaltung eines Futterplans bereiten die Tierpfleger nicht nur Körner und Gemüse vor, sondern überprüfen bei der Fütterung auch, ob alle Tiere anwesend und gesund sind. Um den Pflegern die Überprüfung des Gesundheitszustandes zu erleichtern, absolvieren die Tiere ein sogenanntes „medical training“. Dabei werden ihnen bestimmte Gewohnheiten antrainiert.

Beispiel: Die Waschbären sind es gewohnt, eine Station zu besuchen, wo sie medizinisch untersucht werden. „Wenn ein Waschbär beispielsweise eine Ohrentzündung hat, macht es uns das viel einfacher, ihm eine Creme aufzutragen, ohne dass er dabei furchtbar gestresst ist und jedes Mal eine Narkose dafür erhalten muss“, erklärt Meyers. Das „Training“ der Ziegen bestehe dagegen darin, ihnen ein Halsband mit einer Schnur anzulegen und mit ihnen eine Runde durch den Park zu spazieren. „Damit gewöhnen wir sie daran, sich von A nach B zu bewegen und die Gehege zu wechseln, ohne dass das mit Stress verbunden ist“, sagt Meyers.

Heu statt Hamburger

Zu einer angemessenen Tierpflege gehört auch das richtige Futter. Neben Körnern und Gemüse erhalten die Tiere frisches Heu. „Heu wird ganzjährig in jedem Gehege verteilt“, erklärt Meyers. Zudem wird den Besuchern gepresstes Heu zur Verfügung gestellt, das sie an die Tiere verfüttern können. Dennoch komme es immer wieder vor, dass die Tiere krank werden. „Manche Besucher denken, sie müssten Dinge mitbringen, die wirklich nicht gesund sind“, bedauert Meyers. „Bei den Waschbären finden wir regelmäßig Chipstüten, Hamburger und alles Mögliche.“ Andere würden dagegen weiches Baguette mitbringen, was bei einem Großteil der Tiere zum Tod führen könnte. „Die Leute denken oft, dass sie die Einzigen sind, die Brot mitbringen“, meint Meyers, „Wenn das aber alle tun, dann wird das schnell zu einem gesundheitlichen Problem.“

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