USA

Kanzler Merz bei Präsident Trump im Oval Office

Treffen mit US-Präsident Trump im Oval Office sind unberechenbar. Das bekamen zuletzt mehrere ausländische Gäste zu spüren. Der neue Kanzler bekommt dagegen eine überraschend herzliche Behandlung. Unsere Korrespondentin war mit im Oval Office. Das sind ihre Eindrücke.

Nun hat auch der neue deutsche Kanzler Friedrich Merz ein Treffen mit Donald Trump im Oval Office überstanden

Nun hat auch der neue deutsche Kanzler Friedrich Merz ein Treffen mit Donald Trump im Oval Office überstanden Foto: AFP/Brendan Smialowski

Friedrich Merz hat lange gegrübelt, was man dem US-Präsidenten Donald Trump als Gastgeschenk aus Deutschland mitbringt. Originell und persönlich sollte es sein. Schließlich sind es zwei goldgerahmte Urkunden geworden. Die eine ist ein Abbild der originalen Geburtsurkunde des Großvaters von Donald J. Trump, der in Kallstadt, Rheinland-Pfalz, geboren wurde. Die andere zeigt eine ähnlich gestaltete Übersetzung ins Englische.

Merz lag offenbar richtig, das Mitbringsel kommt bei Trump gut an. Denn der Besuch im Oval Office, die Premiere, verläuft für den deutschen Kanzler sehr gut. Der unberechenbare US-Präsident nennt den deutschen Kanzler seinen Freund, seinen Verbündeten. Er verprellt den Gast aus Deutschland mit keinem Satz, keiner Handbewegung. Der deutsche Kanzler und der US-Präsident, das scheint zu passen. Zumindest erst mal.

Ich bin mit niemandem befreundet

Donald Trump

US-Präsident, spricht einmal wahre Worte

Dem CDU-Regierungschef gelingt es, während des 45 Minuten dauernden Pressetermins im Oval Office eine gleichbleibende Miene aufrechtzuerhalten. Manchmal lächelt er, bewahrt stets die Contenance. Der deutsche CDU-Regierungschef ist zu Scherzen aufgelegt, aber er macht seine Punkte auch sehr klar. „Deutschland steht an der Seite der Ukraine“ und „wir müssen diesen Krieg beenden, und der amerikanische Präsident ist in der Lage, das zu tun“, sagt er. Und er wird deutlicher: Merz bezeichnet Trump als „Schlüsselfigur“ für eine Friedenslösung in der Ukraine und ruft ihn auf, „mehr Druck“ auf Russland auszuüben. Trump geht hier zwar nicht direkt auf Merz ein, sagt aber auf die Frage nach neuen US-Sanktionen gegen Russland, er werde „sehr, sehr hart“ zu Russland wie zur Ukraine sein, wenn die Kämpfe nicht aufhörten. Zwar nutzt der amerikanische Präsident den Hauptteil der Zeit, um sich und seine Regierungsarbeit zu preisen. Merz hört interessiert zu, lacht auch das ein oder andere Mal zustimmend. Für einen kurzen Moment fragt man sich, ob der US-Präsident den Gast aus Deutschland einzulullen vermag. Aber Merz bleibt wachsam und versäumt es nicht, deutsche Punkte zu setzen, in denen man gar nicht so nahe an Trump dran ist. Diesen Balanceakt zwischen Höflichkeit, Nähe und kritischer Distanz ist Merz an diesem Tag im Weißen Haus gelungen.

Und dann kommt es zu einer bemerkenswerten Szene: Trump geht auf Vorwürfe ein, er sei Kremlchef Wladimir Putin zugewandt. „Ich bin mit niemandem befreundet“, sagt Trump. Dann wendet er sich mit einer Geste an Merz und fügt hinzu: „Wir sind befreundet.“

Trump lobt das Vorgehen Deutschland gegen die irreguläre Migration, „die Frau“ habe das nicht so durchgesetzt wie Merz und hat dabei Altkanzlerin Angela Merkel im Hinterkopf. Merz lacht, da trifft der US-Präsident auch bei ihm einen Punkt, dem er zustimmt. Aber er sagt auch nichts weiter dazu.

Akribisch auf Besuch vorbereitet

Das Oval Office ist kein großer Raum, es ist warm, die Kameras laufen und die Fragen prasseln auf die beiden Staatenlenker ein. Doch zu keiner Zeit wird die Stimmung unangenehm, es werden Fragen der amerikanischen und der deutschen Journalisten beantwortet. Der Secret Service hält sich im Hintergrund, Bilder vom Schreibtisch des amerikanischen Präsidenten sind allerdings nicht erlaubt.

Nach dem Termin schließt sich ein Mittagessen von Merz und Trump an, in dem auch Fragen wie die Zölle angesprochen werden.

Merz hat sich auf diesen Besuch einerseits akribisch vorbereitet, auf der anderen Seite vertraute er seiner Intuition und auf das, was er als Geschäftsmann international gelernt hat. Es hat gepasst. Trump lobt sein Englisch, ist immer wieder zu Scherzen aufgelegt.

In Washington blickte man schon im Vorfeld wohlwollend auf die neue deutsche Regierung. Die finanzielle Aufrüstung der Deutschen, was die Verteidigung angeht, kommt in den USA gut an. Die grundsätzliche Skepsis des deutschen Regierungschefs beim Thema Migration gefällt dem Mann im Weißen Haus. Altersmäßig ist man zwar knapp zehn Jahre auseinander (Merz ist 69, Trump 78 Jahre alt). Aber beiden Männern ist die Familie heilig, auch wenn das Familienleben des deutschen Kanzlers weitaus weniger spektakulär ist als das von Trump. Doch das Thema Kinder und Enkel – das eint sie privat.

Weitere Treffen stehen an

Die von Trump zum Teil bereits verhängten, zum Teil angekündigten Zölle sind neben der Ukraine das schwierigste Thema. Hier ist Merz sehr realistisch: Trump davon abzubringen, wird schwierig bis unmöglich sein. Der Amerikaner ist nahezu besessen davon, seine eigene Wirtschaft zu beschützen. In Europa wird jedoch sehr genau registriert, dass die US-Wirtschaft und die US-Banken anfangen zu warnen. Dennoch: Man denkt mittlerweile in der EU viel darüber nach, wie man reagiert – weniger, wie man es noch vermeiden kann. Aber, wer weiß das alles schon so genau.

Merz hat in den vergangenen Tagen viel telefoniert, sich persönlich abgestimmt: mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte, mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Und Merz ist froh über ein offenbar belastbares Verhältnis, das SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil zum amerikanischen Finanzminister aufgebaut hat.

Denn auch wenn er es vor dem Besuch abtut: Merz wird in Washington als die Person in Europa angesehen, die einen auch für Trump erfolgreichen NATO-Gipfel Ende Juni in den Niederlanden mitorganisieren kann. Nach dem Besuch im Oval Office kann das als sicher gelten. Merz wird der Trump-Versteher in Europa, zumindest für die nächste Zeit, sein.

Merz wird nur etwa 17 Stunden in der US-Hauptstadt sein. Im Juni werden sich Merz und Trump aber noch zweimal wiedersehen: beim G7-Gipfel Mitte Juni in Kanada und beim NATO-Gipfel Ende des Monats im niederländischen Den Haag. Es könnten gute Treffen werden.

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