Südeifel

Kanu-Tourismus auf der Sauer soll bald noch stärker eingeschränkt werden

Naturschützer freuen sich, Touristiker toben: Die deutsche und die luxemburgische Umweltbehörde wollen das Kanufahren auf der Sauer von März bis Mitte Juni verbieten. Zudem soll der Fluss bei niedrigem Pegel künftig tabu sein. Aber wieso?

Kanufahrer (Symbolfoto) sollen auf der Sauer bald ausgebremst werden

Kanufahrer (Symbolfoto) sollen auf der Sauer bald ausgebremst werden Foto: Pixabay

Das Sauerufer ist für Angler Robert Lacaf fast ein zweites Wohnzimmer. Schon lange angelt der Wallendorfer am Grenzfluss, kennt das Gewässer und seine Bewohner genau. Lacaf bemerkt daher auch, wenn sich etwas verändert unter der Oberfläche. „Um zu sehen, dass sich der Zustand der Sauer verschlechtert hat“, sagt der Sportfischer: „brauche ich keine grüne Brille. Das ist offensichtlich.“

Die für den Eifeler auffälligste Entwicklung ist der Verlust der Arten. Forellen, Rotaugen, Eschen und Brassen hingen immer seltener an seiner Rute, sagt Lacaf. Und das, obwohl gerade diese Fische auf luxemburgischer Seite zu Tausenden eingesetzt werden. Insgesamt habe die Population der Wassertiere massiv abgenommen. Aber auch die Pflanzenwelt sei nicht mehr so vielfältig, wie sie Eifeler aus Kindertagen kennen.

So ist etwa der flutende Hahnenfuß fast völlig verschwunden. In gesunden Bächen bildet dieses Gewächs blühend-weiße Teppiche auf dem Wasser. Und somit einen gedeckten Tisch für Libellen und Wasserflöhe. Auf der Sauer allerdings ist vom „Läb“, wie man hier an der luxemburgischen Grenze sagt, kaum mehr übrig als ein paar grüne Halme, die auf der Oberfläche treiben.

Jahrelange Klagen

Das alles sei sicher nicht nur die Schuld der Kanufahrer. Doch der massive touristische Verkehr auf der Sauer trage sicherlich seinen Teil zu den Veränderungen des Ökosystems bei, meint Lacaf. Und mit dieser Meinung steht der Wallendorfer nicht alleine da. Denn seit Jahren beklagen Naturschützer die Belastung des Flusses durch den Wassersport.

Vor allem in den warmen Monaten fährt täglich eine ganze Flotte Kanadier und Kayaks über die Sauer. Wer an einem heiteren Sommertag etwa von der Bollendorfer Grenzbrücke hinunterschaut, zählt schon mal ein Dutzend Boote pro Minute. Am Tag sind es Hunderte, übers Jahr mehrere Tausend, die offenbar besonders bei Niedrigwasser großen Schaden anrichten. Oft ohne es zu merken, wühlen sie mit den Paddeln Kiesbänke auf, sodass Pflanzen keinen Halt mehr finden und Fischgelege zerstört werden.

Doch damit könnte schon sehr bald Schluss sein. Denn die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord und das luxemburgische Ministerium für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung haben sich auf neue Befahrregeln für das Gewässer geeinigt. Und die sehen vor, dem Fluss von März bis Mitte Juni, also in der Laichzeit vieler Fische, eine Schonzeit vor den Kanuten einzuräumen. Und das Befahren der Sauer zwischen Wallendorf und Wasserbillig zudem bei einem Pegelstand unter 60 Zentimeter zu verbieten. Bei Zuwiderhandlungen drohen bis zu 50.000 Euro Bußgeld.

Bestehende Einschränkungen in Luxemburg

Es wäre ein enormer Schritt. Denn bisher hatten die Verleiher auf deutschem Boden und Wasser weitestgehend freie Hand. Im Großherzogtum gelten zwar schon länger Beschränkungen. Auch derzeit dürfen die Luxemburger nur zwischen dem 1. Oktober und 15. Juli Boote vom Stapel lassen. Im Sommer und Herbst lassen die europäischen Nachbarn allerdings ihre Kanus einfach vom gegenüberliegenden Ufer aus zu Wasser. Ein Dilemma, das die SGD-Nord seit Jahren mit den angrenzenden Behörden zu lösen versucht.

Der Bitburg-Prümer Kreisfischereiberater Herbert Schneider begrüßt es daher, dass endlich „eine Verordnung gefunden wurde, die mehr Rücksicht auf das Gewässer und die dort lebenden Tiere nimmt“. Und auch der Wallendorfer Fischer Lacaf hält eine Begrenzung des Kanubetriebs für sinnvoll, vor allem bei Niedrigwasser: Es müsse etwas getan werden, bevor die Lage im Fluss kippt.

Beschlossene Sache ist die neue Verordnung allerdings noch nicht. Vorher will die SGD-Nord Behörden, Verbänden, Bürgern und Betrieben die Chance geben, Einwände zu erheben. Das Anhörungsverfahren soll bis 15. Oktober laufen.

Und der Widerstand steht schon jetzt ins Haus, etwa von der Trierer Industrie- und Handelskammer. Denn wirtschaftliche Interessen, heißt es dort, seien bei den Plänen offenbar gar nicht berücksichtigt worden. Diese seien aber schwerwiegend.

„Zehntausende Übernachtungen in Gefahr“

Durch die Verordnung, argumentiert Tourismusreferentin Hanna de Braak, würden der strukturschwachen Gegend mehrere Zehntausend Übernachtungen abhandenkommen. Erhebliche Einbrüche seien nicht nur bei Bootsverleihern zu erwarten, sondern auch bei Campingplatzbetreibern, Hoteliers und Einzelhändlern. Denn gerade die Möglichkeit des Kanufahrens mache die Sauerregion ja bei vielen Gästen so attraktiv. „Allein den Verleihern würde ein Drittel ihres Jahresumsatzes wegfallen“, schätzt de Braak: „Aber auch bei den Campingplätzen und Hotels geht es möglicherweise um Existenzen.“

Insbesondere das Verbot des Kanufahrens bei einem zu niedrigen Pegelstand stößt in Trier auf Kritik. „Der Wasserstand kann sich täglich ändern, wie sollen die Verleiher da im Voraus Buchungen für Kanufahrten entgegennehmen?“, fragt sich nicht nur die Fremdenverkehrsexpertin. Ein Fahrverbot im Frühjahr, zur Laichzeit der Fische, sei vielleicht noch zu verkraften. Aber die Pegelregelung könne vielen Betrieben das Genick brechen.

Ganz so dramatisch bewerten die Ortsbürgermeister der umliegenden Gemeinden die Lage hingegen nicht. „Klar ist das Kanufahren ein tolles Angebot für Besucher“, sagt Dieter Herschbach, Dorfchef von Wallendorf, der auch selbst schon entlang der Sauer gepaddelt ist.

Der starke Verkehr sei aber eben auch „ein zweischneidiges Schwert“, weil der Fluss darunter leide. Und daher sehe er die angedachte Regelung eher positiv: „Es werden vielleicht weniger Touristen kommen. Aber wir werden eine attraktive Fremdenverkehrsregion bleiben.“

Gerhard Krämer, Ortsbürgermeister von Echternacherbrück, spricht sich noch deutlicher für die Pläne aus: „Ich habe nichts dagegen, wenn hier keine Kanus mehr fahren würden.“ Im Gegenteil: Er wäre sogar froh darüber, weil Umweltschäden immer offensichtlicher würden. Und an große Einbrüche beim Tourismus glaube er auch nicht: „Wir haben in der Nähe den Dinopark, die Teufelsschlucht und schöne Radwege.“ Krämer ist sich daher sicher: Besucher werden die Sauer weiterhin ansteuern, mit oder ohne Kanu.

Dieser Artikel erschien zuerst im Trierischen Volksfreund.

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