Pädagogischer Bauernhof in Crauthem

Der Schallihaff bringt Kindern den Umgang mit Tieren und Natur näher

Der pädagogische Bauernhof Schallihaff in Crauthem vermittelt Wissen, Verantwortung und praktische Erfahrungen abseits von Klassenzimmer und Bildschirm. Ein Konzept, das in einer digitalisierten Welt immer wichtiger wird.

 Carole Schalbar-Hipp bringt Kindern die Welt des Bauernhofs ein Stückchen näher

Carole Schalbar-Hipp bringt Kindern die Welt des Bauernhofs ein Stückchen näher Foto: Editpress/Julien Garroy

Auf dem „Schallihaff“ in Crauthem begegnen Kinder und Jugendliche Tieren, der Natur und nicht zuletzt sich selbst – auf eine Weise, die in einer zunehmend digitalisierten Welt selten geworden ist. Carole Schalbar-Hipp, Leiterin des pädagogischen Bauernhofs in der Gemeinde Roeser, begrüßt ihre Gäste mit einem festen Händedruck. Zwei Hunde umkreisen dabei neugierig ihre Beine und sorgen sofort für eine ungezwungene Atmosphäre.

Obwohl es den Verein hinter dem pädagogischen Bauernhof erst seit knapp fünf Jahren gibt, ist der Schallihaff selbst schon deutlich länger ein fester Bestandteil des Dorfzentrums. „Meinen Schwiegereltern gehört der Bauernhof“, erzählt Schalbar-Hipp. „Den Betrieb haben sie jedoch bereits in den 1990er-Jahren weitgehend eingestellt. Danach hielten sie nur noch ein paar Hühner und Schafe – und dann kam ich mit meinen Pferden“, fügt sie lachend hinzu.

Die Besuche von Schulklassen und Freunden der eigenen Kinder weckten in der ausgebildeten Lehrerin den Wunsch, das Leben und Lernen auf dem Bauernhof auch anderen Kindern näherzubringen. Sie ließ sich zur Bauernhofpädagogin weiterbilden – und legte damit den Grundstein für das heutige Konzept des Schallihaffs.

Person hält vorsichtig Küken am Schallihaff, entspannte Atmosphäre ohne Berührungsängste am Naturstandort

Berührungsängste braucht man auf dem Schallihaff nicht zu haben. Dann kann man auch ein paar Minuten die Kücken in den Händen halten. Foto: Editpress/Julien Garroy

Eine freundliche Ponyhof-Atmosphäre

„Wir bieten verschiedene Ateliers, Kurse und Aktivitäten an – je nach Interesse und Alter. Dazu kommen Besuche von Schulklassen“, sagt die Pädagogin. Zentral sei dabei vor allem die Interaktion mit den Tieren, die auf dem Hof leben. Der Hof ist vergleichsweise klein, kein großer landwirtschaftlicher Betrieb. Dennoch herrscht reges Leben: Pferde, Ponys, Mini-Pferde, Esel und Hühner bewegen sich frei zwischen zwei Ställen und einem Trockenauslauf. Zwei Wiesen bieten bei gutem Wetter zusätzliche Weidefläche. Die Kühe waren zum Zeitpunkt des Besuchs auf einer etwas abgelegenen Wiese untergebracht.

Viel größer werden soll der Betrieb nicht. „Ich möchte die ursprüngliche Atmosphäre eines kleinen Bauernhofs erhalten – eines Hofes, der vor allem dazu diente, die eigenen Bedürfnisse zu decken“, sagt Schalbar-Hipp. In ihren Augen sei es wichtig, solche Strukturen zu bewahren: „Das hat hier fast schon etwas von einem lebendigen Museum.“ Zudem stemmen sie, ihre Familie und ein kleines Team von Helferinnen und Helfern den pädagogischen Betrieb neben ihren Hauptberufen. „Wenn ich das hier hauptberuflich machen würde, müsste ich deutlich mehr Tiere halten. Das will ich nicht“, sagt Schalbar-Hipp. Kleine Betriebe wie der Schallihaff seien heute kaum noch rentabel.

Berührungsängste kennen die Tiere hier nicht – im Gegenteil: Sie lassen sich geduldig streicheln und wirken auffallend gelassen. „Die Tiere sind alle sehr entspannt. Mir ist es wichtig, für die Menschen, die uns besuchen, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen“, erklärt Schalbar-Hipp.

Etwas abseits stehen die sechs Schafe mit zwei kleinen Lämmern namens „Nuckel“ und „Flecki“. Eine Bank lädt zum Verweilen ein. Schalbar-Hipp hebt eines der Lämmer vorsichtig auf den Schoß. „Für viele, die hierherkommen, ist das der erste direkte Kontakt mit Tieren. Manche müssen sich erst überwinden, überhaupt auf sie zuzugehen und sie zu berühren.“ Ziel sei es auch, grundlegendes Wissen zu vermitteln: Wo kommen Eier her? Was fressen Pferde und Esel? Wie pflegt man ein Tier?

Pferde verschiedener Größen grasen am Ufer des Schallihaffs bei klarem Himmel und natürlicher Landschaft

Pferde finden sich auf dem Schallihaff in verschiedenen Größen Foto: Editpress/Julien Garroy

Lebenslektionen von den Tieren

„Man kann viel von den Tieren lernen – einen gesunden Menschenverstand, sage ich immer. Aber natürlich auch Geduld und Empathie. Die Schafe kommen erst zu uns, wenn wir ruhig sind. Wer Fluchttieren wie ihnen mit zu viel Energie begegnet, vertreibt sie.“ Die Zeit auf dem Hof sei deshalb für viele auch eine beruhigende Erfahrung.

Für viele Kinder ist der Bauernhof heute kein selbstverständlicher Ort mehr. „Sie kennen ihn vielleicht noch aus Büchern oder vom Tablet – aber selten aus eigener Erfahrung.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Aussage eines Kindes, das überzeugt war, aus Eiern komme Milch.

Schockierte Henne neben Glas mit milchähnlicher Flüssigkeit aus Eiern als ungewöhnliche Ei-Alternative

Milch aus Eiern? Da sieht sogar die Henne geschockt aus. Foto: Editpress/Julien Garroy

Ein Vormittag mit einer Schulklasse vergeht schnell. Regelmäßige Besucherinnen und Besucher werden jedoch zunehmend in den Alltag des Hofs eingebunden: Sie helfen beim Ausmisten der Ställe, versorgen die Tiere und übernehmen Verantwortung. Bei älteren Kindern entstehen dabei auch weiterführende Fragen: „Was passiert mit kranken Tieren? Was bedeutet eine Kastration? Und was geschieht, wenn ein Tier stirbt?“

Was ein Bauernhof einem Kind vermitteln kann, weiß die Lehrerin aus eigener Erfahrung. „Einen Bauern gab es in meiner Familie nicht. Aber ich konnte bei einem Nachbarn auf dem Hof mithelfen und habe dort unheimlich viel gelernt. Und es hat mir große Freude bereitet.“ Diese besondere Atmosphäre möchte sie nun weitergeben – in einer Welt, die sich immer schneller verändert und zunehmend digital wird. „Das hier ist etwas Reales. Etwas zum Anfassen.“

„Man lernt hier etwas fürs Leben – und es tut den Kindern einfach gut.“ In der Begegnung mit den Tieren entstehe auch Raum, um eigene Gefühle und Erfahrungen zu verarbeiten. „Tiere berühren Menschen auf eine ganz besondere Art.“

„Was wir hier bieten, wird manchmal von außen belächelt“, sagt Schalbar-Hipp. „Als wäre das hier nur ein Streichelhof. Aber es ist viel mehr.“ Kinder würden heute immer weniger Zeit in der Natur verbringen. „Hier lernen sie Werte und Selbstvertrauen, die sie auch in anderen Lebensbereichen brauchen.“

Rustikale Bauernhof-Innenausstattung im Westernstil mit Holzmöbeln und Vintage-Dekoration für ländliches Ambiente
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Im Inneren erinnert die Einrichtung des Bauernhofs ein wenig an den Wilden Westen

© Foto: Editpress/Julien Garroy

Neugierige Lämmer knabbern spielerisch an einem Holzstab auf grüner Wiese im Frühling
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Die Lämmer sind noch sehr neugierig, da muss alles mal angeknabbert werden

© Foto: Editpress/Julien Garroy

Hühner bewegen sich frei zwischen Stall und Außenbereich auf einem artgerechten Bauernhof
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Die Tiere können sich zwischen Stall und Außenbereich frei bewegen

© Foto: Editpress/Julien Garroy

Gefiederte Tiere wie Hühner und Enten auf dem Bauernhof von Carole Schalbar-Hipp bei sonnigem Wetter
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Auch einige gefiederte Tiere sind auf dem Bauernhof von Carole Schalbar-Hipp unterwegs

© Foto: Editpress/Julien Garroy

Pädagogische Bauernhöfe in Luxemburg

In Luxemburg sind zahlreiche Betriebe im Bereich der Bauernhofpädagogik aktiv. Die Vereinigung der pädagogischen Bauernhöfe bündelt dieses Angebot landesweit. Laut ihrer Webseite fermepedagogique.lu beteiligen sich derzeit 33 landwirtschaftliche Betriebe, vier Gartenbaubetriebe sowie zwei Weinbaubetriebe.

Interessierte finden online eine Übersicht aller teilnehmenden Höfe, inklusive einer interaktiven Karte. Dort sind auch weiterführende Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten zu den einzelnen Betrieben verfügbar.

Karte
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