Luxemburg

Ist das Staatsexamen zu schwer? Rund 50 Prozent aller Bewerber fallen durch die erste Runde

Die allgemeine Eignungsprüfung ist ein großes Hindernis auf dem Weg zum Staatsbeamten-Dasein. Rund 50 Prozent aller Teilnehmer fallen durch. Auch auf kommunaler Ebene verursacht die Prüfung Probleme.

Rund 40 Prozent aller Teilnehmer schaffen den Test zum abstrakten Denken nicht

Rund 40 Prozent aller Teilnehmer schaffen den Test zum abstrakten Denken nicht Symbolfoto: Pixabay

Die Gemeinden in Luxemburg finden keine neuen Mitarbeiter, klagt Claude Reuter von der „Fédération générale de la Fonction communale“. Das liege unter anderem am Test zum abstrakten Denken der allgemeinen Eignungsprüfung des Staatsexamens, die Gemeindebeamten-Anwärter auch absolvieren müssen. Diesem Problem wollen Gusty Graas und Fernand Etgen (beide DP) in ihrer parlamentarischen Frage auf die Spur gehen.

Eine Antwort erhalten die beiden Abgeordneten vom Minister für öffentlichen Dienst, Serge Wilmes, und vom Minister für Inneres, Léon Gloden (beide CSV) in Form einer Tabelle – und die Zahlen sprechen für sich. Von den insgesamt 8.792 Bewerber Teilnehmern im Jahr 2024 sind rund 50 Prozent in der ersten Runde durchgefallen. Den Test für abstraktes Denken bestehen rund 40 Prozent der Teilnehmer nicht.

Die Ergebnisse des allgemeinen Eignungstests in den verschiedenen Besoldungsgruppen im Jahr 2024

Die Ergebnisse des allgemeinen Eignungstests in den verschiedenen Besoldungsgruppen im Jahr 2024 Grafik: Ministère des Affaires intérieures

Das Staatsexamen besteht in Luxemburg aus zwei Teilen: einer allgemeinen Eignungsprüfung und einer speziellen Prüfung, die auf die jeweilige Stelle zugeschnitten ist. Die allgemeine Prüfung besteht zur Hälfte aus einem Test zum abstrakten Denken – der Rest ist aufgeteilt zwischen einer E-Mail-Prüfung sowie Tests zum verbalen und numerischen Denken.

Vereinfachte Prozedur für Kommunalbeamte

Die Minister verteidigen die starke Gewichtung: „Tests zum abstrakten Denken gelten als gute Prädiktoren für die berufliche Leistung, da sie übertragbare Kompetenzen wie Anpassungsfähigkeit, Problemlösungsfähigkeit oder kognitive Flexibilität bewerten.“ Studien würden zeigen, dass Personen, die gut im abstrakten Denken sind, oft besser in komplexen Arbeitsumgebungen oder in Rollen abschneiden, die kritisches Denken erfordern.

Dennoch gibt es Pläne, die Tests zu überarbeiten. Es werde derzeit ein Vorentwurf für ein Gesetz fertiggestellt, schreiben die Minister. Es sollen neue Tests im allgemeinen Eignungstest eingeführt werden – die je nach Besoldungsgruppe unterschiedlich sind. Je nach Gruppe werden dann zwischen fünf und sieben verschiedene Tests durchgeführt, die alle gleichgewichtet werden.

Auch für die Bewerber auf einen Job als Kommunalbeamter soll sich etwas ändern: Sie sollen nicht mehr die allgemeine Eignungsprüfung absolvieren müssen. Denn ein Vergleich zwischen den Ergebnissen in der allgemeinen Eignungsprüfung und der Zulassungsprüfung für den Gemeindedienst habe gezeigt, dass Erstere kaum mehr Informationen über das Kompetenzprofil der Bewerber liefert als zweitere. So soll der „Weg für Bewerber, die sich um eine Stelle im kommunalen öffentlichen Dienst bewerben möchten, vereinfacht und beschleunigt werden“, schreiben die Minister.

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