LuxemburgEltern alarmiert: „In der Waldorfschule ist die Maskenpflicht de facto aufgehoben“

Luxemburg / Eltern alarmiert: „In der Waldorfschule ist die Maskenpflicht de facto aufgehoben“
Es ist nicht das erste Mal, dass die Waldorfschule in Luxemburg wegen der Nicht-Einhaltung der Maskenpflicht in der Kritik steht. Die Schule dementiert die Vorwürfe. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

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Nicht nur seit der „Rentrée“ wurde die Maskenpflicht an der Waldorfschule in Luxemburg laut Tageblatt-Informationen de facto aufgehoben. Praktisch niemand halte sich mehr daran, sagen Eltern. Die Schule dementiert das. Zudem hat die Waldorfschule keine Teststrategie und die vom Bildungsministerium ins Leben gerufene Impfkampagne ignoriert die Privatschule völlig.

Bereits im April stand die Luxemburger Waldorfschule in den Schlagzeilen. Damals argumentierte die Schule, dass sie die vom Bildungsministerium geforderte Maskenpflicht nur als Empfehlung betrachte, da eine Privatschule nicht dazu verpflichtet sei, diese einzuhalten. Tatsächlich sah das Gesetz dies damals auch so vor. Kurz danach wurde allerdings die Maskenpflicht ins neu gestimmte Covid-Gesetz integriert und bekam fortan verpflichtenden Charakter, auch für Privatschulen. Die Schule zeigte sich einsichtig, zumindest offiziell, und wies die Eltern in einem Brief auf das neue Gesetz hin.

Dennoch sei, so Tageblatt-Informationen, die Maske nach der Einführung des neuen Gesetzes nur von schätzungsweise 60 Prozent der Schüler- und Lehrerschaft getragen worden. Seit der „Rentrée“ sei die Maskenpflicht in der Waldorfschule de facto abgeschafft, obwohl es den Eltern und Lehrern eigentlich klar sein müsste, was die aktuellen Covid-Regelungen besagen. Denn zum Schulanfang hat die Waldorfschule ein Rundschreiben verschickt, in dem die neuen Covid-Maßnahmen im Detail erläutert wurden. Auch die neuen Maßnahmen zur Maskenpflicht.

Wir können Ihnen versichern, dass die Waldorfschule die im Gesetz verankerte Maskenpflicht ernst nimmt und respektiert

Michael Schulz, Vereinspräsident Waldorfschule

Das Bildungsministerium teilt dem Tageblatt auf Nachfrage mit: „Wir haben mit der Waldorfschule Rücksprache genommen. Sie hat uns gegenüber versichert, dass die Maskenpflicht in ihrer Schule appliziert wird.“ Das Tageblatt hat auch bei der Waldorfschule nachgefragt. Vereinspräsident Michael Schulz schreibt: „Wir können Ihnen versichern, dass die Waldorfschule die im Gesetz verankerte Maskenpflicht ernst nimmt und respektiert. Schüler, Lehrer und Elternschaft wurden dementsprechend informiert.“ Die seit April 2021 nicht vorhandenen Covid-Fälle in der Schule würden den respektvollen Umgang der Waldorfschule mit den vorgeschriebenen Maßnahmen zeigen.

Aus zwei verschiedenen und voneinander unabhängigen Quellen hat das Tageblatt allerdings erfahren, dass die Maskenpflicht, trotz Verankerung im Gesetz seit Frühjahr 2021, im Schulalltag kaum angewandt wird.

Verantwortung für Tests an Eltern „übertragen“ 

Cluster wurden bislang noch keine dort gemeldet. Dies könne allerdings auch daran liegen, dass in der Schule kaum getestet wird. Denn eine Teststrategie verfolgt die Waldorfschule nicht. Im Rundschreiben zur „Rentrée“ steht lediglich, dass Testkits im Sekretariat bereitliegen würden für jene, die sich testen lassen wollen. Es wurde zudem auch keine Einverständniserklärung zum Testen im Rahmen der „Rentrée“ an die Eltern ausgehändigt. In anderen Schulen wird das Testen zweimal pro Woche von der Schule aus organisiert und die Schüler können sich in der Klasse einem Schnelltest unterziehen. In der Waldorfschule ist dies so nicht vorgesehen.

Als die Schnelltests im Mai zum ersten Mal in den Schulen eingeführt wurden, war die Waldorfschule ähnlich vorgegangen. Jene, die sich testen lassen wollten, mussten dies einen Tag vorher anmelden und am Tag des Tests vor acht Uhr im Sekretariat vorstellig werden. In einem Brief an die Eltern, der dem Tageblatt vorliegt, heißt es: „Die Mitglieder unseres Leitungsgremiums und unserer internen Covid-Managementgruppe haben beschlossen, Ihnen diese Verantwortung zu übertragen, was bedeutet, dass Ihnen in der Schule ein Bereich für diesen Zweck zur Verfügung gestellt wird.“ Den Test mussten die minderjährigen Schüler demnach in Begleitung ihrer Eltern in einem dafür vorgesehenen Bereich durchführen. Weiter heißt es in dem Brief: „[…] es liegt in Ihrer [Eltern] Verantwortung, das Protokoll für die Meldung positiver Tests an die Behörden zu befolgen.“

Impfskeptiker und Maskenverweigerer fühlen sich immer wohler in dieser Schule

Elternteil

Wenn das Testen so aufwendig ist, dann wird sich wohl kaum jemand darum bemühen, dies zu tun, so ein Elternteil gegenüber dem Tageblatt. Aber vielleicht sei ja gerade dies damit beabsichtigt, so die Vermutung. „Die Schule nimmt also in Kauf, dass das Virus frei und unkontrolliert in der Einrichtung zirkulieren kann.“ Die Eltern, die weder mit der Quasi-Aufhebung der Maskenpflicht noch mit der nicht vorhandenen Teststrategie einverstanden sind, trauen sich nicht mehr, wie damals im April, etwas dagegen zu unternehmen. Denn der letzte Brief, den die Eltern in Bezug auf die Maskenpflicht im April in Umlauf gebracht hatten, habe eine destruktive Dynamik gegen diese Eltern ausgelöst. Ein Elternteil sagt gegenüber unserer Zeitung: „Impfskeptiker und Maskenverweigerer fühlen sich immer wohler in dieser Schule.“

Privatschulen müssen weder testen noch impfen

Die Waldorfschule sieht das mit der Teststrategie ein wenig anders. Dem Tageblatt schreibt der Vereinspräsident: „Die Waldorfschule hat sehr wohl eine Teststrategie. Die Schule stellt den Schülern Testkits sowie einen Raum zur Verfügung, in dem sie auf Wunsch sogar täglich Schnelltests durchführen können.“

Zur Teilnahme an den Schnelltests sind Privatschulen nicht verpflichtet

Bildungsministerium

Tatsächlich hat das von der Regierung vorgesehene Testen an zwei Tagen in der Woche keinen verpflichtenden Charakter für Privatschulen. „Zur Teilnahme an den Schnelltests sind Privatschulen nicht verpflichtet“, so das Bildungsministerium auf Tageblatt-Nachfrage. Es handele sich lediglich um ein Angebot, das der Staat diesen Schulen mache. „Die Privatschulen sind verantwortlich für die Hygiene und die Sicherheit ihrer Gebäude; sie können, müssen aber nicht, diese Angebote annehmen.“ Laut Bildungsministerium bieten die Privatschulen die Schnelltests allerdings an. 

Unsere Schule ist der Ansicht, dass diese Angelegenheit [staatliche Impfkampagne] medizinischer und privater Natur ist

Brief der Waldorfschule an die Eltern

Bei der vom Ministerium lancierten Impfkampagne, die vom 18. bis zum 29. Oktober stattfand und an sämtliche Lyzeen des Landes gerichtet war, hat die Waldorfschule nicht mitgemacht. In einem Brief an die Eltern, der dem Tageblatt vorliegt, heißt es: „Unsere Schule ist der Ansicht, dass diese Angelegenheit [staatliche Impfkampagne] medizinischer und privater Natur ist. Sollten Sie die Unterlagen über die Kampagne einsehen wollen, so können Sie dies im Sekretariat tun.“

Impfen ist laut Schule eine private Angelegenheit

Laut Tageblatt-Informationen haben Eltern beim Sekretariat nachgefragt, ob man ihnen die Informationen über die Impfkampagne per E-Mail schicken könne. – Dies sei nicht möglich, da alles nur in Papierform im Sekretariat zugänglich sei, hieß es. Auch hier bestätigt das Bildungsministerium, dass es das gute Recht einer Privatschule sei, nicht an der Impfkampagne teilzunehmen. Die öffentlichen Schulen seien hingegen per „Instruction ministérielle“ dazu verpflichtet, sowohl an der Testung als auch an der Impfkampagne teilzunehmen. Die Privatschulen, außer der Waldorfschule, haben alle bei der Kampagne mitgemacht, versichert das Bildungsministerium. Nur eine Privatschule stehe noch aus. Diese werde nach den Allerheiligenferien dran sein.

Vereinspräsident Michael Schulz schreibt: „Die Waldorfschule hat die Eltern sehr wohl über die staatliche Impfkampagne informiert und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Schule die Impfung grundsätzlich als eine private und medizinische Angelegenheit betrachtet. Zudem sieht sich die Schule nicht in der Kompetenz, eine medizinische sowie persönliche Entscheidung der betroffenen Schüler mitentscheiden zu können. Alle Informationen über die Impfkampagne wurden den Eltern selbstverständlich im Sekretariat bereitgestellt.“

Am 18. September fand ein Event im sogenannten „Scouten-Heim“ auf dem Limpertsberg statt. Das Event wurde von der Waldorfschule organisiert und es waren laut der Schule 134 Leute anwesend. Tageblatt-Informationen zufolge habe fast niemand eine Maske getragen, die Abstände wurden nicht eingehalten und am Eingang habe auch niemand Covid-Zertifikate geprüft. War das Event überhaupt im Covid-Check angemeldet?

Die Waldorfschule zeigt sich überrascht über solche Behauptungen

Michael Schulz, Vereinspräsident Waldorfschule

Gegenüber dem Bildungsministerium versicherte die Waldorfschule, die Covid-Regeln seien eingehalten worden. Dazu zählen u.a. das Covid-Check-Regime, Schnelltests vor Ort, die Maskenpflicht. Dem Tageblatt schreibt Vereinspräsident Michael Schulz: „Die Waldorfschule zeigt sich überrascht über solche Behauptungen. Die Waldorfschule hatte sich klar dafür entschieden, das Event nicht unter dem Covid-Check-Regime stattfinden zu lassen, sondern auf die zweite vom Gesetz vorgesehene Option zurückzugreifen. Es herrschte demnach für alle Teilnehmer während der ganzen Veranstaltung strikte Maskenpflicht.“ Zwei Eltern, die dies nicht befolgten, wurden verwarnt und trugen daraufhin ebenfalls Masken, so Schulz. „Die einzige Ausnahme war die Klassenlehrerin beim Vortragen – was ihr laut Gesetz erlaubt war – sowie die Kinder der 1. Klasse beim Foto auf der Bühne, und dies nur für einen kurzen Augenblick.“ Zudem seien die Abstandsregeln streng eingehalten worden und nur Personen, die zum gleichen Haushalt gehörten, durften zusammensitzen. Die Hände seien desinfiziert und der Raum gelüftet worden.

Fraien Denker
30. Oktober 2021 - 20.54

Es ist gut, richtig und wichtig, dass es noch wenigstens eine Schule gibt, in welcher noch Menschenrechte, Wertevermittlung, Freies Denken, Freude am Lernen und noch sehr viel mehr Positives vermittelt wird besteht. Ja mitten in der Stadt, damit auch hoffentlich Blinde wieder sehen können wie schön Leben ist. Für alle Menschen die nicht so denken, stellt euch die Frage wieso gehen eure Kinder in die Waldorfschule??? Da wäre eine staatliche Schule angemessener!!! Menschen welche nichts von der Waldorfpädagogik verstehen, kein Interesse daran haben, oder keine Ahnung davon haben sollten sich besser um ihre Angelegenheiten kümmern!!! Es lebe der FREIE GEIST

J.C. Kemp-Steiner
30. Oktober 2021 - 9.07

Nun singt ein Lied und malt ein Bild dazu! Ringelreihen, tralala!

Einsicht
29. Oktober 2021 - 19.11

Wie weit sind wir gekommen, dass Eltern die Schule diffamieren, die sie für ihre Kinder sorgfältig ausgewählt haben, weil sie den staatlichen Schulen nicht vertrauen.

Val
29. Oktober 2021 - 14.27

Das kann nur ein Witz sein, dass die Waldorfschule damit durchkommt. Jeder Eierdieb gesteht ja auch nur, wenn er mit den Fingern im Nest erwischt wird. Warum sollten sie also irgendetwas zugeben? Muss man sich wirklich so eine Corona-Brutstätte mitten in der Stadt gefallen lassen? Ein Großteil der Schüler fährt mit öffentlichen Bussen nach Hause, wo sie dann bestimmt nicht anfangen, sich an alle Regeln zu halten. Warum auch? Wenn von Schule und Eltern (außer wenigen Ausnahmen) doch etwas gänzlich anderes vorgelebt wird. Kann hier niemand schlicht und ergreifend einfach mal so eine Schulveranstaltung spontan kontrollieren? Ich weiß durch Freunde, dass bereits im letzten Jahr, mitten in der dritten Welle, ein Veranstaltung stattfand, bei der sich mitnichten an irgendwelche Regeln gehalten wurde. Einem Schüler, der die Maske verweigerte (als noch Maskenpflicht bestand) wurde von einem Lehrer versichert, es sei ja seine private Entscheidung. Protestierende Mitschüler fanden kein Gehör. Privatschule hin oder her. Die Waldorfschule steht nicht auf einer Insel, sondern ist mitten unter uns. Und wenn sie nicht in der Lage ist ihre soziale Verantwortung zu übernehmen, muss sie geschlossen werden.

Markus Heil
29. Oktober 2021 - 13.58

Richtig so...Der ganze quatsch mit Masken und Tests bringt eh nix...

zahlen
29. Oktober 2021 - 13.23

Die Realität war ja auch noch nie bis dahin vorgedrungen.

Sam
29. Oktober 2021 - 13.02

Wären die Erbschaften kleiner, würde sich die CGFP bestimmt auch mal wieder um die Gehälter kümmern.

Risikopatient
29. Oktober 2021 - 12.04

Selwer schold wa si hir kids dohinn ginn..