Luxemburg-Stadt
Ein eigenes Zuhause für Obdachlose: Gemeinde plant „Housing First“-Projekt in Hollerich
Menschen ohne eigenes Dach über dem Kopf ein dauerhaftes Zuhause geben – das ist das Ziel eines sogenannten „Housing First“-Projektes, das die Stadt Luxemburg aktuell plant. In einem Neubau in Hollerich sollen elf Wohneinheiten entstehen.
Das Haus Nummer 66 in der Hollericher rue Baudouin wird abgerissen, um zusammen mit der angrenzenden Wiese Platz für Wohnungen für obdachlose Menschen zu schaffen Foto: Editpress/Julien Garroy
In der rue Badouin in Hollerich will die Gemeinde im Gebäude 66 ein sogenanntes „Housing First“-Projekt umsetzen. Dieses zielt laut einem Begleitdokument zur Gemeinderatssitzung von Montag darauf ab, „obdachlosen Menschen Wohnraum zu bieten, um ihre soziale und berufliche Wiedereingliederung zu fördern“. In der Ratssitzung zum Wochenbeginn erklärte Sozialschöffin Corinne Cahen (DP): „Das wird ein Zuhause für die Leute, die dort leben. Das ist nicht wie bei anderen Programmen, wo jemandem nur zeitlich begrenzt eine Wohnung zur Verfügung gestellt wird.“
Das gemeinsam mit dem „Comité national de Défense sociale“ (CNDS) ausgearbeitete Projekt entsteht auf zwei Parzellen, von denen eine aktuell noch bebaut ist: Das Haus wird allerdings abgerissen, um einem neuen Wohngebäude mit elf Einheiten Platz zu machen. Im Erdgeschoss wird es ein Empfangsbüro mit einem Sitzungsraum geben. Denn eine Betreuung wird die Einwohnerinnen und Einwohner auf ihrem Weg begleiten. Corinne Cahen erklärte: „Manche werden ihr Leben lang eine Nachbetreuung brauchen, andere werden ganz schnell alleine klarkommen. Beides ist bei diesem Projekt möglich.“
Im Parterre entsteht zudem eine erste Wohneinheit für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Auch auf den Stockwerken 1 bis 3 wird es jeweils eine Einheit für Personen mit eingeschränkter Mobilität geben. Dort werden jeweils drei Wohneinheiten mit einer Fläche zwischen 26 und 36 m2 geschaffen. Alle Studios umfassen ein Bett, ein Duschbad, eine Kochnische, ein Wohnzimmer sowie eine durch Kletterpflanzen begrünte Loggia. Dank eines Bewässerungssystems wird ausreichend Wasser für die Kletterpflanzen zur Verfügung stehen, sodass sich die Bewohnerinnen und Bewohner nicht darum kümmern müssen.
4,2 Millionen Euro geplante Kosten
Im Dachgeschoss ist eine 70 m2 große Einheit mit zwei separaten Schlafzimmern und einer Terrasse geplant. Diese Wohnung ist ebenfalls für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Alle Stockwerke werden durch ein Treppenhaus und einen zentralen Aufzug zugänglich sein. Im Keller des sechsstöckigen Gebäudes wird es individuelle Kellerabteile, eine gemeinsam genutzte Waschküche sowie Technikräume geben. Für die Umsetzung des Projektes sind aktuell 4,2 Millionen Euro veranschlagt.
Von den Rätinnen und Räten der DP und CSV, aber auch von der Opposition gab es durchweg Lob für das Projekt. Unter anderem Oppositionsmitglied Christa Brömmel („déi gréng“) begrüßte das Projekt. Sie wies allerdings darauf hin: „Das Gebäude liegt nicht direkt im Hotspot, aber auch nicht allzu weit davon entfernt.“ Die Rätin erinnerte daran, dass es kein guter Weg sei, alle Einrichtungen im Bereich der Unterstützung von Obdachlosen an einem Ort zu konzentrieren: „Es ist nicht gut, wenn Menschen in schwierigen Situationen in einem Hotspot ihr Zuhause finden.“
Auch Oppositionspolitikerin Marie-Marthe Muller (LSAP) freute sich über die Pläne der Stadt, sagte allerdings: „Angesichts der dringend benötigten Housing-First-Projekte hätten wir begrüßt, wenn das Projekt nicht erst 2028 fertig werden würde – am liebsten wäre es bereits vorgestern umgesetzt worden. Denn es werden viele solcher Projekte benötigt.“ Der Beginn der Bauarbeiten ist für Mai 2026 geplant, die Räumlichkeiten sollen knapp zwei Jahre später im April 2028 fertig sein. Laut Cahen soll das Vorhaben nicht das letzte dieser Art sein: „Wir haben Ideen und haben über andere Orte geredet. Aber eins nach dem anderen.“
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