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Unser Rivaner auf dem Prüfstand: So erhalten Luxemburger Weine das AOP-Siegel

Die „Appellation d‘origine protégée“ (AOP) ist ein Qualitätssiegel, das auf den allermeisten luxemburgischen Weinen und Crémants zu finden ist. Auch unser Rivaner stellte sich der Verkostungskommission. Ein Blick hinter die Kulissen.

Kommissionsmitglieder bewerten Weinproben nach Geruch, Geschmack und Gesamteindruck bei Weinverkostung

Die Kommissionsmitglieder bewerten die Weine auf Geruch, Geschmack und Gesamteindruck Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Der 25er-Jahrgang kündigt sich so langsam an. Auch unser Rivaner soll demnächst abgefüllt und in den Verkauf kommen. Inzwischen steht fest, dass zwei verschiedene Cuvées auf den Markt gebracht werden: ein Verschnitt aus Holzfass- und Edelstahlausbau sowie eine sehr limitierte Cuvée aus im Dolium ausgebautem Rivaner.

Bevor der Wein jedoch in den Verkauf geht, benötigt er noch das Qualitätssiegel der „Appellation d’origine protégée“ (AOP). Zwar gelte die AOP heute nicht mehr als das große Verkaufsargument, dennoch biete sie eine gewisse Sicherheit hinsichtlich der Weinqualität, betonen mehrere Winzer.

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Unser Rivaner auf dem Prüfstand: So erhalten Luxemburger Weine das AOP-Siegel

Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Am 29. April stellen wir ab 18.00 Uhr im Kulturzentrum Machera in Grevenmacher unseren Rivaner vor. Beginnen werden wir mit einer kleinen Vorstellung unseres Projektes und einem kurzen Rundtischgespräch mit Weinbauministerin Martine Hansen (CSV) sowie den Winzern Corinne Kox, Michèle Mannes und Bob Molling. Anschließend gibt es dann den Tageblatt-Rivaner zu verkosten und die Möglichkeit, den Wein zu bestellen. Anmelden können Sie sich über diesen Link.

Um die AOP-Auszeichnung zu erhalten, muss der Wein zunächst im Labor des „Institut viti-vinicole“ (IVV) analysiert und anschließend von einer Verkostungskommission bewertet werden. Kein in Luxemburg produzierter Wein mit AOP-Siegel kommt an dieser Kommission vorbei. „Eigentlich geben die Winzer alle ihre Weine in die AOP. Vereinzelt kommt es vor, dass sehr spezielle Weine, die sich nicht wirklich kategorisieren lassen, nicht durch die AOP gehen“, erklärt Paul Thill, Weinkontrolleur und Chef de service AOP beim IVV in Remich. In dieser Funktion vertritt er den Staat in der Verkostungskommission und führt auch deren Vorsitz.

Die Kommission besteht aus sieben Mitgliedern: zwei Vertreter der Domaines Vinsmoselle, ein Vertreter der Privatwinzer, einer aus dem Weinhandel, einer aus dem Horeca-Sektor sowie ein Vertreter des Konsumentenschutzes. Jedes Mitglied verfügt zudem über zwei Stellvertreter. „In der Hochsaison verkosten wir dreimal pro Woche, das ist entsprechend zeitintensiv“, sagt Thill.

12 von 20

Bei unserem Besuch standen 18 Weine und zehn Crémants auf dem Programm. Die Kommissionsmitglieder wissen nicht, von welchen Winzern die Proben stammen. In der Küche neben dem Verkostungssaal bereiten Mitarbeiter des IVV die Weine vor. Jedes Mitglied erhält ein Tablett mit sechs nummerierten Gläsern. Auf den Begleitblättern stehen lediglich die Rebsorte sowie Angaben zum Ausbau.

Ein Rivaner war an diesem Tag nicht dabei, sodass unsere Anwesenheit keinen Einfluss auf die Bewertung unseres eigenen Weins hatte.

Sobald die ersten Proben eingeschenkt sind, wird es still im Saal. Schnell wird deutlich, dass es sich nicht um eine Weinverkostung im klassischen Sinne handelt. Der Wein wird konsequent ausgespuckt, zu hören ist lediglich das Spülen im Mund, um den Abgang zu beurteilen. „Es geht nicht darum, ob ein Wein persönlich gefällt, sondern ob beim Ausbau Fehler passiert sind. Diese gilt es herauszuschmecken“, so Thill.

Weinkontrolleur Paul Thill leitet konzentriert die Verkostungskommission bei einer Weinprobe

Weinkontrolleur Paul Thill präsidiert die Verkostungskommission Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Es handelt sich somit um eine technisch orientierte Verkostung, bei der etwa übermäßige oder unzureichende Reduktivität oder Oxidation erkannt werden sollen. Ganz exakt ist diese Beurteilung naturgemäß nicht: Je nach Tagesform werden Fehler unterschiedlich schnell wahrgenommen. Winzer und Kellermeister gelten automatisch als geeignet für die Kommission. Mitglieder aus anderen Berufsfeldern müssen zuvor eine Sensorik-Schulung absolvieren.

Je nach Jahrgang variieren auch die Bewertungsschwerpunkte der Kommission. „2023 waren die Rebstöcke stark von Pilzerkrankungen betroffen. Deshalb haben wir unsere Mitglieder vor den ersten Verkostungen dafür sensibilisiert und klare Richtlinien festgelegt, ab wann ein Wein aufgrund von Pilznoten durchfällt – wohl wissend, dass dies vielen Konsumenten vermutlich nicht aufgefallen wäre. Aber bei der AOP geht es um Qualitätssicherung“, erklärt Thill.

Nachdem die ersten sechs Weine verkostet wurden und die Mitglieder ihre Bewertung abgegeben haben, wird noch kurz über Auffälligkeiten diskutiert, bevor es mit den nächsten sechs Weinen weitergeht.

Für das AOP-Siegel muss ein Wein von mindestens fünf der sieben Kommissionsmitglieder mit mindestens 12 von 20 Punkten bewertet werden. Kriterien sind Geruch, Geschmack und Gesamteindruck. An diesem Tag erfüllten alle 18 Weine und zehn Crémants die Anforderungen. Der Anteil der Weine, die keine zwölf Punkte erhalten, schätzt Thill auf rund fünf Prozent. „Die Winzer haben jedoch die Möglichkeit, ihre Weine erneut zur Verkostung einzureichen“, sagt er. Oft werden zuvor noch kleinere Anpassungen vorgenommen, bevor der Wein endgültig abgefüllt wird.

„Fruchteg floral Nues“

Personen verkosten Wein blind, um Weingut unvoreingenommen zu bewerten, Weinprobe ohne Herkunftsinformationen

Die Mitglieder wissen nicht, von welchem Weingut die Weine stammen, um eine objektive Bewertung zu gewährleisten Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Da ein Wein mehrmals vorgelegt werden kann und die Verkostung blind erfolgt, wissen die Kommissionsmitglieder nicht, wie viele Weine letztlich definitiv durchfallen.

Unser Rivaner – zumindest der Verschnitt aus Edelstahltank und Holzfass, die zweite Cuvée sollte demnächst drankommen – hat den ersten Durchgang mit einer Note von 13,7 bestanden. Laut unserer Mentorin Corinne Kox ist das „tipptopp“ für einen Rivaner.

Weinkontrolleur Paul Thill präsidierte die Kommission an diesem Tag nicht. Da jedoch noch eine Flasche beim IVV verblieben war, verkostete er den Wein im Nachhinein für uns. Hier das Fazit des Experten: „En huet eng fruchteg floral Nues, erënnert u Mango a Waassermeloun mat liichte Sauvignonsnouten. Am Mond fanne mer Pampelmousse a Kréischelen, déi en angeneem herb am Ofgang gi loossen, wat em an engems säi sëffege Charakter gëtt. E flotte Rivaner mat engem dezent exoteschen Touch.“

Wer sich selbst von diesem süffigen und exotischen Rivaner überzeugen möchte, hat am 29. April Gelegenheit dazu: Im Kulturzentrum Machera in Grevenmacher feiert der Wein seine offizielle Premiere. Anmeldungen sind noch möglich, einige Plätze verfügbar.

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