Coronavirus
Diekircher Pfarrer missachtet Verbot und feiert Freiluft-Messen
Obschon das Bistum der katholischen Kirche Luxemburgs alle Geistlichen am 23. März erneut schriftlich dazu aufgerufen hat, aufgrund der bestehenden sanitären Krise keine Gottesdienste mehr abzuhalten, zelebriert Pfarrer Muller aus Diekirch seit Donnerstag täglich eine Messe, und zwar auf dem Platz vor der Dekanatskirche. Es tun sich eine Menge Fragen auf.
Seit Donnerstag wird vor der Dekanatskirche in Diekirch eine Messe abgehalten Foto: Roger Infalt
„Bleift doheem!“ Wie oft hat man diesen Satz in den vergangenen drei Wochen gehört? Und trotzdem kann man ihn nicht oft genug wiederholen. Denn es gibt Mitmenschen, die es sofort kapiert hatten, andere brauchten etwas länger, doch es gibt auch immer noch solche, in deren grauer Masse dieser Satz keinen Platz zu finden scheint. Partys, ausgiebige Feiern, ob mit Freunden oder Bekannten, sollen, glaubt man etwa den ausliefernden Pizzabäckern, noch immer stattfinden.
Dabei müsste doch spätestens heute jedem klar sein, dass Ansammlungen von Menschen in diesen Zeiten schwerwiegende, ja lebensgefährliche Folgen haben können. Ob der „curé modérateur“ aus Diekirch unter Informationsmangel oder etwa unter Entzugserscheinungen leidet, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.
Nur eines ist sicher: Trotz der erst am 23. März erneuerten Aufforderung durch das Bistum, in der es unter anderem heißt, dass das Abhalten von Messen strikt untersagt sei, inszeniert Pfarrer Fränz Muller aus Diekirch seit vergangenen Donnerstag täglich einen Gottesdienst.
„Hutt dir eppes dergéint?“
Er tut dies nicht etwa in der Kirche, sondern auf dem öffentlichen Gemeindeplatz vor dem Gotteshaus auf der „Kluuster“. Täglich schleppen er und seine Gehilfen ein großes, schweres Kreuz auf die Eingangstreppe, dazu kommen ein Sockel, auf dem die Monstranz Platz findet, eine meterhohe Muttergottesfigur, usw. usf. Auf unsere „gewagte“ Frage, was denn hier vonstattengeht, meinte eine der gestern auf dem Kirchenvorplatz anwesenden Personen kurz und bündig: „Eisen Här hält eng Mass. Hutt dir eppes dergéint?“ Was soll man darauf antworten?
„Nein“, wir respektieren eines jeden Glauben oder „Ja“, denn in diesen Zeiten ist es mit Sicherheit das falsche Signal, wenn sich ein Mitbürger, in diesem Fall ein sogenannter Diener des Herrn, über alle Regeln und Bestimmungen hinwegsetzt, das dann auch noch auf Video und Fotos festhalten lässt, um es seinem Fußvolk zu zeigen. Darüber hinaus sollten sich die Anwesenden auf dem Kirchenvorplatz auch die Frage stellen, ob sie sich aufgrund der bestehenden Ausgangsbestimmungen nicht etwa strafbar machen.
„Es bedarf zudem einer Genehmigung“
„Hier besteht Klärungsbedarf“, so der Diekircher Bürgermeister Claude Haagen gestern auf unsere Anfrage hin. „Abgesehen davon, dass keine Messen abgehalten werden dürfen, möchte ich klarstellen, dass der Pfarrer keine Genehmigung für sein ‚Wirken’ auf dem öffentlichen Gemeindeplatz hat. Wenn der Geistliche gerne eine Messe über Videokonferenz mit seinen Gläubigen feiern will, dann soll er die allein im Innern der Kirche zelebrieren und nicht auf einem öffentlichen Platz und dazu noch mit Zaungästen. Im Moment, bei dem herrlichen Wetter, haben wir als Bürgermeister, und da spreche ich sicherlich für alle meine Amtskollegen, unsere große Mühe, Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Die Aktion des Pfarrers auf dem Kirchenvorplatz, gleich neben einer unserer Hauptverkehrsadern und einem großen Parkplatz, hilft uns in dieser Hinsicht sicherlich nicht. Ich werde ihm dies auch in den nächsten Stunden so mitteilen.“