Vëlosummer 2020

Die Route A im Praxistest: Ein absolutes Highlight mit kleinen Wermutstropfen

Am Samstag fiel der Startschuss zum „Vëlosummer 2020“. Den hatte Mobilitätsminister François Bausch („déi gréng“) zusammen mit seinem für den Tourismus zuständigen Regierungskollegen Lex Delles (DP) ausgerufen, um dem offensichtlichen Radboom während der Coronazeiten gerecht zu werden. Aus 16 geplanten Strecken blieben sechs Routen übrig, die das Tageblatt im Praxistest unter die Lupe nimmt. Den Auftakt macht der „VëloViaNorden“ (Route A).     

Fazit der Route A des „Vëlosummer 2020“: Tolle Strecke durch das Ösling

Fazit der Route A des „Vëlosummer 2020“: Tolle Strecke durch das Ösling

In diesem Sommer verirren sich dem Vernehmen nach sogar verstärkt Minetter ins Ösling, „Vakanz doheem“ macht es möglich. Jedenfalls war am Samstag der Zug in Richtung Norden voll besetzt mit Radfahrern. Die CFL hatte verstärkt Fahrrad-Abteile eingesetzt und die wurden auch benötigt. 

Die Route A des „Vëlosummer 2020“ verläuft zwischen Ulflingen und Wilwerwiltz und misst offiziellen Angaben zufolge 36 km. Sie ist an zwei Wochenenden im August (noch am 15./16.) für den Autoverkehr gesperrt.

Unser Zielpunkt sollte Ulflingen sein, denn dort war der Mittagstisch reserviert. Aus dem Zug ging es aber schon in Ettelbrück, um die Strecke zu verlängern und, wenn man schon im Ösling ist, etwas Bergtraining in der Gegend um Bourscheid zu absolvieren. Der „VëloViaNorden“ begann demnach in Wilwerwiltz mit einigen Kilometern und Höhenmetern in den Beinen. Was nicht weiter schlimm war, denn die Strecke bis nach Ulflingen verläuft zwar gefühlt stetig bergauf (420 positive Höhenmeter), jedoch nur sehr leicht, sodass jeder Radler sie bewältigen kann. In der anderen Richtung, also mit Start in Ulflingen und Ziel in Wilwerwiltz, sind die 36 km aber sicherlich angenehmer, da es lediglich die ersten rund 10 km etwas bergauf geht und man insgesamt mehr als 100 Höhenmeter weniger als in der Gegenrichtung zu bewältigen hat.

Start in Wilwerwiltz

Am Startpunkt in Wilwerwiltz ist gleich zu erkennen, dass hier etwas Besonderes stattfindet. Der „VëloViaNord“ ist ausgeflaggt, Anlieger-frei-Schilder kündigen die Sperrung der Straße nach Clerf frühzeitig an. Es geht in Richtung Enscheringen, wo gleich der erste (und einzige) echte Gefahrenpunkt der Strecke wartet: der Bahnübergang, am Samstag durch den morgendlichen Regen auch noch besonders rutschig und für einige Stürze verantwortlich. Ansonsten ist es ein Genuss, auf der frisch asphaltierten Strecke an Drauffelt vorbei Clerf zu erreichen.

Hier aber zeigt sich bei Kilometer 10 die Schwäche des „Vëlosummer 2020“: Es fehlt eine kohärente Beschilderung der Strecken. Wer einen Radcomputer besitzt, der sollte sich die Strecke unbedingt vor der Fahrt auf www.velosummer.lu herunterladen. Die ortsunkundigen Radfahrer aus dem Minett jedenfalls hatten das nicht getan und so wurde aus einer eigentlich 36 km langen Strecke schlussendlich eine 40-km-Fahrt. In Clerf standen zwar Wegweiser, doch gleich der erste schickte so manchen Radfahrer am Camping und Fußballplatz vorbei in eine Sackgasse. Immerhin aber entschädigten der Blick auf das Schloss und die Pfarrkirche für den Umweg. Später sollte in Weiswampach ein weiterer Umweg hinzukommen, bergauf diesmal. Dort fehlten die Wegweiser gänzlich, wie auch in anderen Ortschaften. Schade, dass man in den zuständigen Ministerien nicht daran dachte, eine dezente Beschilderung im Stile von Cyclosportive-Veranstaltungen an den sechs Routen des „Vëlosummer“ anzubringen, die Radfahrer hätte es sicher gefreut. Zu spät ist es hierfür noch nicht.

Martin und Ine aus Holland mit ihrem nachgerüsteten Tandem
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Martin und Ine aus Holland mit ihrem nachgerüsteten Tandem
An der Vennbahn
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An der Vennbahn
Natur pur im Ösling
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Natur pur im Ösling
Clerf
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Clerf
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Unsere Tour geht weiter in Richtung Weiswampach. Die Straße am Rande von Wald und Fluss ist wie versprochen gesperrt, nur ganz wenige Autos sind unterwegs. Meist sind Touristen auf dem Weg zum Campingplatz entlang der Strecke. Ansonsten unzählige Radfahrer. Was sonst Usus ist, das Grüßen entgegenkommender Radsportler, wird zur fast schon lästigen Dauerbeschäftigung. Es geht rauf zu den Seen im Naturpark Our. Und es ist Zeit für einen dummen Witz, denn hier sind nicht nur viele Touristen aus Holland, hier riecht es auch nach Holland. Wir fahren an einer mächtigen Hanfplantage vorbei. Drogenpflanzen werden aber nicht angebaut, vielmehr THC-arme Hanfsorten, die zum Ourdaller Hanföl verarbeitet werden.

Wenig später ist der nördlichste Punkt der Strecke bei Kilometer 30 erreicht. Es geht auf die Vennbahn, einen Radweg von Aachen bis nach Ulflingen. Es fehlt erneut eine korrekte Beschilderung, aber es ist nicht mehr weit. Hier sind auch Martin und Ine unterwegs. Das radbegeisterte Ehepaar aus Nord-Brabant macht schon seit 27 Jahren Ferien im Ösling, erzählt Martin. Seit Ine Probleme mit dem Herzen hat, sind sie auf ein Tandemrad umgestiegen. Und da es ein solches Gespann nicht mit Elektroantrieb gibt, hat Martin es für rund 1.000 Euro nachrüsten lassen. Der Akku sieht ein wenig aus wie eine Gasflasche. Funktioniert perfekt. Vom „Vëlosummer 2020“ hat das Rentnerpaar aus den Niederlanden nichts mitbekommen, am Sonntag aber wollen sie bis nach Walferdingen radeln. 

40 Kilometer zeigt der Radcomputer an, als der Bahnhof von Ulflingen erreicht ist. Fazit: Es war das erwartete Highlight zum Auftakt. Eine tolle Strecke mit einem Wermutstropfen, der fehlenden Beschilderung. Dennoch ein guter Grund für einen samstäglichen Ausflug vom Minett ins Ösling. Wiederholung möglich am Wochenende vom 15./16. August. 

Die Route A

Das Plus:
+ Tolle Landschaft
+ Perfekter Fahrbelag
+ Freie Fahrt (außer in Ortschaften kein Autoverkehr)
Das Minus:
– Keine Beschilderung
– Gefährlicher Bahnübergang in Enscheringen
Das Fazit:
Empfehlenswert für Radfahrer jeden Alters und jeden Trainingszustand

Die Route A im Praxistest: Ein absolutes Highlight mit kleinen Wermutstropfen

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