Theater
David Lynch auf Wish bestellt: Claire Thills Apoplexie scheitert am Handwerk
Mysteriöse Tonbandaufnahmen, eine stürmische Nacht und eine verlassene Motel-Lobby – Claire Thills „Apoplexie“ greift gekonnt Elemente des Mystery-Genres auf. Doch wo die Atmosphäre überzeugt, fehlt es dem Text an Klarheit und Tiefe. Was als spannende Reise beginnt, endet in einem labyrinthischen Rätsel, das leider zu viel unaufgelöst lässt.
Hörspiel auf der Theaterbühne: „Apoplexie“ von Claire Thill Foto: Bohumil Kostorhyz
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich das Wort „Hörspiel“ höre, dann klingt das wie ein Blubbern im Kessel der Erinnerungen: Drei-Fragezeichen-Kassetten im Rekorder unter der Bettdecke, so leise gedreht, dass Mama es nicht hört. Deutschunterricht in der neunten Klasse, irgendwas mit Dürrenmatt. Und dann vielleicht noch Deutschlandfunk Kultur. Ein wohliges Wälzen im akustischen Nostalgiestaub des 20. Jahrhunderts. Da sich die Kulturindustrie seit 2000 ganz im Sinne des Zeitgeists auf das Re- und Upcycling des Vergangenen besinnt, weil Avantgarde sich nicht verkauft und eine Vorstellung von Zukunft jenseits der Apokalypse nicht mehr existiert, erleben Hörspiele gerade ein Revival – gerade die drei Fragezeichen füllen als Live-Hörspiele in Deutschland mittlerweile Konzerthallen, von denen die meisten Top-40-Bands nur träumen können.