Offener Brief an RTL 

CPJPO fordert: Luxemburg soll wegen Israel nicht beim ESC mitmachen 

Wegen Israels Vorgehen im Gazastreifen droht dem ESC 2026 erneut eine Spaltung: Eine Abstimmung der beteiligten Sendeanstalten soll über Israels Teilnahme entscheiden. Das CPJPO fordert, dass auch Luxemburg den Wettbewerb boykottiert. 

Beim ESC in diesem Jahr in der Schweiz hat Israel mitgemacht – Fans hielten beim Auftritt von Yuval Raphael beim zweiten Halbfinale israelische Fahnen hoch

Beim ESC in diesem Jahr in der Schweiz hat Israel mitgemacht – Fans hielten beim Auftritt von Yuval Raphael beim zweiten Halbfinale israelische Fahnen hoch Archivfoto: Jens Büttner/dpa

Seit Wochen tobt ein heftiger Streit um die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) – nun soll es eine Abstimmung aller am ESC beteiligten Länder geben. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) setzte für November eine Online-Abstimmung der Mitgliedsländer zur ESC-Teilnahme an. Zuletzt hatte es vermehrt Forderungen gegeben, Israel wegen seines Vorgehens im Gazastreifen vom ESC 2026 in Wien auszuschließen. 

Ausgelöst hat die Debatte das Vorgehen Israels im Gazastreifen nach dem Angriff der radikalislamischen Hamas im Oktober 2023. Ein heiterer Musikwettbewerb auf der einen Seite und durch Israels Vorgehen sterbende Menschen auf der anderen Seite passt für viele Fans nicht zusammen. Mehrere Länder hatten in den vergangenen Wochen mit einem Boykott des ESC gedroht, sollte Israel wie bisher auch im nächsten Jahr an dem Musikwettbewerb teilnehmen. Zu diesen Ländern gehören unter anderen Spanien, Irland und die Niederlande. Neben den scharfen Kritikern Israels gibt es auch Unterstützer. Mehrere Länder kündigten an, auf eine Teilnahme zu verzichten, sollte Israel ausgeschlossen werden.  

Luxemburger NGO fordert Boykott

Wie soll sich Luxemburg entscheiden? Das „Comité pour une paix juste au Proche-Orient“ (CPJPO) fordert den Boykott. „Wir fordern die luxemburgischen Verantwortlichen auf, eine klare und entschiedene Haltung gegenüber dem Staat Israel und seiner rechtsextremen Regierung einzunehmen und sich dem Boykott anzuschließen“, schreibt das CPJPO in einem offenen Brief am Sonntagabend. „Jede andere Haltung wäre feige und bedauerlich.“

Das „Comité“ erklärt, dass nicht nationale Regierungen entscheiden würden, sondern die Fernsehsender, die für die Bewerbung ihres Landes verantwortlich sind. „Für Luxemburg ist dies RTL.“

Vergangene Wettbewerbe bereits vom Gazakrieg überschattet

Bereits die vergangenen beiden ESC-Wettbewerbe in Malmö und Basel waren von Kontroversen über Israels Kriegsführung im Gazastreifen überschattet. In Basel siegte in diesem Jahr der österreichische Sänger JJ. Er sicherte Österreich damit das Recht, den ESC 2026 auszurichten. Das Finale in Wien wird bereits die 70. Ausgabe des Musikwettbewerbs sein. Üblicherweise nehmen daran mehr als 35 Länder teil. Finanziert wird der Wettbewerb von den Mitgliedern der EBU. Für Luxemburg sind die beiden Sendeanstalten RTL und 100,7 Mitglied der EBU.

Es gab zwischenzeitlich Hoffnungen, dass Israel womöglich von sich aus verzichten könnte oder vorübergehend als neutraler Starter nicht unter israelischer Flagge teilnimmt. Die israelische Rundfunkanstalt KAN zeigte für solche Ideen aber keinerlei Offenheit. KAN pocht im Gegenteil bisher auf sein Recht, am ESC teilzunehmen. Ein Kompromiss statt der Zerreißprobe scheint damit nicht in Sicht.

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