Esch-Lankelz

Anwohner wehren sich gegen den Lärm des neues Pumptracks

Sie ist 95 Meter lang, hat 17 Buckel und sorgt momentan für Ärger. Anwohner wehren sich gegen die vor wenigen Monaten in Esch-Lankelz installierte Pumptrack-Piste. Grund: Sie ist viel zu laut. 

Der neue Pumptrack in Esch-Lankelz. Im Hintergrund die Häuser der rue Nicolas Mannes.

Der neue Pumptrack in Esch-Lankelz. Im Hintergrund die Häuser der rue Nicolas Mannes. Foto: Editpress/Julien Garroy

Der neue Pumptrack scheint gut anzukommen bei den Jugendlichen. Zumindest ist er gut besucht, denn ständig drehen sie hier ihre Runden, ob auf dem Fahrrad, dem Roller oder dem Skateboard. Das Problem ist der Lärm, den das erzeugt. Die 100.000 Euro teure Konstruktion hat eine Stahloberfläche, und vor allem die Hohlräume unter der Piste wirken wie Resonanzkörper und verstärken den Lärm um ein Vielfaches. 

Das will sich Georges Faber nicht mehr bieten lassen. Er und die weiteren 14 Haushalte in der Nic.-Mannes-Straße und der Victor-Wilhelm-Straße wehren sich gegen die Lärmbelästigung. „Wir wohnen seit 50 Jahren hier“, sagt Faber, „Die Situation ist schlimm. Letztens waren abends zwölf Jugendliche auf einmal auf der Piste. Das macht dann so richtig Krach.“

86 Dezibel

Faber hat der Gemeinde Anfang August einen Brief geschrieben, um sich über die Situation zu beschweren. Dem an Bürgermeister Georges Mischo sowie den Schöffen- und Gemeinderat adressierten Brief war eine Petitionsliste beigefügt, auf der sämtliche betroffenen Einwohner unterschrieben haben. Faber macht darauf aufmerksam, dass der Pumptrack mehr Lärm erzeuge als die „Schmelz“ oder aber die „Pénétrante Lankelz“ in unmittelbarer Nähe. Am 7. August maß er 86 Dezibel. Das entspricht in etwa dem Geräusch, das ein Martinshorn aus 10 Meter Entfernung macht. Ein solcher Wert löst bei einer Belastung von 40 Stunden pro Woche Hörschäden aus.

Dabei, argumentierte Faber, seien seit der großherzoglichen Verordnung vom 13.2.1979 in einem Viertel wie „Lankelzerweiher“ Maximalwerte von 55 respektive 40 Dezibel in der Nacht bindend. Und er rief den Verantwortlichen das Polizeireglement der Stadt Esch, Artikel 21 im Kapitel 2, in Erinnerung: „Il est interdit de troubler la tranquillité publique par des cris et des tapages excessifs ou par des jeux ou sports bruyants.“ Daher forderten Faber und seine Mitstreiter Bürgermeister Mischo zum sofortigen Abbau der Piste auf. Beim Pumptrack handelt es sich nämlich um eine auf- und abbaubare Struktur, was ihn einzigartig im Land macht, aber durch die Stahloberfläche auch sehr laut. Es gibt solche modularen Pumptrack-Anlagen übrigens auch aus Hartgummi und Beton-Fertigbauteilen, was ungleich weniger Lärm verursacht.    

Inzwischen hat Georges Faber auch eine Antwort der Gemeinde erhalten. Die halte am Prinzip der Installation an dieser Stelle fest. Mit der Firma wolle man sich vor Ort begeben und klären, ob das Lärmproblem technisch gemildert bzw. gelöst werden könne. Zudem solle Luxcontrol den Lärmpegel erfassen. Faber stellt das nicht zufrieden. Für ihn steht fest, dass die Konstruktion verschwinden muss. „Die Gemeinde braucht jetzt nicht mit Fummeleien anzufangen und an der Piste herumzubasteln. Das ändert im Übrigen nichts daran, dass sie gegen ihre eigenen Reglemente verstößt. Im „Plan d’aménagement général“ (PAG) der Stadt Esch ist das Gelände eine „zone de verdure“, die dazu dient, die Geräuschkulisse der „Pénétrante Lankelz“ abzumildern. Da darf man prinzipiell nichts drauf bauen.“ 

Zu nah an den Wohnhäusern und daher zu laut. Die neue Pumptrack-Piste sorgt für Aufregung.

Zu nah an den Wohnhäusern und daher zu laut. Die neue Pumptrack-Piste sorgt für Aufregung. Foto: Editpress/Julien Garroy

Auf der Grünanlage zwischen der vierspurigen Straße und den Häusern in der Mannes-Straße war vor dem Pumptrack ein kleines Fußballfeld mit Handballtoren, daneben ein Spielplatz. „Da waren oft Kinder aus der Nachbarschaft, den anliegenden ‚Maisons relais‘ und Schulen, was aber nie störte“, sagt Georges Faber. Es war ein Spielplatz für Kinder bis zwölf Jahre. 

Bürgermeister Georges Mischo (CSV) versicherte gegenüber dem Tageblatt, die Sorgen der Leute ernst zu nehmen. „Die Pumptrack-Piste ist Teil des Gesamtprojekts der Multisport-Anlagen in Esch. In jedem Stadtviertel soll so eine Anlage stehen, aber wir wollen nicht in jedem Viertel die gleiche. Also ist dieser Platz von unserem ‚service architecte‘, aber auch vom ‚service espace verts‘ ausgesucht worden für den Pumptrack“, erklärt Mischo den Gesamtkontext. Er selbst sei zweimal vor Ort gewesen und bestätigt einen „gewissen Geräuschpegel“. Und er verstehe, dass sich die Menschen dadurch belästigt fühlen. Jetzt wolle man mit der Firma, die die Piste gebaut hat, eine Lösung finden, um die „Geräuschkulisse ein bisschen herunterzukriegen“, so Mischo.

Minister befasst

Falls es keine Lösung gibt, ist der Abbau dann eine Option? „Es ist eine mobile Pumptrack-Piste, man kann sie also auf- und abbauen. Aber in einer ersten Phase möchte ich erst einmal nicht, dass sie ganz wegkommt. Wir schauen jetzt zunächst einmal mit der Firma, um eine Lösung zu finden. Wir können auch noch Hecken pflanzen oder z.B. aus Holz einen Schallschutz bauen. Wenn das alles nichts bringt, dann ist der Abbau eine Möglichkeit. Aber selbst wenn dies geschieht, dann kommt trotzdem eine Multisportanlage dorthin. Denn wenn wir eine wegnehmen, dann ist das gesamte Projekt gestorben.“

Auch das überzeugt Georges Faber nicht. Er hat Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) wegen des PAG geschrieben. Gleiches plant er mit Umweltministerin Carole Dieschbourg und dem Minister für soziale Sicherheit, Romain Schneider. Dieschbourg („déi gréng“) befasst er mit dem Betonieren einer Grünfläche und einer Spielwiese in einer „zone de verdure“, denn der Pumptrack steht auf einem Betonfundament. Auch die Konformität der Pumptrack-Piste nach DIN-Normen stellt Faber infrage. Bis jetzt bezeichnete sich die Umweltverwaltung bei den Beschwerden der Anwohner als nicht zuständig in der Sache. Auch Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) soll angeschrieben werden. „Denn die Leute fangen an, vom Lärm krank zu werden“, so Faber.    

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