Kopf des Tages
Altgedienter Haudegen: Gast Gibéryen verlässt die Chamber in Richtung „Pensioun“
Gast Gibéryen verlässt die Chamber in Richtung „Pensioun“
© Editpress/Herve Montaigu Foto: Hervé Montaigu / Editpress
Ein angegrauter Vollbart, eine eckige Brille, eine Krawatte mit einem asymmetrischen Knoten: Gaston Gibéryen ist eine Erscheinung und eine Institution in Luxemburg. Seit Jahrzehnten bestimmt Gibéryen – ob man das gut findet oder nicht – das politische Geschehen in Luxemburg mit.
Heute ist er vor allem als das Gesicht der ADR bekannt. Doch das war nicht immer so. Sein gesellschaftliches und politisches Engagement reicht viel weiter zurück als die Gründung der ADR 1987.
Gaston Gibéryen (er selbst gibt in offiziellen Dokumenten „Gast“ als Vornamen an) wurde am 29. Juni 1950 in Born an der Sauer geboren. 1976 wurde er in Frisingen zum ersten Mal zum Schöffen gewählt. Wenig später wurde er Bürgermeister. Als solcher hat Gibéryen Legendenstatus erreicht. Fast ein Vierteljahrhundert (Januar 1982 – November 2005) bekleidete er das oberste Amt der Gemeinde Frisingen. 2006 machte die Kommune ihn sogar zum Ehrenbürgermeister.
Dort, in seiner Gemeinde, ist Gibéryen nicht der ADR-Mann, der im Parlament gleich rechts vom Rednerpult sitzt, sondern der „Gast“, der auf Dorffesten gerne gesehen und der immer nah an den Bürgern ist. „Gast Gibéryen hat viel für die Gemeinde getan“, sagte der aktuelle Bürgermeister von Frisingen, Roger Beissel, einmal gegenüber L’essentiel. Die Tatsache, dass die ADR bei den Nationalwahlen besonders in Frisingen punkten konnte, führte Beissel auf das Charisma von Gibéryen zurück: „Die Leute haben weniger für das Programm der ADR gewählt als für seine Person.“
Seine Karriere begann Gibéryen bei der Gewerkschaft NGL, deren Geschichte eng mit der der ADR verknüpft ist. Ebendiese NGL rief im Dezember 1986 zum Kampf für mehr Rentengerechtigkeit auf. Auf den Aufruf folgte die Gründung des „Aktiounskomitee 5/6-Pensioun fir jiddfereen“, aus dem später die ADR hervorgehen sollte – und im März 1987 eine Protestdemonstration, an der mehrere hundert Menschen teilnahmen. Bei den Wahlen 1989 holte die Partei, die sich damals noch ausschließlich dem Thema Rentengerechtigkeit widmete, aus dem Stand 7,13 Prozent.
Seitdem sitzt Gast Gibéryen im luxemburgischen Parlament und konnte sein Mandat bislang jedes Mal verlängern. Die freundliche Art, mit der Gibéryen den Menschen oft begegnet, kann täuschen. Er ist kein leiser Oppositionspolitiker. So forderte er 2016 schon einmal den Rücktritt von Premier Xavier Bettel. 2018 warf er Finanzminister Pierre Gramegna vor, die Haushaltszahlen zu manipulieren.
Am Montag, 6. Juli, hat Gast Gibéryen nun nach 31 Jahren Dienstzeit seinen Rücktritt aus der Chamber verkündet. Stichtag ist der 13. Oktober, die „Rentrée“ des Parlaments. Seinen frei werdenden Sitz wird ab Herbst dann Fred Keup besetzen – für Gibéryen wird es laut eigener Aussage Zeit für die „Pensioun“.