Basketball

1,52 m, aber oho: Wie Katia Jemming als kleinste Spielerin die Liga aufmischt

Dass es auch im Basketball nicht immer auf die Größe ankommt, das beweist Katia Jemming jede Woche. Mit 1,52 Metern ist die Escherin die kleinste Spielerin der Enovos League, sieht darin aber keinen Nachteil. 

Katia Jemming sieht in ihrer kleinen Körpergröße auch Vorteile

Katia Jemming sieht in ihrer kleinen Körpergröße auch Vorteile Foto: Editpress/Luis Mangorrinha

„Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Basketball spiele, dann wird mir das meistens erst einmal gar nicht geglaubt“, erklärt Katia Jemming mit einem Lachen. Bei einem Blick aufs Spielfeld wird deutlich, wovon die 19-Jährige redet. Denn mit ihrer Körpergröße von gerade einmal 1,52 Metern sticht die junge Escherin sofort ins Auge. „Viele denken erst einmal, dass ich eine andere Aufgabe innerhalb der Mannschaft hätte und sind überrascht, wenn ich mich dann mit dem Team warm mache.“ 

Dennoch kam für Jemming, die damit die kleinste Spielerin der Enovos League ist, nie eine andere Sportart in Frage. Zurück führt sie dies auch auf ihren Cousin Eric und ihre Cousine Claire Kesseler, die für sie von Kindesbeinen an große Vorbilder waren. „Sie waren schon immer meine Idole und ich wollte genau so sein wie sie“, ergänzt die 19-Jährige mit einem Schmunzeln. „Die Seite meiner Mutter ist schon ziemlich basketballverrückt.“ So war die Leidenschaft für die Sportart mit dem orangefarbenen Ball bei Katia Jemming früh geweckt. Dass ihre Körpergröße beim Basketball ein Nachteil sein könnte, wollte sie dann auch nie wirklich wahrhaben. „Ich wollte einfach nur den Sport ausüben, der mir Spaß macht und ich habe gelernt, in meiner Größe eher die Vorteile als die Nachteile zu sehen.“

Ich wollte einfach nur den Sport ausüben, der mir Spaß macht und ich habe gelernt, in meiner Größe eher die Vorteile als die Nachteile zu sehen

Katia Jemming

Was Katia Jemming meint, das kann Woche für Woche auf den Spielfeldern in Luxemburg beobachtet werden. Die 19-Jährige ist nämlich ein wahres Powerhouse, das mit seiner Explosivität schon so manche größere Spielerin ans Zweifeln brachte und in der Defensive fast schon an den Gegenspielerinnen festklebt. „Meine Schnelligkeit ist das größte Geschenk, das ich habe“, gibt die Spielerin, die seit jeher für den Basket Esch aufläuft, zu. „Zudem bin ich eine Person, die für die Defensive lebt. Bei mir war es nie so, dass man sagte, dass ich mehr Defensive spielen müsse, sondern eher weniger“, sagt sie lachend. „Deshalb hatte ich auch nie das Gefühl, dass ich mehr an mir arbeiten müsse als andere. Vielleicht eher, dass ich mich mehr auf eine gewisse Gegenspielerin vorbereiten muss, mir noch genauer ansehe, wie beispielsweise eine US-Amerikanerin spielt.“ Und auch den Überraschungseffekt hat die 19-Jährige erst einmal auf ihrer Seite, denn wir sie selbst bestätigt, wird sie vor allem von gegnerischen Profis, die neu im Land sind, erst einmal konsequent unterschätzt. „Schnell merken sie dann aber schon, dass die Kleine da doch ganz gut mit dem Ball umgehen kann.“

Basketball: Eine Leidenschaft

Mit ihren schnellen Antritten lässt Katia Jemming so manche Gegenspielerin hinter sich

Mit ihren schnellen Antritten lässt Katia Jemming so manche Gegenspielerin hinter sich Foto: Editpress/Fernand Konnen

Katia Jemming ist sich jedoch bewusst, dass dieser Größenunterschied im Damenbasketball wohl weniger zum Tragen kommt als bei den Herren. „Da habe ich schon Glück, dass ich eine Frau bin. Wenn ich mir die Enovos League anschaue, gibt es Spielerinnen wie Lou Mathieu oder Julie Mangen, die um die 1,60 Meter und damit nicht viel gößer sind. Trotzdem haben sie einen enormen Einfluss auf das Spiel ihrer Mannschaften. Julie kann mit ihrer Treffsicherheit von der Dreier-Linie jede Gegenspielerin auseinandernehmen.“ Nur was die Position betrifft, hatte die 19-Jährige nicht die ganz große Wahl, wie sie lachend erklärt. „Point Guard lag da ja auf der Hand, unter dem Korb haben größere Spielerinnen da schon ihre Vorteile.“ 

Wie weit man es mit einer geringen Körpergröße bringen kann, das hat in den letzten drei Jahren eine US-Amerikanerin gezeigt, die Katia Jemming als ihr persönliches Vorbild bezeichnet: Martha Burse. Die ehemalige Profispielerin der Sparta, die inzwischen in der Bundesliga für Saarlouis aufläuft, wurde in der letzten Saison immerhin zum MVP der Liga gewählt und gehört mit ihren 1,68 Metern auch nicht unbedingt zur größten Fraktion auf dem Parkett. „Es ist Wahnsinn, wie sie spielt. Man kriegt sie ja kaum gehalten. Damals, als sie noch für Bartringen auflief, war ich da auch schon ziemlich überfordert. Das war sehr beeindruckend.“ 

Vorbild Martha Burse

Dass die Größe auch im Basketball nicht unbedingt alles ist, beweist Katia Jemming mit ihrem Ehrgeiz und ihrer Leidenschaft, die man auch im Gespräch sofort erkennen konnte, also jedes Wochenende auf ein Neues. Inzwischen ist die 19-Jährige beim Basket Esch auf der Spielmacherposition dann auch erste Wahl. „Es ist ein großes Stück Verantwortung, aber sehr cool. Es ist ja auch das, worauf ich sehr lange hingearbeitet habe.“ Dass sie schon früh eine solche Chance erhält, führt Katia Jemming auch auf die Corona-Pandemie zurück, in der sie aufgrund von personellen Engpässen im jungen Alter ins kalte Wasser geworfen wurde.

„Ich bin froh, dass dies so war. Gerade in der Zeit in der Damenmannschaft habe ich sehr viel hinzugelernt. In der Jugend ist es leider so, dass man immer gegen die gleichen spielt. Hier gibt es aber immer wieder neue Profispielerinnen, die einen richtig fordern.“ Dankbar ist Katia Jemming auch der Escher Kapitänin Tatsiana Likhtarovich, die ihre internationale Erfahrung auch an die vielen Jugendspielerinnen des Klubs weitergibt. „Wenn sie dir sagt: ‚Ja, das ist gut, mach weiter so’, dann gibt dir das einen enormen Schub. Das motiviert dich auch, immer weiterspielen zu wollen – um zu beweisen: ‚Okay, ich bin klein, ich bin jung, aber ich kann mithalten’.“ 

Sich auf einem guten Level weiterentwickeln möchte die Abiturientin gerne auch in den kommenden Jahren. Katia Jemming würde im nächsten Herbst am liebsten an einer Uni im Ausland studieren, wo sie auch ihren Sport in einer ausländischen Liga weiter auf Wettkampfniveau ausüben kann. Dass ihre Größe ihr da nicht im Weg stehen dürfte, hat sie ja bereits häufig genug bewiesen.  

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