Progrès Niederkorn

Über die Hoffnungen von Kenan Avdusinovic, einen bestimmten Anruf zu bekommen

Am Mittwochabend wird Kenan Avdusinovic seine Vergangenheit in Hostert für 90 Minuten ausblenden. Wie der Torjäger der Niederkorner sich derzeit fühlt und wie er zum Thema Nationalmannschaft steht, erzählte er im Interview.

Kenan Avdusinovic weiß genau, wie er großgewachsene Verteidiger am besten ärgern kann

Kenan Avdusinovic weiß genau, wie er großgewachsene Verteidiger am besten ärgern kann Foto: Editpress/Gerry Schmit

Tageblatt: Fünf Einsätze, fünf Tore. Wie bewerten Sie Ihren Start beim Progrès Niederkorn?

Kenan Avdusinovic: Mit meinen persönlichen Statistiken bin ich zufrieden. Aufgrund des Kaders und der Leistungen, die wir auf den Platz gebracht haben, könnten wir aber noch etwas besser da stehen. Zu Beginn der Saison bin ich nach dem ersten Treffer verletzungsbedingt früh ausgefallen, konnte aber schnell zurückgekommen. Gegen Käerjeng war es am Wochenende ein schweres Spiel. Sie konnten schnell in Führung gehen. Wir sind aber ruhig geblieben. Mein Job ist es dann, das zu tun, was ich am besten kann. Bei einer Ecke kam der Ball auf mich zu. Ich musste nur noch abschließen. Diese Aktion war einstudiert. Das zweite Tor war eher mit Glück verbunden. Ich habe auf diesen Ball aus unserer Verteidigung gelauert und dann den Zweikampf gegen den Abwehrspieler gewonnen. Das dritte Tor war das schönste (lacht): Flavjo Hoxha hat den Ball nach einer tollen Aktion zu mir rübergespielt. Ich habe noch einen Haken geschlagen und der Weg war frei … 

Sie haben gesagt, Sie hätten das getan, was Sie am besten können. Wie äußert sich das?

In meiner Jugend hatte ich immer Glück mit meinen Toren. Bei den Seniors war es schwerer. Seit vergangenem Jahr klappt es aber wieder hervorragend. Ich bin in der Lage, meine Qualitäten auf den Platz zu bringen. Am Fußballspruch „Wenn man erst einmal Blut geleckt hat“ ist auch etwas dran. Jetzt läuft es. Bei mir kam dieser Auslöser mit dem Vertrauen und der Einsatzzeit in Hostert.

Am 2. August zogen Sie sich nach dem Treffer gegen Düdelingen schon nach wenigen Minuten eine Verletzung zu.

Das war super bitter. Ich hatte in den Monaten zuvor viel Zeit mit den Physiotherapeuten verbracht, um eben genau diese muskulären Probleme zu vermeiden. Die Vorbereitung lief super, es gab absolut nichts Auffälliges, bis ich dann im Testspiel gegen Sochaux einen Schlag abbekommen habe. Ich gehe davon aus, dass das auch der Grund für die Verletzung war. In dem ersten Pflichtspiel dann ausgewechselt zu werden und zu verlieren, ist bitter. Zu dem Zeitpunkt konnte ich schlecht einschätzen, wie lange ich ausfallen würde. Das Gefühl ist das gleiche, ob es nun ein Faserriss oder nur eine kleine Zerrung ist. In diesen Momenten bin ich dann eher ein Pessimist, der vom Schlimmsten ausgeht. Glücklicherweise waren es nur zwei Wochen und ich bin gut zurückgekommen.

Ist der Kenan Avdusinovic des Progrès torgefährlicher als derjenige der US Hostert in der vergangenen Saison?

Der Instinkt vor dem Tor ist noch immer der gleiche. Spielerisch habe ich mich beim Progrès allerdings noch einmal weiterentwickelt. Das hat mit unserer Spielweise zu tun. In Niederkorn bin ich viel mehr in den Spielablauf eingebunden. Eine Mannschaft wie Hostert hat da deutlich weniger Ballbesitz, während Niederkorn eher das dominierende Team ist, das die Aktionen einleitet. In Hostert musste ich auf Konter warten, hier kann ich Freiräume mehr ausnutzen. Als Fußballer macht es mehr Spaß, in Ballbesitz zu sein, statt zu hoffen, dass ein guter Ball kommt, den man unbedingt reinmachen muss. Wir spielen einen geilen Fußball, müssen aber noch ein paar Details verbessern.

Steckbrief

Kenan Avdusinovic
Geboren am
3. März 1998
Nationalität: Luxemburger
Bisherige Vereine: Hostert (Jugend), Swift Hesperingen, UT Petingen, Déifferdeng 03, Hesperingen, Hostert, seit Sommer beim Progrès Niederkorn
FLF-Auswahl: ehemaliger U21-Nationalspieler

Wie viele Freiheiten genießen Sie denn – und wie viel Prozent des Auftritts sind einstudierte Automatismen?

Ich würde sagen: fifty-fifty. Was auf den ersten 70 Metern passiert, gehört zu den einstudierten Abläufen. Auf den letzten 30 Metern ist Platz für Talent. Da liegt es an uns, das zu beweisen. Unser Spiel ist eigentlich mit vielen Freiheiten verbunden, solange alle Positionen besetzt sind. Ich bewege mich viel, suche nach freien Räumen und lebe mehr von der Freiheit. Es sieht sicherlich lustig aus, dass der Kleinste im Sturm spielt. Die großen Verteidiger hassen mich, weil ich so flink bin.

Sie sind im Sommer von der USH an Niederkorn ausgeliehen worden. Am Mittwochabend kommt es also zum Wiedersehen. Mit welchen Gefühlen und Gedanken gehen Sie an dieses Spiel heran? 

Ich bin ausgeliehen, würde aber gerne bleiben, es sei denn, es würde sich eine Tür im Ausland öffnen. Im vergangenen Jahr gab es Kontakte, aber nichts Konkretes. Ich bin trotzdem zufrieden und mache mir keinen besonderen Druck. In Hostert gab es im Sommer auch viel Veränderung. Mitleid werde ich aber keins mit ihnen haben. Vor dem Tor sind mir die Freundschaften egal. 

Wie oft haben Sie in den letzten Tagen auf einen Anruf von FLF-Nationaltrainer Jeff Strasser gewartet?

Nicht oft. Die Hoffnung ist aber immer im Hinterkopf. Ich kann nichts tun, außer mich derzeit auf meinen Fußball zu konzentrieren. Falls ich für die Nationalmannschaft berufen werden würde, wäre das eine große Ehre. Falls nicht, bin ich noch immer glücklich. Wenn die Auswahl mich braucht und der Trainer denkt, dass ich es verdiene, soll es so sein. Ich kann nicht einschätzen, ob diesmal BGL-Ligue-Spieler dabei sein werden. Jeff Strasser hat aber schon bewiesen, dass er weiß, was er tut. Ich werde die „Roten Löwen“ so oder so unterstützen.

Zurück zum Progrès. Bislang fehlte es an Konstanz. Was waren die größten Probleme bisher?

Es waren kleinere Details, die ausschlaggebend waren, wenn ein Spiel kippte. Kein Gegner hat uns dominiert oder war uns spielerisch überlegen. Die Spiele sind vom Inhalt her gut. Allerdings waren wir auch anfällig. Man kann nicht jedes Mal vier Tore schießen … Wir sind keine stereotypische Mannschaft, die man von A bis Z durchanalysieren kann. Wir sind variabel und wollen unsere Philosophie auf den Platz bringen. 

Wie schlägt man die US Hostert?

Mit der nötigen Konzentration und etwas Glück, das man sich in jedem Fußballspiel erarbeiten muss. Da bin dann auch ich gefordert. Ich will meinen Teil dazu beitragen. 

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